Projekt
Solothurner Insert-Film will Streifen über «Amok-Rentner» realisieren

Die Insert-Film Solothurn plant einen Spielfilm über den Bieler «Amok-Rentner» Peter Hans K. Dieser hatte sich 2010 unter Waffengewalt geweigert, der Polizei Zutritt zu seinem Haus zu gewähren. Momentan läuft die Finanzierungsphase.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Der Tatort vor sieben Jahren: Das Haus in Biel, welches Rentner Peter Hans K. unter Waffengewalt verteidigte. (Archiv)

Der Tatort vor sieben Jahren: Das Haus in Biel, welches Rentner Peter Hans K. unter Waffengewalt verteidigte. (Archiv)

Keystone

Insert-Film, die Solothurner Filmproduktionsgesellschaft, ist derzeit an der Planung eines Spielfilmes über den renitenten Rentner Peter Hans K. des Bieler Regisseurs Laurent Wyss. Es soll eine fiktive Geschichte rund um das reale Leben des Rentners werden.

2010 hatte der Bieler K. für grosse Schlagzeilen gesorgt, als er sich unter Waffengewalt weigerte, der Polizei und anderen Behörden Zugang zu seiner Wohnung zu geben. In der Folge entwickelte sich ein nicht ungefährliches tagelanges Katz- und Maus-Spiel, welches schliesslich mit der Verhaftung des Rentners und der Verletzung eines Polizisten endete.

«Das eindringliche Drehbuch des Bieler Regisseurs Laurent Wyss ermöglicht, die Geschichte aus der bedrückenden Perspektive von Peter K. zu sehen», heisst es im Filmbeschrieb. Es soll dessen Innenleben, seine Lebensrealität zeigen. Die Solothurner Schauspieler Monica Gubser und Hanspeter Bader haben als Akteure ihre Mitwirkung zugesagt. Laurent Wyss realisierte 2014 bereits den Spielfilm «Manche Hunde müssen sterben».

Hans Peter K. weigerte sich Anfang September 2010, sein zur Zwangsversteigerung freigegebenes Haus in Pieterlen zu verlassen.
19 Bilder
Nach der Hausbesetzung hielt der Eigentümer der Liegenschaft die Stadt Biel und die Sicherheitsbehörden während Tagen in Atem.
Obwohl sein Haus von mehreren Spezialeinheiten umstellt war...
... gelang dem Renter die Flucht.
Dabei schoss er auf die Einsatzkräfte und verletzte einen Polizisten schwer.
Unklar war, wo sich K. auf seiner Flucht versteckt hat
Trotz Grosseinsatz gelang es der Polizei erst nach einer Woche, den flüchtigen Rentner auszumachen.
Ein Diensthund der Polizei Basel-Landschaft stellte den Flüchtenden auf dieser Wiese.
Das Haus wurde am 9. Dezember versteigert. Ein Paar aus der Region Biel erhielt den Zuschlag
So sah es drinnen kurz nach K.s Besetzung aus.
Waffen wurden gefunden

Hans Peter K. weigerte sich Anfang September 2010, sein zur Zwangsversteigerung freigegebenes Haus in Pieterlen zu verlassen.

Finanzierung noch nicht sicher

Insert-Film hat vor kurzem beim Lotteriefonds des Kantons Solothurn um einen Produktionsbeitrag für den Film nachgefragt und diesen vor wenigen Tagen per Regierungsratsbeschluss zugesprochen bekommen. 100'000 Franken sollen diesem Kinospielfilm helfen, realisiert zu werden. Doch auch mit diesem Betrag ist die Finanzierung des Filmes noch lange nicht gesichert. «Wir sind momentan weiter in der Finanzierungsphase», sagt Insert-Co-Leiter Pedro Haldemann auf Nachfrage.

Das Gesamtbudget des Filmes beträgt knapp über eine Million Franken. Mehr ist von den Insert-Filmverantwortlichen derzeit noch nicht in Erfahrung zu bringen. Das Thema sei vielschichtig und heikel, insbesondere auch von der rechtlichen Seite her. Nur noch so viel: Ende März wisse man, ob der Film zustande kommt.

Leidvolle Erinnerungen

Dass die Finanzierung und damit die Realisierung eines Filmes über einen solchen Protagonisten nicht ganz einfach ist, ist nachvollziehbar. Bei solch dramatischen Vorkommnissen werden häufig Personen tangiert, welche Jahre nach den Ereignissen noch traumatisiert sind und die einen Film über ihre leidvollen Erinnerungen fast nicht verkraften können.

So kam beispielsweise ein 2003 und 2005 geplanter und zum Teil schon finanzierter Spielfilm über das Attentat von Zug mit 14 Toten nicht zustande, auch wenn das Geschehen nun schon 17 Jahre her ist.

Die Solothurner Filmfirma

Die Insertfilm AG in Solothurn ist eine Gesellschaft für Film- und Fernsehproduktionen. 1987 gründeten Daniel Grossenbacher, Ivo Kummer und Daniel Leippert die Firma. 1989 trat Olivier JeanRichard der Genossenschaft bei. Seit 2002 ist Insert-Film eine AG. 2011 trat Ivo Kummer als Leiter der Geschäftsstelle zurück; er ist seither Leiter der Sektion Film im Bundesamt für Kultur. An seine Stelle traten Pedro Haldemann und Fränze Aerni in die Geschäftsleitung. «Unsere Filme sollen berühren und bewegen, anregen und – warum nicht? – aufregen. Wir suchen den Diskurs, die Auseinandersetzung und wir kratzen – durchaus lustvoll – an Oberflächen», heisst es bei Insert-Film. Die Produktionsgesellschaft setzt Spiel-, Dokumentar- und Künstlerfilme um und realisiert auch Werbefilme. Zu den bekanntesten Spielfilmen gehören «Bell’invitu» von Nino Jacusso, «Chicken Mexicain» von Armin Biehler oder Künstlerporträts über Schang Hutter und Gunter Frentzel. Am 11. März läuft im Fernsehen SRF die Insert-Produktion «Matera – von der Schande Italiens zur Europäischen Kulturhauptstadt». (Sternstunde Kunst 11.55 und 23.20 Uhr).(frb)