Fritz Geissberger spielt im Hoftheater Erlach im Gotthelf-Stück «Die schwarze Spinne» mit, macht auf der Bühne das, was er auch im Alltag am liebsten tut: Singen, tanzen, Harmonium und Akkordeon spielen. «Meine Mitakteure fordern mich rollengerecht ständig zum Aufhören auf. Fast wie im richtigen Leben», witzelt der seit Mai pensionierte Informatiker.

Mit dem Theater wurde Fritz Geissberger schon früh bekannt. 2005/06 wirkt er in der Produktion «Nach em Räge» im Statistenchor mit, stand als Komparse sowohl im Musik- als auch im Sprechtheater auf der Bühne des Stadttheaters Solothurn. Dort begegnete er Aaron Hitz, der die «Erlacher Spinne» inszeniert, von den Brettern der Ambassadorenstadt zu Auftritten am Schauspielhaus Zürich, sowie in TV-Highlights wie «Der Bestatter» und «Tatort» aufbrach. «Aaron fragte, ob ich im aktuellen Regie-Projekt Akkordeon und Harmonium spielen möchte. Da zögerte ich natürlich keine Sekunde. Erst später merkte ich, dass er mir mit dem Bauer Jakob ja eine Sprechrolle zugeschanzt hat», schmunzelt der Allrounder. Glücklicherweise halte sich der Textumfang in Grenzen.

Premiere ohne Pannen

Nun, die Premiere ging letzte Woche wohl mit kurzen Regenschauern, doch ohne Pannen über die Bühne und wurde frenetisch applaudiert. «Das Publikum bekam nach der Pause Plastikpelerinen und wir spielten trotz Regentropfen fertig», rapportiert er. Gelassenheit und sich in eine Situation einzufügen lernte er während seiner 30-jährigen Praxis im Aikido, der japanischen Kampfkunst, die für spirituelle Harmonie steht.

Zwar dreht sich in der mystischen Geschichte von der Unheil bringenden schwarzen Spinne vieles um einen Fensterpfosten. Doch die Schauspieler müssen sich auch auf dem Boden wälzen. «Trotz dem Guss von oben trocknete die Unterlage bis zum Finale wieder», setzt er hinzu.

Er spielt so ziemlich alles

Hätte es in dem Stück noch weitere Musikanten gebraucht, Fritz Geissberger hätte auch deren Aufgaben übernehmen können. Er spielt nämlich auch Blockflöte, Trompete, Keyboard, Melodica, Autoharp und Akkordzither. Zudem singt er im Konzertchor Solothurn und bei «Les Chanteurs de Soleure» mit.

Der Internetprofi ist mit allen Musikstilen aber auch auf Youtube vertreten. «Ein ehemaliger Nachbar erzählte bei einer zufälligen Begegnung, er habe seinem kleinen Sohn das Volkslied ‹Det äne am Bergli› beibringen wollen und dies auf Youtube gesucht. Plötzlich sei er auf eine meiner Aufnahmen gestossen und meinte überrascht zu seinem Sprössling: Den kenne ich doch...», lacht Fritz Geissberger.

Das Knurren des Hundes

Von Haus aus gelernter Chemielaborant, heuerte er als junger Spund am Berner Serum- und Impfinstitut an. Hier arbeitete er mit der medizinischen Laborantin Delia Riva zusammen, die später dann seine Frau wurde. Tierversuche entsprachen schon damals nicht dem Ethos des Paares, in dessen Naturgarten sich zutrauliche Igel füttern lassen und auch Schnecken sich des Daseins freuen dürfen. Nach kurzer Zeit wechselte er deshalb zur Fachstelle für Luftreinhaltemassnahmen, studierte berufsbegleitend an der Technikerschule für Informatik, um griffigere Programme zu schreiben.

Seine Tierliebe, gekoppelt mit dem Sinn für akustische Effekte, brachte ihn während der Erlacher Proben zum Schmunzeln: «Im Stück taucht ein Hund auf, den man nie sieht, aber dank Technik hört. Als der in der Garderobe wartende Vierbeiner einer Mitspielerin das Bellen des vermeintlichen Artgenossen vernahm, antwortete er ihm mit lautstarkem Knurren», freut sich Fritz Geissberger. Nicht «Knurren», sondern Singen und Spielen wird den Solothurner während der kommenden Wochen beschäftigen.

Hoftheater Erlach: «Die schwarze Spinne» wird noch bis zum 6. August aufgeführt.
Infos: www.hoftheater-erlach.ch;
Wettertelefon ab 18 Uhr: 032 331 81 20.