Zuchwilerstrasse 40

Solothurner «Lebkuchenhaus» kommt unter den Hammer

Das Gebäude Zuchwilerstrasse 40/40a/42 mit Nebengebäuden und einer Gesamtfläche von 1456 Quadratmetern ist ein Paradebeispiel des «Laubsägelistils».

Das Gebäude Zuchwilerstrasse 40/40a/42 mit Nebengebäuden und einer Gesamtfläche von 1456 Quadratmetern ist ein Paradebeispiel des «Laubsägelistils».

Das 150-jährige «Schweizerstil»-Gebäude wird morgen Mittwoch versteigert. Der Gebäudeversicherungswert laut Ausschreibung beläuft sich auf 1,8 Mio. Franken.

Wildromantisch und hinter Bäumen versteckt steht es an der Zuchwilerstrasse – das vor 150 Jahren erbaute «Laubsägelihaus», wie es im Volksmund genannt wird. Doch zurzeit wirkt das Anwesen mit der Hausnummer 40 mehr verwildert als romantisch. Herbstlaub und Baumnadeln «dekorieren» den Umschwung, Kartons stehen auf der Veranda herum, die ihrerseits an einen amerikanischen Hollywood-Streifen erinnert. Das fast chalethafte Gebäude wirkt verlassen, und nach einem Klingel- und Klopfversuch bleibt auch die Haustüre geschlossen. Dennoch brennt im Hausinnern Licht. Ein Generator bei der nebenstehenden Garage tuckert vor sich hin, scheint die Liegenschaft nur provisorisch mit Strom zu versorgen.

Ein Umbruch zeichnet sich ab: Das «Laubsägelihaus» kommt morgen Mittwoch auf dem kantonalen Konkursamt unter den Hammer. Der Gebäudeversicherungswert laut Ausschreibung beläuft sich auf 1,8 Mio. Franken. Gleichzeitig werden zwei weitere Liegenschaften der bisherigen Eigentümerin Texa Immobilien GmbH versteigert: das Wohn- und Geschäftshaus an der Berntorstrasse 8, sowie die Zuchwiler Liegenschaft Hauptstrasse 24. Laut Handelsregister stehen hinter der Immobilienfirma als Gesellschafter Daniela Friedli-Milani und Dejan Denis Friedli, die aber für eine Anfrage nicht ausfindig gemacht werden konnten. Ein bis vor wenigen Tagen angebrachtes Schild «Friedli» wurde mittlerweile abmontiert. Gleichzeitig ist eine Familie Friedli weiterhin als Mietpartei der Liegenschaft eingetragen.

Eine Perle des «Schweizerstils»

Die Einschätzung des kantonalen Denkmalpflegers Stefan Blank lässt allemal den Schluss zu, dass dem Haus mit Originalitätscharakter eine sorgsame Käuferschaft zu gönnen wäre. «Es zählt aus unserer Sicht zu den wichtigsten Gebäuden südlich des Bahnhofs.» Dennoch gibt es keine denkmalpflegerischen Auflagen für die nachfolgenden Besitzer. «Für solche Auflagen bräuchte es einen Regierungsratsbeschluss», so Blank. «Wir würden uns aber bei einem geplanten Umbau der Liegenschaft per Stellungnahme mit empfehlendem Charakter an die Besitzer wenden.» Denn: Das Gebäude sei als mustergültiges Beispiel des so genannten «Schweizerstils» interessant, der eben umgangssprachlich auch als «Laubsägelistil» bekannt ist. Davon leitet sich naheliegenderweise auch die hiesige Namensgebung ab. Die durch die Handschrift des Chalet- und Heimatstils geprägte Bauweise war in der zweiten Hälfte des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem im deutschsprachigen und nordeuropäischen Raum verbreitet. Auffällig sind oft ausgeprägte Verzierungen an Aussenkonturen, wie man sie auch am Solothurner Beispiel feststellen kann.

Früher wars die Beiz «Helvetia»

Auch die Baugeschichte des Solothurner «Laubsägelihauses» lässt die Denkmalpfleger aufhorchen: Architekt Peter Meinrad Felber errichtete das Haus um 1859/60 als Wohn- und Wirtshaus und erzielte damit einen strategischen Schachzug neben gerade erschlossenen Verkehrswegen: Zu jener Zeit widmete sich nämlich die Schweizerische Centralbahn dem Bau der Bahnlinie Herzogenbuchsee–Solothurn, die südlich des Hauses vorbeiführte. Unter dem Namen «Helvetia» entstand also in nächster Nähe ein Gastbetrieb mit gedeckter Kegelbahn. Über Generationen blieb das Gebäude im Familienbesitz. Als 1876 die südseitigen Geleise zugunsten einer nordseitigen Linienführung stillgelegt wurden, entstanden im südlichen Teil des Grundstücks eine Gartenanlage sowie ein Bade- und Waschhaus. 1939 erwarb Malermeister Ernst Zimmermann den Bau, der ihn vermietete, aber 2001 wieder verkaufte – dies mit dem Wunsch, das Haus an Liebhaber abgeben zu können ...

Quellen: www.wikipedia.org, sowie «Die Stadt Solothurn II, Profanbauten» von Stefan Blank und Markus Hochstrasser.

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