gegen Langeweile
Solothurner Ferienpass-Programm soll Kindern weiterhin Freude bereiten

13 Jahre lang prägte Céline Gantenbein als Präsidentin die Institution mit. Nun übernehmen Cornelia Schwaller und Bettina Schönberg.

Andreas Kaufmann
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Céline Gantenbein, ehemalige Präsidentin des Ferienpasses Solothurn.

Céline Gantenbein, ehemalige Präsidentin des Ferienpasses Solothurn.

Andreas Kaufmann

Der Ferienpass ist eine Institution: Seit 38 Jahren gibts in fünf Wochen Sommerferien für kleine Daheimgebliebene ein Programm gegen Langeweile: Fast die Hälfte dieser Zeit hat Céline Gantenbein-Kury mitgewirkt, die letzten 13 Jahre als Präsidentin. Ab diesem Jahr ist ein Duo am Drücker: Neu teilen sich Bettina Schönberg und Cornelia Schwaller das Präsidium.

Die neuen Co-Präsidentinnen Bettina Schönberg (l.) und Cornelia Schwaller.

Die neuen Co-Präsidentinnen Bettina Schönberg (l.) und Cornelia Schwaller.

Andreas Kaufmann

«Im Moment geniesse ich die ruhige Zeit», sagt indes die scheidende 53-jährige Präsidentin und blickt zurück: Da sie Frauen im Umfeld des Ferienpasses kannte, ist die Familienfrau und Handarbeitslehrerin selbst ins Team gekommen. So lief es oft, als die Kursanmeldungen im Landhaus, später Konzertsaal stattfanden: Man kam beim Verkauf ins Gespräch.

Längst sind die Ferienpässler von damals selbst Eltern geworden, die ihren Sprösslingen beim Buchen helfen. Oder sind Mitglieder des zehnköpfigen Teams: «Wir wollen auf diese Weise die Freizeitaktivitäten unserer Kinder unterstützen», sagt Schönberg. Schwaller ergänzt: «Unsere Kinder haben viele gute Ferienpass-Jahre erlebt – das wollen wir zurückgeben.»

«Stets mit Herzblut gemacht»

Mit Anbietern verhandeln, in Sitzungen Ideen umsetzen, Kontakte pflegen, Anwesenheiten kontrollieren, Eltern beraten: So beschreiben die Macherinnen ihre Arbeit. Jede der Frauen betreut rund 20 Kurse. «Ich habe das mit Herzblut gemacht», sagt Gantenbein und hält damit die existenziell wichtige Ehrenamtlichkeit hoch. Dennoch habe sie sich einiges anhören müssen, wie: «Sie gehören also zu den dummen Frauen, die noch gratis arbeiten.»

«Es muss nicht alles bezahlt sein», kontert Gantenbein. Diesem Grundsatz folgt auch ein Teil der Veranstalter, die sich für den Ferienpass frei nehmen. Gerade Sportvereine stecken viel Fronarbeit in den Ferienpass – nicht zuletzt in der Hoffnung, begeisterten Nachwuchs zu finden. Oder Vertreter eines Berufsstandes, die für ihre Tätigkeit werben wollen: Wenn Jäger die Kursteilnehmer auf ihre Arbeit im Wald mitnehmen. Oder wenn Kinder einen Tag lang mit dem Lastwagen mitfahren.

«Ferienpass als Business»

Doch nicht alle Anbieter sind von idealistischen Motiven getrieben. «Für einige ist der Ferienpass mehr noch als früher ein Business», so Gantenbein. Anbieter also, die für ihre Dienste ein Entgelt fordern, das dann teilweise auf die Eltern abgewälzt wird. «Jene, die nur verdienen wollen, werden von uns aber abgeblockt», sagt Schwaller.

Insgesamt ist das Ferienpass-Angebot selbsttragend. «Wir sind stets auf Sponsoren angewiesen», sagt Gantenbein. Und so sei man mit kleinen und grösseren Beträgen, aber auch mit Material versorgt worden. «Der Ferienpass soll auch für schlechter situierte Familien erschwinglich sein», sagt Gantenbein. Oder dann bestehe seitens berufstätiger Eltern auch die Erwartung, als Tagesbetreuungsstätte für Kinder da zu sein. «Dafür sind wir nicht ausgebildet. Dennoch profitieren einige Familien von ganztägigen Kursangeboten.»

Feuerwehr als Klassiker

Gesamthaft ist die «Kundschaft» jünger geworden, da im höheren Jugendalter eher andere Freizeitangebote genutzt werden. Dennoch hat sich an den Kurs-«Lieblingen» wenig geändert: Sportkurse, Einblicke bei Feuerwehr oder Polizei, Reitkurse, Besuche beim Tierarzt, oder Back- und Kochkurse sind beliebt – damals wie heute. Gerade die Klassiker wurden denn auch ausgebaut, will heissen: wird in mehreren Kursen angeboten. Einen Überraschungserfolg feiert jeweils der Briefmarkenkurs. Zum Kurshit geworden ist das Tauchen, was auch mit dem neuen Lego-Baukurs am Nictumgässlein passieren dürfte.

Während die Inhalte geblieben sind, hat sich hinter den Kulissen einiges geändert: «1997 haben wir die Kursblätter noch per Schreibmaschine bearbeitet», erinnert sich Gantenbein. Einen grossen Wechsel mitgetragen hat sie 2011 mit der Digitalisierung des Anmeldevorgangs.

«Das ging nicht ohne Nebengeräusche: Wir hatten bitterböse Telefonate, meistens Väter.» Und negative Rückmeldungen waren nicht das einzige, was dem Team das Leben schwer machte: Technische Pannen begleiteten die Einführung der Plattform aus dem Hause Pro Juventute. «14 Tage vor Start befürchteten wir, dass wir den Ferienpass noch auf dem Märet anpreisen müssen.»

Geklappt hat es dann doch, und mit kleinen Modifikationen tut es das bis heute. Dennoch schwingt immer ein bisschen Wehmut mit, wenn die Erinnerung an gesellige, gemütlich gestimmte Menschenschlangen aufsteigt. Doch ungeachtet der Kritik und der nostalgischen Gefühle, stellt Gantenbein eines in den Vordergrund: «Zu guter Letzt geht es darum, dass die Kinder Freude haben.»

Kids mögen es eher «analog»

Geht es nach Cornelia Schwaller und Bettina Schönberg, so soll es unter dem selben Grundsatz weitergehen. Grosse Weichenstellungen sind nicht geplant. Auch eine Ausdehnung auf die Herbstferien steht nicht zur Diskussion, ebenso wenig eine Verschiebung der Kursinhalte Richtung digitale Welt: «Wenn die Kinder eine Alternative zu Videospielen und Internet haben, dann nutzen sie diese auch», sagt Schwaller.

Nach der Wunschphase beginnt am Mittwoch die reguläre Buchungsphase für den Ferienpass: www.solothurner-ferienpass.ch