Weststadt

Solothurner Politik zeigt Herz für den Henzihof

Das Ensemble inmitten des Entwicklungsgebiets Weitblick soll in die weitere Planung integriert statt abgerissen werden, findet die Mehrheit des Solothurner Gemeinderats.

Nicht nur den rund 20 Zuschauern aus dem Umfeld des Quartiervereins Weststadt war es ein Herzensanliegen: Letztlich entschied sich die Mehrheit des Gemeinderats am Dienstagabend gegen die Abrissbirne und für den Erhalt des Henzihofes.

Der patrizische Lehenshof steht mitsamt Hostet und dem rege genutzten Lusthäuschen auf dem prominenten Baufeld Nummer zwei des «Weitblicks». Jenem Areal im Entwicklungsgebiet also, das als eines der ersten bebaut werden soll, als ein «Meilenstein der Entwicklung Weitblick», wie Andrea Lenggenhager, Leiterin des Stadtbauamts, in ihrer Einführung zum Traktandum erläuterte.

Geplant ist dort eine Mischzone mit altersdurchmischtem Wohnen, mit Quartierläden, Restaurationsbetrieben, Kindergärten, gesundheitsbezogenen Einrichtungen – und einem Quartierzentrum.

Viele Faktoren spielen

Nun hatten im Vorfeld mehrere Fragen im Raum gestanden: Können sich die Pläne fürs Baufeld 2 sowie das Hof-Ensemble nebeneinander, miteinander entwickeln? Oder hat die Fläche eine «Tabula rasa» nötig? Und wer soll das Zepter in der Hand halten?

Lenggenhager: «Im Zentrum stand der Mehrwert für die Entwicklung des ‹Weitblicks›», wohlwissend dass viele Faktoren in die Thematik hineinspielen. So stehen mit den Investoren-Anwärtern wirtschaftliche Aspekte zur Diskussion, ebenso wie die Tatsache, dass die Bauten laut Bauinventar der Stadt als schützenswert gelten.

Und: dass der Ort bereits heute als identitätsstiftender Ankerpunkt der Weststadt ausstrahlt. «Angesichts des schlechten Baugrunds stellt sich ausserdem die Frage, wie die Gebäude den Übergang auf die neue Terrainhöhe schaffen.» Und weiter Thema war die städteplanerische Verpflichtung zu verdichtetem Bauen. Obschon: Der Verlust an baulicher Ausnutzung indes sei laut Studie auch bei einem Erhalt des Henzihofs vertretbar: Er liegt bei 10 bis 15 Prozent.

Erhalt und Integration auf dem Baufeld

Drei Varianten oder Szenarien waren im Vorfeld ausgearbeitet worden. Entschieden hat sich der Gemeinderat nun dafür, dem Antrag der Gemeinderatskommission (GRK) zu folgen, das Baufeld 2 als Ganzes zu entwickeln und den Henzihof als Quartierzentrum urbar zu machen. Geplant ist dabei auch eine Zwischennutzung mit notwendigen Reparaturkosten in der Höhe von 170 000 Franken und einem Betriebsetat von 160 00 Franken für eine drei Jahre dauernde Zwischennutzung.

Da die Eigentumsverhältnisse und die genaue Umsetzung erst zu einem späteren Zeitpunkt geklärt werden sollen, steht auch nicht fest, wie teuer der Totalumbau des Henzihofs den dereinstigen Bauherrn zu stehen käme. Eine Grobkostenschätzung seitens der Stadt geht von 4,5 Mio. Franken aus. Offen bleibt indes das Schicksal des Lusthäuschens, das mitten in der Hostet liegt und als Treffpunkt des Quartiervereins genutzt wird. Die Nutzung soll erst im Rahmen des Wettbewerbsverfahrens geklärt werden. Möglich wäre auch eine Verlegung des Gartenbijous näher zum Henzihof – für eine geschätzte Viertelmillion Franken.

Motion erfüllt und abgeschrieben

«Unser Engagement für den Erhalt des soziokulturellen Ensembles zahlt sich aus», stellte Corinne Widmer (SP) fest. Mitgeholfen habe auch eine Motion zum Erhalt der Gebäude aus ihrer Partei, die am Dienstagabend erheblich und gleichzeitig als abgeschrieben erklärt werden konnte. Das Interesse sei da, das Bestehende in die Planung zu integrieren. «Der neue Standort fürs Quartierzentrum ist wesentlich besser als der heutige fürs Quartierbüro beim Weststadt-Coop», befand Franziska von Ballmoos (FDP) mit Blick auf die öV-Anbindung.

Chancenlos: der Abbruch-Antrag

Keine Mehrheit im Gemeinderat fand der Einzelantrag aus den eigenen Parteireihen, das Szenario «Abbruch und Neubau» zu bevorzugen. «Es braucht weder Henzihof noch Lusthäuschen», plädierte Urs Unterlerchner. «Wir haben es einfach verpasst, der Bevölkerung frühzeitig gute Visionen aufzuzeigen.»

Ebenso wenig fand das von den Grünen bevorzugte Szenario Anklang, das Baufeld aufzuteilen und schon jetzt festzulegen, dass der Henzihof im städtischen Eigentum bleibt. Heinz Flück dazu: «So gehen wir wie beim CIS das Risiko ein, sogenannten Investoren das Feld zu überlassen.» Matthias Anderegg (SP) hielt dem Antrag entgegen, dass mit einer Aufteilung des Baufelds die Synergieeffekte für dessen flexible Nutzung verlorengingen.

Dort anfangen, wo bereits was ist

Dafür folgte auch die CVP/GLP-Fraktion dem GRK-Antrag: «Ein Quartiertreffpunkt hat sich bereits entwickelt», sagte Franziska Baschung (CVP). Gerade Quartierzentren in anderen Gemeinden bewiesen, dass eine natürliche Entwicklung sinnvoll sei. René Käppeli (SVP) erinnert sich an ein Votum an einer Mitwirkungsveranstaltung der Ortsplanungsrevision und betonte: «Wenn sich im ‹Weitblick› etwas entwickeln soll, braucht es einen Ausgangspunkt, von dem aus diese Entwicklung startet.»

Meistgesehen

Artboard 1