Konzertsaal
Solothurner Kammerorchester glänzt mit virtuosem Schneeberger

Das Solothurner Kammerorchester spielte mit freudiger Entschlossenheit auf. Hansheinz Schneeberger erntete grossen Beifall für sein Spielen einer Vivaldi-Violinsonate und das Orchester überzeugte als Begleitung und später mit Schuhmann und Bach.

Gundi Klemm
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Er überzeugte auch im Konzertsaal: Violinist Hansheinz Schneeberger.

Er überzeugte auch im Konzertsaal: Violinist Hansheinz Schneeberger.

AZ

Seit 80 Jahren prägt das traditionsreiche Solothurner Kammerorchester SKO mit seinen beachteten Konzerten die grossregionale Musikszene. Seit 45 Jahren leitet Komponist und Dirigent Urs Joseph Flury das Orchester, das seit einem Jahrzehnt auf Franziska Grütter als Konzertmeisterin zählen darf.

Zum konzertanten Auftakt dieses vielgestaltigen Jubiläumsjahrs war Violinist Hansheinz Schneeberger eingeladen als wahrer «Titan» des nationalen und internationalen klassischen Konzertgeschehens. Mit ihm als seinem Lehrer in der Meisterklasse in Basel von 1965–68 spielte der bald 75-jährige Flury das Konzert für zwei Violinen und Orchester d-Moll BWV 1043 von Johann Sebastian Bach.

Dieser Altmeister hatte sich dazu thematisch von einer Vivaldi-Violinsonate anregen lassen. Das Publikum feierte das Zusammenspiel von Lehrer und Schüler mit grossem Beifall – im Wissen um ein ausserordentliches musikalisches Ereignis.

Denn allen Anwesenden war mit der Ankündigung eines runden Geburtstags klar, dass der in höchster instrumentaler Präzision agierende Schneeberger auf neun demnächst vollendete Jahrzehnte zurückblickt: auf ein Leben mit erfolgreicher Lehrtätigkeit und solistischen Auftritten in aller Welt.

Gäste auf der Bühne

Das aufgeführte, bekannte dreisätzige Bach-Werk mit dem eröffnenden mitreissenden Fugenthema, das von den duettierenden Soloviolinen im 1. und im 3. Satz mit akkordischen Doppelgriffen dynamisch vorangetragen wird, übermittelt wunderbare Lebensbejahung. Auch der 2. Satz, das zarte Largo, berührt mit tiefsinnigen Gedanken. Um den Ausdruck der beiden Soloviolinen zu verstärken, begleitete das Orchester nur mit einer Formation aus wenigen Streichern, die aufmerksam mit dem taktgebenden, von Robert Flury gespielten Cembalo fliessende Akzente setzten.

Der Blick auf die Bühne im Konzertsaal zeigte, dass sich unter den Instrumentalisten Gäste befanden, die üblicherweise in anderen Ensembles engagiert sind. Auch ihnen lag wie den übrigen Orchestermitgliedern der Auftakt zum SKO-Jubiläumsjahr mit klanglicher Verstärkung gleichsam als Gratulation am Herzen.

Schumanns «Phantasie»

Lange Zeit galt die 1853 und damit drei Jahre vor seinem Tod von Robert Schumann komponierte «Phantasie C-Dur für Violine und Orchester op. 131» als Werk eines von geistiger Erkrankung Gezeichneten. Inzwischen beurteilt die Musikkritik dieses Werk mit seiner reichen instrumentalen Besetzung mit anderen Augen. Hansheinz Schneeberger spielte die ideenreiche Originalversion.

In Partnerschaft zu den geschlossen auftretenden Streichern, den phrasierenden Bläsern, dem Blechregister mit Schlagwerk entstand ein leidenschaftlich klingendes Werk, das von Wechseln zwischen rhythmischer Ungeduld, dämonischen Motiven und liebreizenden melodischen Einfällen lebte. In der Kadenz zeigte der Solo-Interpret als Höhepunkt bravourös seine spieltechnischen Möglichkeiten. Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus, den Schneeberger mit einem Rezital beantwortete.

Mit freudiger Entschlossenheit

Zwei kürzere Kompositionen von Wolfgang Amadé Mozart, das Adagio
D-Dur für Violine und Orchester KV 261 und das Rondo C-Dur KV 373 mit Solo-Violine, 2 Oboen, Hörnern und Streichern gefielen in ihren melodischen Wendungen und Auszierungen wie ein opulentes Gemälde.

Als Konzertabschluss erklang die viersätzige Sinfonie G-Dur, genannt «Oxford-Sinfonie» von Joseph Haydn. Diesen Beinamen erhielt die Komposition, weil ihrem Schöpfer an dieser Universität 1791 die Doktorwürde verliehen wurde. Besetzt mit Flöten, Oboen, Hörnern, Fagotten, Trompeten, Pauken und Streichern eilt dieses Werk in freudiger Entschlossenheit von Höhepunkt zu Höhepunkt.

Mal meditierend, mal mit heiteren Gedanken in den vier Sätzen, die im Presto schwungvoll enden. Neben seiner solistischen Mitwirkung führte Urs Joseph Flury als Dirigent in spürbarer Ruhe durch den musikalisch farbenreichen Abend.

Am Freitag, 18. März, gelangt unter seiner Leitung seine «Passion» in der Jesuitenkirche zur Uraufführung.