Es lit es Stedtli wunderhübsch

Am blaue Aarestrand

’s isch immer so gsi

’s isch immer so gsi ...

Es war ein Entlebucher, der den Stadtsolothurnern das gesungene Liebesbekenntnis für ihre Heimat brachte. Ein eigentliches Geschenk des Himmels war es: Denn der Priester und Dichter Carl Josef Enzmann, dem der Text zum «Stedtli wunderhübsch» zu verdanken ist, wurde 1913 als Vikar nach Solothurn berufen. An einem Fasnachtsabend – vermutlich anno 1915 – griff er zu Feder und Tinte und markierte damit die Geburtsstunde des Solothurnerlieds.

Er war getrieben vom irisch-stämmischen Ohrwurm «Tell me the tales», der sich damals im Repertoire des Cäcilienvereins befand und der – durch die Stadtmusik Konkordia gespielt – die Altstadtgassen ebenso lautstark beschallte wie seine eigenen Gehörgänge. So erwachten dank einer jahrhundertelang gereisten Melodie und einem fasnächtlichen Geistesblitz eines Geistlichen die Geschichte um den Sankt-Ursen-Turm, die Stadttauben und das «Völkli voll Gmüet und voll Humor» zum Leben.

Ein akustisches Zeitdokument

Jetzt, über 100 Jahre später, hat sich der Solothurner Komponist und Musiker Mario Ursprung den Geschichten gewidmet, die das Solothurner Lied hervorbrachten, und auch jenen Geschichten, die das Lied bis heute schrieb. Entstanden ist eine CD unter dem Namen «100 Jahre Solothurner Lied» – ein akustisches Zeitdokument, das sich mit unterschiedlichen Facetten der «Stadthymne» widmet und das am 21. September aus der Taufe gehoben wird.

Die CD gliedert sich in gesprochene Kommentare und Dialoge, Rückblicke von Enzmanns Nachfahren, Interviews und Strassenumfragen, sowie musikalische Einspielungen, Konzertmitschnitte und Geräuschkulissen. Entstanden ist damit ein spannendes Zeitdokument, szenisch wie dokumentarisch umgesetzt, historisch, musiktheoretisch oder ganz einfach unterhaltsam und abwechslungsreich gestaltet.

So zeichnen die Erinnerungsschätze seiner Nachfahren und die Aufzeichnungen eines Historikers Enzmann als passionierten Fasnächtler, als Wanderer, als Frohnatur, Menschenfreund und als Liebhaber der Stadt Solothurn. Immer lustig, nie herablassend. Weiter skizziert Mario Ursprung die Reise nach, die das melancholische irische Liebeslied machen musste, bis sie als heitere Hymne – aber immer noch als Liebeslied – in Solothurn eine neue identitätsstiftende Verwendung fand. «Mir hei es eigets Lied» heisst denn auch die Einstiegsdevise der CD. Eines, das durch Zufall entstanden, den Zauber der Stadt in sich trägt. «Zauber und Zufall» ist denn auch das Schlagwort, das Ursprung selbst dafür verwendet.

Weiter finden die anderen Ableger der ursprünglich irischen Weise in dem Tondokument ihre Erwähnung. «Auf der CD geht es nämlich nicht nur um die Ursprünge des Liedes, sondern auch um seine Verbreitung.» Ebenfalls Teil der CD ist ein Mitschnitt einer Monschterguggete, die die Stadthymne mit feurigen Samba-Rhythmen unterlegte. Unterschiedliche weitere Interpretationen des Liedes markieren weitere Höhepunkte der CD.

Spannend auch eine Archivaufnahme des Neujahrskonzerts von 2003, als Mario Ursprung verspielte Variationen des Solothurnerlieds aufführte: einmal in der Machart Bachs, dann auf «mozarteske» Weise oder als Marschmusik- oder Ragtime-Variante.

«Variationen zu einem musikalischen Thema sind nun mal mein Steckenpferd», sagt Ursprung, der sich während seiner musikalischen Entwicklung ebenso in der Klassik wie im Jazz oder in der Unterhaltungsmusik bewegte.

«Es macht riesig Freude»

Dem geistigen Vater, der auf lange Recherchen für sein Projekt zurückblickt, stand für das CD-Einlageheft seine Tochter Maria Ursprung zur Seite. Die Gestaltung stammt aus dem Schaffen der Künstlerin Johanna Borner. Produziert wurde die CD bei Pink Bild & Ton in Zuchwil. Ebenso wie der Vorgänger des Werks, denn: Unter dem gleichen Titel «100 Jahre Solothurner Lied» hatte Mario Ursprung für den Staatskalender 2016 eine CD mit ersten Hintergründen zur Stadthymne produziert. «Nach der Publikation erhielt ich viele positive Rückmeldungen. Bald war für mich klar: Es braucht noch mehr ...»

Und heute, da er den Prototyp dieses kleinen «Geschichtsbuchs für die Ohren» in seinen Händen hält? «Jetzt macht es mir riesig Freude. Das Projekt hat sich unglaublich gelohnt.»

Die CD-Taufe u.a. mit Mario Ursprung, Kurt Fluri, den Singknaben und der Blaskapelle Konkordia vom Freitag, 21. September, um 19.30 Uhr in der Aula der Kantonsschule Solothurn ist ausverkauft. Verkauf der CD ab 22. September bei Buchhandlung Lüthy, Tourist Office Solothurn, Jeger Tapeten und Kerzen oder A. Früh Immobilien (Friedhofplatz).