Wechsel in Geschäftstelle
Solothurner Filmtage wollen in Zukunft auf junges Publikum setzen

Daniel Fuchs hat in den letzten sieben Jahren die Geschäftsstelle der Filmtage geleitet. Stefanie Schüpbach übernimmt sein Amt. Beide sind überzeugt, dass die Filmtage in Zukunft vermehrt auf ein jüngeres Publikum setzen sollten.

Fränzi Rütti-Saner
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Stefanie Schüpbach und Daniel Fuchs sind sich einig.

Stefanie Schüpbach und Daniel Fuchs sind sich einig.

Hanspeter Bärtschi

Wie sieht eigentlich die Arbeit des Leiters der Geschäftsstelle der Solothurner Filmtage aus?

Daniel Fuchs: Kurz gesagt: Es geht bei dieser Arbeit um die Hauptorganisation. Um Personelles, Finanzielles und darum, dafür zu schauen, dass alles am Schluss aufgeht. Es ist ein Ganzjahresjob, doch der grosse Aufwand kumuliert sich im November. Bis dahin müssen alle grösseren Probleme gelöst sein.

Als Sie vor sieben Jahren die Geschäftsleitung übernahmen, war doch noch vieles anders.

Ja. Es hat beispielsweise in der Organisation ein Generationenwechsel stattgefunden, der geglückt ist. Jetzt müssen wir das noch beim Publikum schaffen, und daran sind wir jetzt.

In Ihrer Ära gab es eine Menge anderer Neuerungen. Einige Beispiele:

Mit der Nacht der Nominationen für den Filmpreis und der Ausrichtung des Prix de Soleure hat «Solothurn» an Profil gewonnen – beim Publikum, aber auch bei den Filmschaffenden. Besonders gelohnt hat sich auch die Umstellung der Festivalwoche von Donnerstag zu Donnerstag. Lohnend auch für die Hotellerie, beispielsweise. Dann konnten wir im letzten Jahr den Konzertsaal als Spielort wieder einsetzen, was ein zusätzlicher Gewinn ist.

Wie fanden Sie Solothurn?

In den sieben Jahren habe ich Solothurn zu allen Jahreszeiten kennen gelernt. Die Stadt ist sehr kulturaffin, gesellig und offen.

Und die Solothurner?

Die Solothurner Filmtage funktionieren nicht ohne die Solothurner. Leute kennen zu lernen, zu wissen, wer mit wem vernetzt ist, ist äusserst wichtig für unsere Arbeit.

Wie hat sich das Festival in dieser Zeit zahlenmässig entwickelt?

Die Solothurner Filmtage wachsen, wie alle anderen Filmfestivals übrigens. Als ich anfing, sprachen wir von 42 000 Eintritten. Dieses Jahr werden wir vermutlich bei mehr als 60 000 Eintritten ankommen, denn wir verzeichnen im Vergleich zum letzten Jahr eine steigende Tendenz. Auch das Budget hat sich fast verdoppelt. Vor sieben Jahren waren es noch 2 Mio. Franken, heute sind es über 3 Mio. Franken.

Stefanie Schüpbach, Sie arbeiten ja schon seit zwei Jahren in der Geschäftsstelle der Filmtage mit. Was war Ihre Tätigkeit bisher?

Stefanie Schüpbach: Ich war fürs Marketing und die Cinetour zuständig. In diesen Eigenschaften habe ich bereits sehr eng mit der Geschäftsleitung zusammengearbeitet. Ab 1. Februar werde ich die Arbeit von Daniel Fuchs übernehmen.

Ihr Werdegang?

Ich studierte Betriebswirtschaft, Kunstgeschichte und Medienwissenschaften an der Universität Bern. Danach arbeitete ich unter anderem für die Botschaft der Schweiz in Washington und auch für das Eidgenössische Institut für geistiges Eigentum in Bern.

Was werden Ihre Schwerpunkte sein?

Ich freue mich auf die Weiterentwicklung des Festivals. Vorab sind wir jetzt schon an der Planung der Jubiläumsausgabe im kommenden Jahr.

Können Sie Inhaltliches verraten?

Wir möchten noch nichts verraten. Einige Projekte sind in der Pipeline, aber es ist noch zu früh, darüber zu sprechen. Wir denken jetzt noch an die 49. Ausgabe, die läuft ja auf Hochtouren. Aber es wird einige Überraschungen geben, so viel können wir versprechen.

Haben denn – aus Ihrer Sicht – Filmfestivals in Zukunft trotz der Digitalisierung von Filmen noch eine Existenzberechtigung?

Ja, sicher. Das Publikum will sich begegnen, den Kontakt zu den Filmschaffenden herstellen, so wie das in Solothurn auf unkomplizierte Weise möglich ist.

Was benötigen die Solothurner Filmtage in den nächsten 50 Jahren?

Ich glaube, es muss gelingen, das Publikum zu verjüngen. Wir haben heute ein sehr treues, jedoch schon älteres Publikum. Wir sind schon heute damit beschäftigt, eine Plattform für jüngere Filmschaffende und deren Publikum zu schaffen, zum Beispiel mit dem Programm «Upcoming». Aber natürlich möchten wir das bisherige Publikum nicht verlieren. Es braucht also ein Gleichgewicht.

Fuchs: Die jüngere Generation muss in die Kinokultur eingeführt werden.

Und welches ist Ihr Lieblingsfilm im diesjährigen Programm?

Fuchs: «Neuland» von Anna Thommann und die Peter-Liechti-Filme habe ich wieder entdeckt.

Schüpbach: Auch «Neuland» und dann reden wir im Team alle immer wieder von «Der Goalie bin ig».