Stadt Solothurn

Solothurner Rotarier: «Sich bewerben geht nicht, man muss berufen werden»

Distriktsgovernor Paul Meier ist Gastgeber in Solothurn. ww

Distriktsgovernor Paul Meier ist Gastgeber in Solothurn. ww

Am Wochenende treffen sich 150 Delegierte von Rotary Clubs zu ihrer Distriktskonferenz in Solothurn. Erwartet werden auch ehemalige Bundesratmitglieder wie Ruth Metzler oder Adolf Ogi.

«Ich wehre mich dagegen, wir wollten eine Elite repräsentieren. Rotarier sind ganz gewöhnliche Menschen mit Licht- und Schattenseiten.» Distriktsgovernor Paul Meier relativiert, was die Exklusivität der Rotary Cubs anbelangt. Ihre Ziele seien ähnlich wie die der anderen Serviceclubs, etwa der Lions oder Kiwanis. Doch jeder und jede kann nicht Rotarier werden.

Leistungsausweis mitbringen

«Sich bewerben geht nicht, man muss berufen werden.» Und einen Leistungsausweis mitbringen. Denn im Rotary Club sitze man nicht einfach zusammen, um sich auszutauschen oder den Horizont zu erweitern. Obwohl dies wöchentlich bei einem Mittagessen der Fall ist. «Man soll sich auch in gemeinnützige Institutionen einbringen und sich für die Mitmenschen engagieren», sieht Meier einen Hauptzweck des Rotarier-Seins, das Personen aus allen Gesellschaftskreisen umfasst. So hat beispielsweise der Rotary Club Solothurn Stadt das Stadtmodell für Sehbehinderte vor dem Baseltor ermöglicht; Meiers Club Solothurn Land dagegen ein Vebo-Fahrzeug für den Behindertentransport oder einen Erlebnisnachmittag im Kinderheim Kriegstetten.

Ein Check für Swisscor

500 bis 700 Franken Jahresbeitrag erhebt ein Rotary Club von jedem Mitglied. Doch damit ist es nicht getan. Darüber hinaus werden grössere Projekte angepackt. Paul Meier nennt etwa ein Kinderheim in Lugano, für das die Rotarier eine Million zusammengebracht haben – nicht bloss in bar, sondern auch in Eigenleistungen über Fronarbeit. Ein Ziel hat sich der Distrikt 1860, dem Meier als Governor vorsteht, ebenfalls gesteckt: Mindestens 150  000 Franken für Swisscor zu sammeln. «Wichtig ist, dass alle 64 Clubs des Distrikts mitmachen.» Getreu dem Jahresmotto von Rotary International: «Frieden durch Einsatz.»

Für Meier erfüllt Swisscor diese Aufgabe «wunderbar.» Doch könne es nicht der Job von Leuten wie Patronatskomitee-Präsident Adolf Ogi oder dem kürzlich verstorbenen Stiftungspräsidenten Gianpiero Lupi sein, die Mittel für das alljährliche Kinderlager von Swisscor selbst zu beschaffen. «Deshalb haben wir das Fundraising für das diesjährige Lager übernommen», weist der Governor auf die Checkübergabe an der Distriktskonferenz in Solothurn hin. Adolf Ogi wird den Check entgegennehmen, und wer Paul Meier kennt, weiss, dass es nicht beim anvisierten Ziel von 150 000 Franken geblieben ist.

Kinderlähmung fast ausgerottet

Rotary wolle aber auch sonst «zeigen, was man erreichen kann, wenn man zusammenarbeitet», verweist Paul Meier auf die mit 100 Mio. Dollar dotierte Rotary Foundation, die global beispielsweise in der Wirtschaftsentwicklung oder in Bereichen wie Mutter und Kind aktiv ist.

Zweiter Schwerpunkt ist die weltweite Bekämpfung der Kinderlähmung (Polio). Paul Meier: «Bei der Ausrottung der Krankheit haben wir signifikante Erfolge erzielt. Es gibt nur noch drei Länder, in denen die Kinderlähmung noch existiert.» Zur Bekämpfung der Krankheit habe die Schweiz mit 8 Mio. Franken «einen massgeblichen Beitrag» geleistet.

Dritter Schwerpunkt der Rotary-Aktivitäten ist der Austausch von Jugendgruppen und die Finanzierung von Stipendien. So wird am Wochenende in Solothurn auch eine australische Jugendgruppe erwartet. «Spannend ist für den Governor aber auch ein nächstes Jahr geplantes Austauschprogramm mit Schanghai. «Das ist nicht selbstverständlich. Rotary ist in China nicht anerkannt. Die zwei Clubs in Peking und Schanghai werden nur geduldet.»

Die Frauen holen auf

Nicht von ungefähr kommt, dass am Distrikttreffen neben den statutarischen Geschäften bekannte Frauen im Mittelpunkt stehen. So Alt-Bundesrätin Ruth Metzler an einem Panelgespräch am Freitag zum Thema «Über den Umgang mit Veränderungen», oder Kathrin Altweg, Professorin und Weltraumforscherin mit Solothurner Wurzeln, die am Samstag die Rotarier-Gemeinde auf «eine Reise in andere Dimensionen» mitnimmt.

Noch haben sich Frauen in der Rotary Bewegung nicht überall durchgesetzt, aber «die zwei anderen Schweizer Distrikte werden schon von Frauen geführt, auch wenn in unserem nur 10 Prozent der Mitglieder weiblich sind und noch 17 von 64 Clubs keine Frauen in ihren Reihen haben», so Meier. Immerhin zähle beispielsweise der Club Solothurn Stadt 15 Frauen. Und Paul Meier erklärt nicht ohne Stolz: «Für unsere Distriktführung konnte ich aber auf 2015/16 mit der Luzernerin Judith Lauber eine Frau gewinnen.»

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