Nach dem Fussball ist es die zweitwichtigste Nebensache der Welt: Wurstsalat. Anders ist es kaum zu erklären, dass sich die Menschheit seit 2013 tatsächlich an einer jährlich ausgetragenen Wurstsalat-Weltmeisterschaft erfreuen darf. Und damit ist folgende Erfolgsgeschichte in der ereignisärmeren Sommerzeit insofern eine Sauregurken-Story, als dass manche Wurstsalat-Rezepte tatsächlich nicht ohne Cornichons auskommen: Der diesjährige WM-Pokal, der sechste seit Begründung des «Sportanlasses», geht nach Solothurn.

Denn der Wurstsalat-Weltmeister ist Christoph Rölli, ansässiger Werber und Kulturvermittler, der sich einfach mal für die Herausforderung, ausgetragen im basellandschaftlichen Tenniken, angemeldet hatte: «Purer Gwunder hat mich dazu angespornt. Ich wollte wissen, wie mein Salat im Vergleich zu anderen abschneidet.» Und so stand der «Solothurner Rölli-Salot» mit 32 konkurrierenden Salatschöpfungen aus Zürich, Bern, Schafhausen, Sursee oder anderen Orten im Wettstreit.

Und sein bekömmliches Debüt brachte Chris Rölli, der von seiner Partnerin als Fan-Delegation begleitet wurde, aufs oberste Treppchen, vorbei an den anderen Wurstsalat-Tüftlern. «Es war das erste Mal. Sozusagen ein Start-Ziel-Sieg. Oder: vni, vidi, vici.» Und eins freute den Solothurner Weltmeister besonders: «Endlich einmal wie Roger Federer einen Pokal küssen zu können.»

Aufs Maximum reduziert

Doch was nun ist – im wahrsten Sinne – Röllis Erfolgsrezept? «Ich glaube, es war die Einfachheit des Dressings, das die Jury überzeugte: Salz, Pfeffer, Essig und Öl.» Als kleiner Gratistipp: «Apfelessig verwenden, der macht die Sosse milder.» Und als wichtigste Ingredienz: schöne Erinnerungen. «Wenn es bei meinen Grosseltern Wurstsalat mit Rösti gab, war das für mich immer ein Festessen, für das ich alles stehen und liegen liess», erinnert sich Rölli.

Startet dieser nun eine Karriere als Gastronom? Und kann sein «Wurscht-Salot» irgendwo verkostet werden? «Dieser wird weiterhin bei mir zu Hause serviert. Aber sicherlich auch im Angebot des ‹Guerilla Caterings›», ein mobiles Dreierteam, das hobbymässig kocht. Und dass er künftig weiter gastronomisch in Erscheinung tritt? «Damit ist zu rechnen.» Schliesslich ist Solothurn – und das ist politisch entschlossene Sache – bekanntlich eher die Heimat kalter Wurstware, als jener, die auf den Grill darf...

Hinter dem skurrilen Anlass steht der Welt-Wurstsalat-Verband, der vor sieben Jahren von einigen Freunden gegründet wurden. Ein Fantasiename und «eine Bieridee», wie Michel Bürgin erzählt. Er bildet zusammen mit Beat und Stefan Buser das WM-Organisationskomitees, das von Freunden und Angehörigen unterstützt wird.

Immerhin aber wars eine «Bieridee», die mittlerweile Kultstatus besitzt und als Faszinosum Schlagzeilen schreibt. Und eine, die den Ehrgeiz von Küchenvirtuosen anstachelt. «Soweit, dass einige der Teilnehmer verärgert von dannen gehen, wenn sie hier keinen Preis holen», sagt Bürgin. «Dabei nehmen wir selbst die Sache gar nicht so ernst...»