Eigentlich sei es ja etwas ungewöhnlich, dass man einen Offenen Bücherschrank eröffnen müsste, fand Katharina Scheidegger, Mitglied der zuständigen Projektgruppe, schmunzelnd, als sie die rund 60 Besucher am Samstag im Kreuzackerpark begrüsste. Denn der Bücherschrank ist genau das, was sein Name besagt. Offen, für jedermann zugänglich, mit keinerlei Verpflichtungen verbunden. Und das ist es, was die jüngste Solothurner Errungenschaft von jeder Bibliothek unterscheidet. «Man kann ein Buch nehmen und wieder zurückgeben, oder es auch behalten. Und das am Morgen, am Abend und sogar in der Nacht», führte Scheidegger an. Dabei war der Schrank, der rund 400 Büchern Platz bieten kann, bereits am Samstag sehr gut gefüllt mit Werken aus allen Sparten für Jung und Alt. Es gibt lediglich einige Einschränkungen: Fachliteratur, Werbe-, ideologisches sowie pornografisches Material dürfen nicht hinterlegt werden.

Schrank trotzt Sturm und Regen

Erbaut hat den Schrank der Metallbaukünstler Anton Kaufmann aus Zuchwil. Viele Gespräche hätte es gebraucht, um alle Ideen unter einen Hut zu bringen, erklärte Scheidegger. Ergebnis ist ein optisch sehr ansprechender und funktionaler Schrank geworden, der jeder Witterung trotzen soll. Auch ein Sturm dürfte dem Gebilde nichts anhaben, denn «der ganze Schrank wiegt eine Tonne», wie Hartwig Roth erzählte. Er und seine Frau, Irene Roth, gaben die Startzündung für das ganze Projekt. «Wir haben solche Schränke in Deutschland gesehen und wollten die Idee nach Solothurn bringen», führte Roth aus. Mithilfe von freiwilligen Helfern, Sponsoren und den zuständigen Behörden wurde aus der Idee nun Realität.

Betreut wird der Bücherschrank in Zukunft von einem rund zehnköpfigen Team, das ehrenamtlich arbeitet. «Dazu gehört es, die Bücher aufzufüllen und zu sortieren und den Schrank instand zu halten und zu putzen», wie Roth erklärte.

Lesung mit Nähe und Distanz

Offiziell eingeweiht wurde der Bücherschrank durch den Solothurner Schriftsteller Silvano Cerutti, der für seine Lesung ein Buch des amerikanischen Schriftstellers J.R. Moehringer ausgesucht hatte. «Tender Bar» sei dem Leser nahe genug, um vertraut zu wirken, aber auch weit genug weg, um exotisch zu sein. Nachdem Cerutti einen Auszug aus dem Buch mit viel Elan präsentiert hatte, stellte er das Werk in den Bücherschrank, wo es schon bald in die nächsten Hände einer eifrigen Leserratte übergewechselt haben dürfte.