Solothurner Kammerorchester
Urs Joseph Flury: Seit 50 Jahren Dirigent des Solothurner Kammerorchesters

Zuerst der 80. Geburtstag, jetzt das Jubiläum mit dem Kammerorchester. Urs Joseph Flury darf erneut feiern.

Gundi Klemm
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Jubiläumskonzert 50 Jahre Urs Joseph Flury als Dirigent des SKO: Verabschiedung durch Stadtpräsident Kurt Fluri.

Jubiläumskonzert 50 Jahre Urs Joseph Flury als Dirigent des SKO: Verabschiedung durch Stadtpräsident Kurt Fluri.

Jose R. Martinez

«Mit seiner 50-jährigen Dirigententätigkeit für das Solothurner Kammerorchester ist Urs Joseph Flury weitaus länger im Amt als ich», eröffnete Laudator Kurt Fluri mit einem Schmunzeln seine Ansprache im Rahmen des gut besuchten Jubiläumskonzerts.

Flury zeichne sich durch Gewissenhaftigkeit und Treue gegenüber allen Aufgaben aus, blickte der Stadtpräsident in das Lebenswerk des jetzt gerade 80 Jahre alten Musikers, Komponisten und Dirigenten. Erwähnung fanden Stationen seines Schaffens wie die frühere Leitung des Orchestervereins Gerlafingen und des Orchestre du Foyer Moutier oder seine persönlich als schwierig empfundene Unterrichtstätigkeit an der Kantonsschule.

Genannt wurden auch etliche Werke des Komponisten und seine Fähigkeit, besondere, wenig bekannte und einheimische Kostbarkeiten der Musikliteratur zu entdecken und aufzuführen.

Förderer von Nachwuchs-Instrumentalisten

Flury und das Solothurner Kammerorchester (SKO) verstanden sich als Förderer von Nachwuchs-Instrumentalisten. Der Bewahrung des musikalischen Erbes seines Vaters Richard habe er volle Aufmerksamkeit geschenkt, so der Stadtpräsident, der häufig an SKO-Konzerten teilnahm.

Er dankte Flury für sein langjähriges und erfolgreiches Wirken für die Solothurner Musik. Michael Rubeli wird seine Nachfolge als Orchester-Leiter und SKO-Mitglied Ueli Steiner die Präsidentschaft übernehmen. Denn auch der langjährige Präsident und SKO-Organisator Ueli Lips will zum Jahresende sein Engagement beenden.

«Eine erfüllte Zeit»

Flury seinerseits dankte für die als «erfüllte Zeit» erlebten 50 Jahre Arbeit im SKO, für das Zusammenwirken im Ensemble, für Freundschaften und vielfältige Kontakte zu Künstlerinnen und Künstlern, denen das Orchester Auftrittsmöglichkeit bot. Als anfänglicher Autodidakt im Dirigenten-Handwerk habe er bedeutsame Erfahrungen sammeln dürfen. Mit dem Rilke-Gedicht «Herr, es ist Zeit ...» verabschiedete er sich – mit dennoch zahlreichen Plänen für den nun nächsten Lebensabschnitt.

Wie ein Vermächtnis hatte der Jubilar das Programm dieses Jubiläumskonzerts zusammengestellt. Seiner Freude an Raritäten entsprach die Erarbeitung der 10. Sinfonie D-Dur D 936 A von Franz Schubert (1797–1828), vermutlich 1825 komponiert und erst auf Skizzen wiederentdeckt, die technisches Können, Ausdruck und Spielfreude des SKO überzeugend zur Geltung brachte.

Nach der majestätischen Einleitung im «Allegro maestoso» folgt einem wiederkehrenden Motto gleich ein feierlicher Bläserchoral, der von den unterschiedlichen Instrumentalgruppen kraftvoll in variierten Figuren und Wechselchören aufgenommen wird. Der zweite Satz «Andante» berührte mit seiner traurigen, sanft verklärten Grundstimmung.

Auch eine Eigenkomposition wurde gespielt

Nach der Ansprache folgte mit dem dreisätzigen Violinkonzert in D eine Eigenkomposition von Urs Joseph Flury aus dem Jahr 1970/71. Dynamisch und reich an Motiven stellte das Werk, das stellenweise mit Bitonalität liebäugelt, hohe Ansprüche an die erfreulich zahlreiche Zuhörerschaft im Konzertsaal, die begeistert applaudierte.

Als glänzender Solist hob der seit Jahren Dirigent und Orchester freundschaftlich verbundene Geiger Alexandre Dubach Virtuosität und Klanglichkeit des Werks im Zusammenwirken mit dem Orchester hervor. Seine Kadenz im 1. Satz «Introduction/Allegro» machte mit ihren technischen Finessen geradezu atemlos.

Als beflügelnde Zugabe spielte Dubach auf der Violine von SKO-Gründungsmitglied Max Räber eine «Habanera» als Solo-Rezital, das in Rhythmus und tänzerischer Leichtigkeit gefiel.

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