Alban Roetschi wuchs in Solothurn als Sohn des Kantonsschullehrers, Privatdozenten und Lyrikers Robert Roetschi auf. Er erhielt als Gymnasiast Unterricht in Violine und Harmonielehre bei Richard Flury, in Klavier und Komposition bei Dino Ghisalberti und in Klarinette bei Stefan Jäggi. Bei Jugendgottesdiensten in der Kathedrale spielte er aber auch Flöte, Oboe, Fagott, Horn, Trommel und Orgel. Früh entstanden erste kompositorische Versuche; schon 1941 wurde seine Sonatine für Flöte und Klavier aufgeführt. Nach der Matura studierte Roetschi am Konservatorium Bern Klavier bei Rosmarie Stucki und Komposition bei Luc Balmer, an der Universität Bern Musikwissenschaft und Philosophie. Später studierte er in Basel weiter: Klavier bei Paul Baumgartner und Dirigieren bei Hans Münch.

Schon während des Studiums leitete Roetschi Männerchöre, gemischte Chöre und Orchestervereine. Später arbeitete er mit den Solothurner Vokalisten, einem Kammerchor aus Berufs- und geschulten Amateursängern. Während langer Jahre dirigierte er den Konzertchor Solothurn. An der Kantonsschule Solothurn unterrichtete Alban Roetschi zunächst als Hilfslehrer Blasinstrumente, Klavier und Schulgesang. 1956 wurde er Hauptlehrer am Lehrer- und am Kindergärtnerinnenseminar. Er prägte diese Schulen wesentlich, indem er das Orff’sche Instrumentarium einführte, die Blockflöte als Soloinstrument behandelte und systematische Atem- und Stimmschulung betrieb. Mit den Seminarchören studierte er grosse bekannte Werke der Chormusik ein und führte eigene Werke auf.

Schöpfer des»Kantonslieds»

Der Verstorbene schuf Bühnenwerke, Geistliche und Weltliche Vokalmusik, Lieder, Kammer- und Orchestermusik, Musik für Tasteninstrumente und Blasmusik, Arrangements und Unterrichtsliteratur. Er vertonte Texte von Solothurner Schriftstellern wie Josef Reinhart, Silja Walter und Fritz Grob. Sehr bekannt wurden das «Kantonslied» und die zehn «Bezirkslieder», die er für die Expo 64 komponierte.

Seine neueste Arbeit stammt aus dem Jahr 2011: Die Neufassung des Klavierkonzerts, das er 2005 für seinen Sohn, den Pianisten Adalbert Roetschi, komponiert hat. Die Originale des Werks von Alban Roetschi werden in der Zentralbibliothek Solothurn aufbewahrt. Zum 80. Geburtstag im Jahr 2002 legte Hans-Rudolf Binz ein Werkverzeichnis vor, das 2008 und 2012 erweitert und ergänzt wurde.

Vielseitige Künstlerin

Margrit Roetschi war bis zuletzt künstlerisch tätig, «aber nur noch in Blech», weil ihr nach dem Umzug in die Seniorenresidenz Dörfli das bisherige Atelier fehlte. Die Künstlerin hatte ihre Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Bern erhalten, Studienaufenthalte in Italien folgten. 1958 erhielt sie einen Preis an der «Saffa» Zürich. Ihre Plastiken und Objekte waren mehrfach an der Kantonalen Jahresausstellung der Solothurner Kunstschaffenden ausgestellt, Ausstellungen waren ihr im Künstlerhaus S11, 2003 im Schlösschen Vorder-Bleichenberg oder zusammen mit Anje Hutter in der Schopfgalerie Solothurn gewidmet.

Noch im letzten Sommer hatte sich das Ehepaar für unsere Serie «Altwerden in Solothurn» porträtieren lassen. Wichtig sei für sie, betonten beide Eheleute, «eine intakte Familie.» Doch schon damals hatte Margrit Roetschi im Einklang mit ihrem Mann betont, ein Umzug ins benachbarte Alterszentrum Wengistein sei für sie keine Option. «Nein, wenn es nicht mehr geht, sollte man einfach verdunsten können», hatte sie kategorisch erklärt. Nur ein halbes Jahr später hat sich nun der Lebenskreis des Ehepaars innert weniger Tage geschlossen – die Kulturstadt Solothurn verliert zwei wichtige Persönlichkeiten. (mgt/szr)