Amtsgericht

Solothurner hat Geld auch schon mit Drogenhandel und Mordauftrag verdient

Über 3,5 Kilogramm Kokain soll der Angeklagte Peter W. erworben und zum Teil in seinem Geschäft in Solothurn verkauft haben. Symbolbild/Keystone

Über 3,5 Kilogramm Kokain soll der Angeklagte Peter W. erworben und zum Teil in seinem Geschäft in Solothurn verkauft haben. Symbolbild/Keystone

Ein 58-jähriger Schweizer stand wegen einer eindrücklicher «Karriere» vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, mit Drogen gehandelt zu haben und in einen Mordauftrag verwickelt gewesen zu sein.

Peter W.* (58) hat schon auf viele Arten Geld verdient: im Versicherungswesen, in einer Fabrik, als Besitzer eines Druckerladens – aber auch mit Drogenhandel und einem Mordauftrag. Nun steht der Solothurner vor dem Amtsgericht. Ganze 16 Seiten umfasst die Anklageschrift, in der W., neben vielen anderen Delikten, «versuchte Anstiftung zur Anstiftung zum Mord» sowie mehrfache Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen werden.

Auftragsmord statt Scheidung

Steinchen um Steinchen setzte das Gericht am Montag ein Mosaik zusammen, das von der scheinbar unerschöpflichen kriminellen Energie in der Solothurner Vorstadt zeugt. Einer der Hauptvorwürfe gegen Peter W. bezieht sich auf einen Auftragsmord. «Ich wollte nur meine Ruhe», erzählt er dem Gericht. Sein ehemaliger Arbeitskollege, Niklas D.* habe ihn verfolgt und bedrängt. «Er hat mir seine Eheprobleme geklagt und ich habe ihm zur Scheidung geraten.» D. habe davon nichts gehalten, aus Angst, seine Kinder an seine Frau zu verlieren. So schlugen die Klagen um – in die Suche nach einem Auftragskiller.

Diesen hätte der Angeklagte seinem Kollegen gegen Entlohnung besorgen sollen. «Er dachte, ich hätte Kontakte nach Russland, da meine damalige Frau Ukrainerin war.» Er habe sich geweigert, einen Killer zu suchen. D. aber sei stur geblieben und ihm damit auf die Nerven gefallen. So habe er mit Simon C.*, dem er gerade behilflich war, ein eigenes Geschäft zu errichten, von seiner Misere erzählt und sei mit ihm zum Schluss gekommen: «Wenn jemand Geld übrig hat, dann nehmen wir es halt.» Er habe Niklas D. um eine Anzahlung gebeten. «Ich dachte, der lege ohne Absicherung kein Geld auf den Tisch und damit wäre die Sache erledigt.» Dennoch haben 15 000 Franken den Besitzer gewechselt. Ernsthaft einen Killer gesucht oder selbst Mordpläne geschmiedet, hätten sie nie, darin waren sich Peter W. und Zeuge Simon C. einig.

Im Vorverfahren aber, so Richter Rolf von Felten, habe Simon C. völlig anders ausgesagt. «Sie sagten, Sie hätten Peter W. erzählt, dass Sie jemanden kennen, der den Mord ausführt.» Auf die Differenzen zwischen Befragung und Vorverfahren angesprochen, verwies Simon C. auf Erinnerungslücken. Er könne sich weder an die Geschehnisse noch an die Aussagen von vor sechs Jahren wirklich gut erinnern. Weiter widersprach Simon C. sich hinsichtlich der Tatsache, dass Fotos sowie ein Arbeitsplan des potenziellen Mordopfers in die Hände von Peter W. und Simon C. gelangt waren, obwohl keiner der beiden einen Mord geplant hatte. Die Interpretation der teilweise widersprüchlichen Aussagen wird das Gericht heute Dienstag und morgen beschäftigen.

Über 3,5 kg Kokain verkauft

«Ich bin intelligent und gebildet. Im Nachhinein aber sehe ich mich als Vollidiot», so Peter W. Denn es blieb nicht beim Mordauftrag. Der Schweizer fand eine weitere Einnahmequelle: im Drogenhandel.

Reingerutscht sei er durch seine damalige Freundin. Diese sei an einer Überdosis Kokain gestorben. Das und die Krebserkrankung seiner Mutter hätten ihm den Boden unter den Füssen weggezogen. «Ich habe angefangen zu spinnen.» Zunächst habe er selbst mit dem Kokainkonsum begonnen, dann sei er in den Verkauf eingestiegen. «Ab Mai 2007 kam der richtige Drogenhandel auf.» Staatsanwalt Jan Gutzwiller wirft Peter W. vor, zwischen April 2007 und August 2008 über 3,5 Kilogramm Kokaingemisch gekauft und mehrheitlich verkauft zu haben. Dabei stützt er sich auf Aussagen unzähliger Personen, teils ehemalige Angestellte des Angeklagten, teils Drogendealer, häufig beides.

Der Angeklagte aber wehrte sich während seiner Befragung: «Ich bin kein Unschuldslamm. Ich habe Drogen gekauft, verkauft und konsumiert. Aber nicht in diesen Mengen!» W. reduzierte die ihm in der Anklageschrift vorgeworfenen Mengen sukzessive und bestand darauf, man wolle ihm Käufe und Verkäufe unterschieben, die bisher niemandem zugeordnet werden konnten. Den Tatbestand der Gewerbsmässigkeit – welcher ab einem Umsatz von über 100 000 Franken und einem Gewinn von über 10 000 Franken besteht – erfülle er nicht.

Dem Angeklagten wird weiter vorgeworfen, er habe mit Dormicum gehandelt, zu Diebstählen angestiftet und Hehlerei begangen. Dem widerspricht W. zum grossen Teil. Dormicum habe er in kleinen Mengen für seine damalige Freundin erworben.

Seine vielen Geschäftsideen haben W. übrigens nichts genutzt. Der 58-Jährige ist heute pleite. Er habe Schulden von über 600 000 Franken.

Heute Dienstag wird die Verhandlung mit den Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung von Peter W. fortgeführt. Das Urteil wird am Mittwochnachmittag erwartet.

* Namen geändert.

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