Stadtbummel Solothurn
Solothurner Farbenlehre

Mark A.Herzig
Mark A.Herzig
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Blumenschmuck vor dem Solothurner Rathaus.

Blumenschmuck vor dem Solothurner Rathaus.

Lea Durrer

Welch grandiose Farbenpracht in unserer Stadt! Vielfältig, diskret, schreierisch, je nach Tages- und Nachtzeit unterschiedlich. Schreitet man an einem frühen Frühlingsmorgen vom Mauritiusbrunnen gen Westen, erblickt man unter dem lichtblauen Himmel den Mittelturm der Rathausfassade oben von zartem, dezentem Rosarot angehaucht. Hängt an dieser Stelle etwa gar der kantonale Himmel auch noch voller Geigen? Der Mittelteil der Fassade kommt zu diesem frühen Zeitpunkt den Tatsachen schon näher: Grau in Grau. Und unten gar alles noch unerleuchtet schwarz – das ist farblich gemeint, will man denn Schwarz als Farbe bezeichnen.

Farbenpracht auch in den Blumenbeeten und Anlagen im und rund um unser Regierungsviertel. Die Leute vom Werkhof pflanzen mit Können, gutem Auge und offenbar viel Liebe – sonst würden die Pflanzen nicht so schön gedeihen. Sie machen Werbung für unsere Stadt, diese Blumen. Aber leider auch Eigenwerbung; denn immer wieder werden die Rabatten als Selbstbedienungsladen betrachtet – und schon fehlt wieder eine Blüte, ein Pflänzchen oder ein ganzer Blumenstock. Das geht ja noch schneller als auf dem Märet oder im Onlinehandel, und vorab billiger.

Ein bierfarbenprächtiges Fest hat vor dem Baseltor stattgefunden. Da gab es fast alles vom tiefen Schwarz bis zum zarten Hellgelb. Blaubier – mit geschmack- und farbgebenden Blaubeeren – soll es neuerdings auch geben, wurde vom Bummler an den Biertagen aber nicht entdeckt. Dominiert hat über alles gesehen aber dann doch das Blau – je später der Abend oder je früher der Morgen, desto blauer. Am Blaubier wird es nicht gelegen haben – dessen Stärke liegt dem Vernehmen nach auf dem Niveau eines Panasches.

Einiger Farbenpracht verlustig gehen wird die Innenstadt, in dem Moment nämlich, da die den Velofahrern zugedachten Y-Fahrverbotsschilder demontiert werden. Die werden hoffentlich nicht ersetzt durch solche mit dem Hinweis «Radfahren gestattet». Das wäre dann doch wirklich und wahrhaftig überflüssig. Denn die Velofahrer – vermutlich heissen sie deswegen so – fahren immer, wann und wo sie wollen (vergleiche dazu das Veloregime in der jetzigen Umbauphase der Berntorstrasse). Ihr Bummler hat während des Studiums häufig den Begriff «Die normative Macht des Faktischen» zu hören bekommen. Jetzt endlich kann er den Ausdruck populärwissenschaftlich oder -juristisch erläutern: Man muss nur lange genug ein (Fahr-)Verbot missachten, bis es aufgehoben wird.

Doch verlassen wir diese unendliche Geschichte und kehren zurück zum Grün, das uns allenthalben in unserer Stadt umfängt und das verschiedenen Quellen zufolge beruhigend wirkt. Manchmal können wir das brauchen.

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