48. Solothurner Filmtage
Solothurner Filmtage vor Quantensprung - aber ohne Bundespräsident

Mit Spannung erwartete Filme, internationale Stargäste und eine zusätzliche Grossleinwand: Die Solothurner Filmtage stehen vor einem Quantensprung. Etwas weniger glanzvoll als in den Vorjahren wird die Eröffnung am Donnerstag, 24. Januar, ausfallen.

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Eroeffnung 47. Solothurner Filmtage, Reithalle Solothurn© Hanspeter Baertschi Pressefotograf

Eroeffnung 47. Solothurner Filmtage, Reithalle Solothurn© Hanspeter Baertschi Pressefotograf

Während üblicherweise der Bundespräsident die Werkschau des Schweizer Films eröffnet, müssen Filmtage-Direktorin Seraina Rohrer und die Ehrengäste diesmal mit einer gewöhnlichen Bundesrätin vorliebnehmen: Bundespräsident Ueli Maurer weilt am WEF, für ihn springt Justizministerin Simonetta Sommaruga ein.

Kulturminister Alain Berset reist dann am 30. Januar zur Nacht der Nominationen für den Schweizer Filmpreis nach Solothurn. Eindrücklich ist die Zahl der internationalen Stargäste: Erwartet wird die Pianistin Martha Argerich, deren Tochter Stéphanie als Schweizer Premiere das Künstlerporträt «Argerich» präsentiert.

Die Regisseure Ulrich Seidl («Paradies: Liebe») aus Österreich und Carlos Reygadas («Post Tenebras Lux») aus Chile sprechen im Spezialprogramm «Fokus» über eine Stossrichtung, die dem Schweizer Film oft abgesprochen wird: «Radikales Kino», heisst das Thema.

Zu Ehren von Regisseur Silvio Soldini, dem die Reihe «Rencontre» gewidmet ist, haben hochkarätige Schauspieler ihr Kommen zugesagt. Bruno Ganz («Pane e tulipani»), Alba Rohrwacher («Il comandante e la cicogna») und Jean-Luc Bideau feiern Soldini.

Digitalisierung fast komplett

Die Solothurner Filmtage erfreuen sich auch beim Publikum wachsender Beliebtheit, 2012 wurde ein Rekordwert von 57'000 Eintritten erreicht. Der Ansturm war dergestalt, dass sich Direktorin Rohrer beunruhigt zeigte: «Ich befürchtete teilweise schon, dass wir daran sind, unser Publikum zu vergraulen.»

Abhilfe schaffen soll bei der 48. Ausgabe unter anderem die Inbetriebnahme einer zusätzlichen Spielstätte mit 450 Plätzen und ein neues Angebot für die Inhaber von Dauerkarten. Mehr Filme werden nicht gezeigt, es wurde sogar strenger selektioniert, wie Rohrer betonte.

180 Filme sind im Programm der Werkschau verzeichnet. Erstmals werden hier, im zentralen Programmblock, alle Filme digitalisiert gezeigt. Nur in Nebensparten gibt es noch ältere Abspielverfahren.

Zürcher Feministin im Wallis

Zum Eröffnungsfilm erkoren wurde «Rosie» von Markus Gisler. Es ist das erste Werk des Ostschweizers seit er vor fast 14 Jahren für «F. est un salaud» den Schweizer Filmpreis gewann. Als einer von nur zwei Spielfilmen ist «Rosie» - neben fünf Dokfilmen - für den prestigeträchtigen «Prix de Soleure» nominiert.

Gislers Film handelt von einem schwulen Schriftsteller, der aus Berlin in die Schweiz zurückkehrt, um sich um seine Mutter zu kümmern. Die Hauptrolle spielt Fabian Krüger, der auch im mit Spannung erwarteten Liebesdrama «Verliebte Feinde» zu sehen ist.

In Werner Schweizers Verfilmung der gleichnamigen Doppelbiografie mimt Mona Petri die protestantische Zürcher Feministin Iris von Roten (1917-1990), Krüger ihren katholisch-konservativen Walliser Gatten Peter (1916-1991) - erzählt wird eine der faszinierendsten Schweizer Liebesgeschichten des 20. Jahrhunderts.

«Verliebte Feinde» ist für den «Prix du Public» nominiert. Dort tritt er etwa gegen «Boys Are Us» und «Cyanure», die neuen Werke von Peter Luisi und Séverine Cornamusaz an.

Kann die 48. Ausgabe der Filmtage mit «radikalem» oder zumindest gutem Kino punkten? Höher jedenfalls als dieses Jahr waren die Erwartungen selten.