Solothurn/Afrika
Solothurner fahren mit dem Tuk-Tuk durch Ostafrika – «einmal fiel der gesamte Motorblock hinten raus»

Spezielles Reisemittel: Die Solothurner Jeremias Schaffner und Roland Dreyfus sowie Dominic Plüss durch ganz Ostafrika. Die 5000 Kilometer lange Reise von Ruanda in den Süden von Mosambik haben sie mit einem Tuk-Tuk in Angriff genommen.

Lea Durrer
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Die Tuk-Tuk-Fahrer Roland Dreyfus, Dominic Plüss und Jeremias Schaffner.
17 Bilder
Mit dem Tuk-Tuk durch Ostafrika
Das Gefährt zieht viele Interessierte Afrikaner an.
Sie bestaunen den dekorierten Dreiräder
Übernachtet wird auf dem Campingplatz oder auch mal im Hotel.
Mit dem Tuk-Tuk zum Drive-in
Der Motor überhitzt leicht bei den Temperaturen
Den Frosch als Mitfahrer
So geht Benzin nachfüllen
Und so auch
Auf dem Lastwagen mitreiten
Und irgenwie musste es ja auch auf den Lastwagen...,
In die Werkstatt muss das Tuk-Tuk mehrmals
Die erste Platte kommt nach 4000 km

Die Tuk-Tuk-Fahrer Roland Dreyfus, Dominic Plüss und Jeremias Schaffner.

zvg

Jeremias Schaffner reist seit über einem Monat mit Freunden durch Ostafrika – in einem blauen Tuk-Tuk. Da wollen wir wissen, wie es sich so fährt im Dreiräder. Man könne ja mal per WhatsApp telefonieren, meinte er. Geraschel und dann wieder absolute Stille. Ein erneuter Versuch bricht auch nach wenigen Worten ab. Die Kommunikation aus der Schweiz mit dem 27-jährigen Solothurner in Mosambik ist nicht einfach. Nachdem das Satellitentelefon auch spinnt, klappt es dann glücklicherweise doch noch mit dem Handy.

4500 Kilometer haben die drei Reisenden zu diesem Zeitpunkt bereits hinter sich. 500 liegen noch vor ihnen, bis sie ihr Ziel – die Stadt Maputo ganz im Süden des Landes – erreichen. Zwischen 200 und 450 Kilometer pro Tag betragen die Etappen.

Bei Temperaturen zwischen 25 und 28 Grad geht es mit 55 km/h über moderne Strassen, die von der österreichischen Strabag gebaut wurden, und im Schritttempo über Wege mit «bösen» Schlaglöchern. Da muss besonders gut aufgepasst werden. «Bei den kleinen Rädern besteht die Gefahr diese auszureissen», so Schaffner. Unterwegs wird an einem der zahlreichen Strassenstände, die vor allem Lieferwagenfahrer verköstigen, für Maiskolben, Samosa oder frittiertes Weissbrot angehalten. Während Jeremias Schaffner das lokale Reisbier nicht so mag, schwärmt er von dem leckeren Gemüse und den Früchten wie Mangos, Papayas und Ananas.

Auf das Tuk-Tuk gekommen sind Schaffner und Kollege Roland Dreyfus – ebenfalls ein Solothurner – spontan. Eigentlich wollten sie mit dem Töff von Ruanda über Tansania und Malawi nach Mosambik fahren. «Wir hatten schon alles vorbereitet. Doch dann haben wir in Kigali einen gehbehinderten Mann mit einem Tuk-Tuk gesehen.» Die beiden fanden die Idee reizvoll, während der Fahrt miteinander zu sprechen, Musik zu hören und zu essen. Ebenfalls spontan entschied sich Dominic Plüss, ein Kollege Schaffners von der Hotelfachschule, nach Ruanda zu fliegen und bis Malawi mitzufahren. Und so starteten die drei am 21.Januar in einer mit Blumen und LED-Leuchtkette geschmückten Auto-Rikscha der Firma Bajaj auf ihre Tour. Für die letzten 500 Kilometer in Mosambik gesellte sich dann noch Michael Matter dazu.

