Solothurn
Solothurner Nachteulen ziehen wacker um die Häuser

Die Stadt Solothurn ist zwar klein, ihr Nachtleben aber fein. Entsprechend gut ist die vergangene Saison für die hiesigen Veranstalter gelaufen.

Christoph Neuenschwander
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«For Ever Young» stiess im «Kofmehl» bei reiferen Party-Freaks auf grosse Resonanz. Felix Gerber

«For Ever Young» stiess im «Kofmehl» bei reiferen Party-Freaks auf grosse Resonanz. Felix Gerber

Solothurner Zeitung

«Wir konnten wieder eine Steigerung feststellen», freut sich etwa Markus Moerler, der mit seinem Club Eleven das dritte Jahr erfolgreich hinter sich gebracht hat.

Selbst im Mai, als das Wetter aussergewöhnlich schön und manch ein Klub wohl aussergewöhnlich leer war, konnte man im «Eleven» zahlreiche Gäste begrüssen. «Wir haben den Bombenfrühling schon auch gespürt», gibt Moerler zu. «Viele Leute sind an den Wochenenden vermutlich lieber Grillieren gegangen. Das ist ja auch nachvollziehbar. Wenn es endlich wieder warm ist, sitzt man halt abends lieber auf der Terrasse als im Klub. Dennoch hatten wir relativ viele Besucher – und das ist für uns ein Qualitätsbeweis.»

Auf Qualität hat man auch im «Kulturm» gesetzt, wie Jürg Wirz von der Betriebsleitung sagt. «Das ist uns wichtiger als Quantität und kommt auch bei den Gästen sehr gut an.» Insgesamt habe man 85 Anlässe durchgeführt, für die etliche Mitarbeiter zusammen ehrenamtliche Arbeit im Umfang von 350 Stellenprozent geleistet haben. Mit der Saison sei er zufrieden, so Wirz. «Das neue Format mit Live-Musik hat sich bewährt und auch die Elektro-Partys, Konzerte und Kleinkunstanlässe laufen hervorragend», weiss er.

75000 im Kofmehl

Die Kulturfabrik Kofmehl, Veteranin unter den Ausgeh-Lokalen, hat indes – ohne an Qualität einbüssen zu müssen – auch quantitativ Beeindruckendes geleistet. In ihrem 19. Betriebsjahr (dem 6. am neuen Standort) hat sie mit einem breiten Angebot an Events aufgewartet. «Alles», kommentiert Pipo Kofmehl, «geht in die richtige Richtung. Das Kofmehl lebt.» Und so hat das Kultlokal neben Partys für Junge und solchen für Ältere, Kleinkünstler präsentiert, regionale Bands auftreten lassen und grosse Perlen wie John Mayall oder «die Ärzte» nach Solothurn geholt.

In Zahlen heisst das: 211 Anlässe, rund 1340 Künstler, 75000 Besucher, rund 250 Mitarbeitende und ungefähr 30000 ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden. «Und es melden sich immer wieder junge Leute, die motiviert sind, bei uns mitzuhelfen», erzählt Kofmehl.

Auch engagiert sich das Kofmehl-Team für andere Projekte, wie etwa die Mädchenwoche, die in der Kulturfabrik stattfindet. «Wir wollen im kulturellen wie im sozialen Bereich tätig sein», betont Pipo Kofmehl. «Und es ist uns wichtig, dass das eine das andere nicht ausschliesst.»

«Ü» wie Überregulierung?

Mit der Ü40-Party «Forever Young» bietet das «Kofmehl» auch älteren Generationen eine Plattform, wieder einmal zusammen tanzen zu gehen und alte Bekannte zu treffen – organisiert wurden die zwei (ausverkauften) Anlässe aber, wie oft in der Kulturfabrik, von den Initianten selbst. Dies sei super, denn schliesslich soll, obwohl das Kofmehl für Junge stehe, auch so etwas Platz haben, findet Pipo Kofmehl. «Und wenn mal eine Mutter ihre 39-jährige Tochter mitbringt, dann lassen wir die natürlich auch rein – wir machen keine Alterskontrolle.»

Ganz vom altersbeschränkten Festen weggekommen ist Markus Moerler. «‹Ü-Partys› zu machen, liegt jetzt überall im Trend, aber wir wollen das nicht mehr. Zutritt zum ‹Eleven› haben alle ab 20, alles andere ist Überregulierung. Wir steuern lieber durch Inhalte.» Konkret bedeutet dies, dass man im «Eleven» zwar Partys mit verschiedenen Musikstilen anbiete, die verschiedene Altersgruppen anziehen mögen, aber wer denn schliesslich an welchen Event geht, sei den Gästen selbst überlassen. Auch die Retroparty «Barracuda» laufe fortan ohne Altersvorgabe.

Ebenfalls ohne Altersbegrenzung operiert man bei den «Elderly People Dancing»-Partys im «Kulturm», mit denen man vor allem «reife Tänzerinnen und salonfähige Herren» ansprechen will, sagt Wirz. «Aber das kann wirklich bereits ab 23 der Fall sein.»

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