Schon das eröffnende Cellokonzert Nr. 1 G-Dur von Carl Stamitz (1746-1801) versetzte das Publikum in eine glückliche Verfassung. Denn gemeinsam mit Solist Stefan Thut entstand ein musikalisches Geschehen, das in differenziert beteiligter Instrumentierung mit melodisch, rhythmischer Prägnanz gefiel. Eingebaut ins dreisätzige Stück sind wirksame Steigerungen, die typisch sind für die Orchestererziehung der «Mannheimer Schule», die damals durch Vater Johann Stamitz, einen aus Böhmen zugewanderten Meistermusiker, mitbegründet wurde und die Sohn Carl verfeinerte. Am Dirigentenpult des Solothurner Kammerorchesters stand diesmal in Vertretung von Urs Joseph Flury Matthias Steiner, der die Dynamik dieser Kompositionsstruktur mit magisch-leichter Hand ausschöpfte.

Auf Wunsch des Solisten stand die Elégie für Violoncello und Orchester op. 24 von Gabriel Fauré (1845-1924) auf dem Programm, das Matthias Steiner auch mit dem Kammerorchester vorbereitet hatte. Fauré, der gern als der «französische Schumann» bezeichnet wird und zum Wegbereiter des Impressionismus wurde, machte beides in dieser Komposition erkenn- und hörbar. Das Zusammenspiel im Orchester mit Holzbläsern und Streichern gemeinsam mit Stefan Thut liess den weitgespannten Stimmungsbogen erleben, der von anfänglicher Trauer über Dramatik im Mittelteil bis zum poetisch düsteren Ausklang reicht.

Publikum hielt Atem an

Als «Bürgerschreck» hatte Orchesterpräsident Ueli Lips Paul Hindemith (1895-1963) angekündigt. Seine Sonate für Cello solo op. 25 Nr. 3 zeigte dann auch wirklich diese radikale, aber lebensvolle musikalische Unmittelbarkeit des damals 27-jährigen Komponisten, der sich in seiner späteren Schaffensperiode wieder mehr der Harmonik zuwandte.

Der wie alle Werke an diesem Abend auswendig spielende Thut erbrachte eine ausserordentliche Gedächtnisleistung, um diese tonal erweiterten, technisch anspruchsvollen Klanggefüge vorzutragen. Als Zugabe «versöhnte» er sein Publikum akustisch mit der C-Moll-Suite von Johann Sebastian Bach, die nach dem gespannten Zuhören bei Hindemith für grossen Jubel im Publikum sorgte. Dort anwesende Künstlerfreunde wussten die beeindruckende Leistung des Interpreten mit Bravorufen zu würdigen. In Boston als Master of Music Degree ausgebildeter Instrumentalist tritt Thut in internationalen Ensembles auf, unterrichtet und ist als Stimmführer der Violoncelli im Kammerorchester beteiligt.

Eine Klangpracht

Mit kompletter Orchesterbesetzung – neben den mit Konzertmeister Matthias Aeschlimann inspiriert aufspielenden Streichern, allen Holz- und Blechbläsern sowie Pauken – gelangte unter Dirigent Steiners Führung in der 1. Sinfonie C-Dur op. 21 von Ludwig van Beethoven (1770-1827) ein klangprächtiges Werk in vier Sätzen zur Aufführung. So, wie es das Kammerorchester interpretierte, verströmte das Werk Kraft, Mut und Lebensfreude: Akkordschläge zu Beginn, eine Fülle von graziösen Themen, liebliche Zwiegesänge zwischen Oboe und Flöte, scharfe Kontraste, eine Melodie in Fugenform und schliesslich die heroischen Signale zum Abschluss im «Allegro vivace».

Steiner übergab Taktstock

Das Publikum zeigte seine Begeisterung in langem Beifall. «Stellvertreter» Matthias Steiner überreichte schliesslich den Taktstock wieder an Urs Joseph Flury, der als Geiger mitgespielt hatte.