Eine Attraktion

Die Schweizer sind für die Einheimischen eine echte Attraktion. Schon speziell genug, dass Ausländer mit einem Tuk-Tuk unterwegs sind. Auffallen tun sie aber noch zusätzlich durch ihre einheitlichen Overalls, die ihnen eine taubstumme Schneiderin aus Kigali genäht hat: Blau mit roten und gelben Akzenten. «Eigentlich wollten wir ja einen Mechanikeranzug», so Jeremias Schaffner. Doch dann hätten sie sich für den Overall mit afrikanischem Stoff entschieden.

Die Einheimischen würden ihnen äusserst freundlich entgegentreten. «Die Uniformen irritieren sie aber etwas. Sie wissen nicht recht, wie sie mit uns umgehen sollten. Die Polizisten oder Grenzwächter machen zuerst eine ernste Miene. Dann können sie trotzdem irgendeinmal nicht anders als zu lachen.»

Zu dritt in einem Vierplätzer, da bleibt noch Platz, um andere Reisende ein Stück des Weges mitzunehmen. «15 Mal haben wir Passagiere mitgenommen, die versucht haben, einen Bus anzuhalten.» Darunter waren Schüler, Bauarbeiter oder Verkäufer, die mit ihren Waren auf dem Weg in die Stadt waren. Am meisten geblieben ist Schaffner eine Begegnung mit zwei Massai-Kriegern. Die beiden hatten eine so starke Ausdünstung, dass es nicht einmal half, dass der Wind durch das Gefährt ohne Türen und Fenster ziehen konnte.

Nie überfallen – einige Pannen

Weil das Tuk-Tuk offenbar als Fortbewegungsmittel für Arme gilt, kommen die Reisenden auf ihrem Weg nicht ins Visier von Einheimischen, die ihnen etwas Böses anhaben wollen. Nie wurden sie bisher überfallen. Schaffner und seine Kollegen gehen aber auch gar kein Risiko ein und schauen, dass sie jeweils bei Nachteinbruch ihr Ziel erreicht haben. «Sobald man in einem Camping oder Hotel ist, gehört man zu denen. Dann ist man immer sicher.» Einmal wurde ihnen aber über Nacht mit dem Schlauch Benzin aus dem Tank gesogen.

Das mit dem Benzin ist so eine Sache. Weil der Treibstoff auf dem Schwarzmarkt ersteigert wird, ist er oft verunreinigt. «Wir mussten den Vergaser mehrmals ausbauen, weil er so verdreckt war», so Schaffner. Pannen gab es diverse. Doch erst nach 4000 Kilometern musste ein platter Reifen behandelt werden. Weil es recht ruckelte, lösten sich bei rascher Fahrt auch mal die Schrauben. «Einmal fiel der gesamte Motorblock hinten raus und wurde kurz über den Boden geschleift.»

Als die drei in Tansania durch eine Wüstenregion fuhren, überhitzte der Motor. Die Lösung: Einfach die Motorenklappe offen stehen lassen, damit viel Luft dazu kommt.

Günstiges Reisemittel

Das Tuk-Tuk bezeichnet Schaffner als tolles Gefährt zum Reisen. Weil es nur fünf Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauche, koste es nicht viel. Ebenfalls günstig käme die Versicherung, die man für ein Land abschliessen müsse.

Was geschieht nach der Reise mit der Auto-Rikscha? Sie sollte eigentlich in die Schweiz importiert werden. Eine Nachfrage bei der Motorfahrzeugkontrolle ergab aber: «Es ist unmöglich dafür eine Zulassung zu bekommen», sagt Schaffner bedauernd. 1700 US-Dollar kostete das Tuk-Tuk. Nun hoffen die Schweizer, das Gefährt weiterverkaufen zu können. Dass ein Mosambiker das Tuk-Tuk übernimmt ist unwahrscheinlich. Da es aus Ruanda stammt und dementsprechend importiert werden müsste, müsste ein Mosambiker 100 Prozent des Kaufpreises als Steuern draufzahlen.