Werner Biermeier

Solothurner Schauspieler sorgt im Advent für Heiligen Bimbam

Werner Biermeier liest im Advent jeden Mittwochabend in der Öufi-Brauerei.

Werner Biermeier liest im Advent jeden Mittwochabend in der Öufi-Brauerei.

Zwei Stunden lang ist es mucksmäuschenstill. Werner Biermeier liest in der Öufi-Brauerei. «Heiliger Bimbam!» – ein treffender Name für die Lesung, die jeden Mittwochabend im Advent angesagt ist.

Unter der roten Chlausenmütze hält der Schauspieler sein Publikum spielend hellwach. Eine deftige Story von Gerhard Polt zu einem üblen Heiligabend-Besäufnis würzt er mit kräftigen bayrischen Brocken. «Meine Lieblingsfremdsprache ist Englisch.» Da sind wir uns nicht so sicher.

Die weissblauen Gene wirken bei Werner Biermeier noch sehr präsent. Denn sein Vater war Bayer. Der Sohn ist heute Urner. Wohnt seit Jahren in Solothurn. Aber Bayern, das ist für ihn noch heute das «Weihnachtswunderland». Denn Werner Biermeier ist vor allem eines: Genussmensch.

Bei Sprüngli gelernt

Denn sein Vater war nicht nur Bayer, sondern auch Confiseur. Vier Jahre zählte der kleine Werner, als die Eltern 1965 ihre Confiserie mit Café in Altdorf eröffneten. Nach der Matura trat er in die väterlichen Fussstapfen. Und lernte Confiseur bei Sprüngli. Werner Biermeier kanns heute noch: Wer je eines seiner handgefertigten Truffes versucht hat, wird süchtig – da ist Sprüngli drin.

Schon vorher hatte er zu Hause in jungen Jahren mitgeholfen. «Weihnachten war immer sehr speziell. Überall roch es fantastisch.» Aber auch eine strenge Zeit. «Wir mussten an Weihnachten abends noch Schinken im Brotteig und Desserts ausliefern.» Dafür habe es stets fette Trinkgelder gegeben. «Mindestens einen Fünfliber.»

New York, New York

Dann die erste grosse Zäsur. Der Elternbetrieb ging durch eine unfreundliche Übernahme verloren. Der Confiseur wechselte vom dörflichen Urner Milieu in die Metropole New York. Und lebte dort vor allem vom – Kochen für sehr reiche Leute. «Einmal habe ich in einer 30-Zimmer-Villa auf Rhode Island während dreier Tage Gäste bekocht. Das hiess 54 Stunden Arbeit – aber es war lustig.»

Das Ende kam nach drei Jahren abrupt: Mit «Nine eleven», der verheerenden Attacke auf die Twin Towers vom 11. September 2001. «Ich war damals gerade in der Schweiz. Meine New Yorker Wohnung befand sich in unmittelbarer Nähe. Und so beschloss ich, gar nicht mehr in die USA zurückzukehren.» Doch eine weitere Metropole lockte: Berlin.

Der Schauspieler

Nun fasste Werner Biermeier definitiv in jenem Metier Fuss, das ihn schon seit jungen Jahren fasziniert hatte: die Schauspielerei. Immerhin war er an den Tellspielen von Altdorf schon als Gessler aufgetreten, und nun profilierte er sich in Film und Werbung. «Theater spielte ich weniger, denn in Deutschland können sie dafür fast nichts zahlen.» Eine seiner bekanntesten Filmrollen handelte jedoch in der Schweiz: 2004 die des Kondukteurs in «Mein Name ist Eugen». Mit einem schönen Nebeneffekt: An der Vorpremiere lernte er seine heutige Frau, die Solothurnerin Evi Hirsbrunner kennen.

Auch im Stadttheater zu sehen

2014 gab er den Fabrikdirektor in der historischen Sommerserie «1914» des Schweizer Fernsehens, letztes Jahr war er auch im Stadttheater Solothurn zu sehen. Im eindrücklichen Stück «Das heilige Experiment» bewies Biermeier seine extreme Wandlungsfähigkeit. Verkörperte er doch einen Indio-Häuptling genauso perfekt wie dessen hinterhältigen Widersacher, den Kardinal von Buenos Aires. Aktuell taucht er in deutschen Serien wie «Sturm der Liebe» oder in einem bekannten Digital-Werbespot auf.

Wobei das Business spürbar härter geworden sei: Gagen würden gedrückt, «und statt einem persönlichen Casting ergeht oft die Aufforderung, per Handy etwas Selbstgedrehtes zu liefern.» E-Casting, nennt sich das. Werner Biermeier: «Früher wurde man zu Castings noch eingeflogen.»

Die «Doppelrolle»

Seit 2010 wohnt der gesellige Schauspieler im Solothurner Steingrubenquartier, wo er gerne Gäste bewirtet. Doch seine Urner Wurzeln sind gut hörbar geblieben. «Üfa und appa» gehts bei Werner Biermeier zu und her, seinen Heimatdialekt will er auch nicht verleugnen. Obwohl er inzwischen Mitglied der altehrwürdigen Solothurner Bruderschaft St. Lukas geworden ist, pflegt er die alten Kontakte zum Urner Pendant, den dortigen «Jakobinern» oder der Vereinigung «Nächstenliebe», die in Altdorf für einiges Brauchtum zuständig ist – vom Samichlaus bis zur Fasnacht.

Und eigentlich hatte er gehofft, dass es seine Landsfrau Heidi Z’graggen in den Bundesrat schafft. Hält er doch grosse Stücke auf sie, auch wenn ihre Zahnlücke schon für einen Urner Fasnachtswagen herhalten musste.

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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