Jesuitenkirche
Solothurner erleben Cäcilienmesse mit gigantischem Klang

Markus Oberholzer führte mit dem 150-köpfigen Classic Festival Chor in der Jesuitenkirche Gounods Cäcilienmesse auf.

Silvia Rietz
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Opulent: Aus 150 Kehlen erklang Gounods Cäcilienmesse.

Opulent: Aus 150 Kehlen erklang Gounods Cäcilienmesse.

Hansjörg Sahli

Drängen sich vor der Jesuitenkirche an zwei Nachmittagskonzerten, trotz lange entbehrter Frühlingssonne, Menschenschlangen ins Kircheninnere, muss etwas Besonderes geboten werden. Mit Charles Gounods «Messe solennelle en l’honneur de Sainte-Cécile», kurz Cäcilienmesse genannt und der Schutzpatronin der Kirchenmusik gewidmet, wurde denn auch eine der populärsten Messevertonungen der Romantik aufgeführt.

Dafür vereinten sich drei Chöre – Singkreis Wasseramt, Konzertchor Leberberg, Konzertchor Oberaargau – zum rund 150 Sängerinnen und Sängern umfassenden Classic Festival Chor. Gesellt sich die mittlere Symphoniebesetzung der Kammerphilharmonie Europa dazu, ertönt ein gigantischer Sound. Zumal wenn Dirigent Markus Oberholzer Partitur getreu sechs Harfen aufbietet.

Sopran liess aufhorchen

Was für ein Klang und was für ein Anblick: Der Altarraum vermochte trotz «Hochtribüne» den Chor kaum zu fassen und das Orchester sass bis dicht zur ersten Bankreihe. Markus Oberholzer positionierte je drei Harfen beim linken und rechten Seitenaltar, erreichte eine ausgeglichene Klangbalance. Weniger bekömmlich war die Position vor dem Franz-Xaver-Altar für die Solisten, vorab für den Tenor und den Bassisten.

6 Harfen waren Teil des Orchesters   

6 Harfen waren Teil des Orchesters   

Hansjörg Sahli

Die Solothurner Sängerin Stefanie Frei hingegen liess mit gut geführtem und schön timbrierten Sopran aufhorchen. Wunderbar, wie sie im Gloria die verhaltene Freud gestaltete, im Credo «Er ist fleischgeworden» mit Inbrunst ausdrückte. Stefanie Frei sang intonationssicher, mit lyrischem Schmelz und sehr guter Artikulation. Qualitäten, die Niklaus Loosli (schönes Tenorsolo im Sanctus) und Christian Dillig nicht ebenbürtig einsetzten. Zu oft deckte die Hundertschaft an Chorsängern und das Orchester die beiden Stimmen zu.

Opulenter Klang

Mühelos Gehör verschaffte sich der Classic Festival Chor, punktete mit opulentem Klang, der sich im Sakralraum wunderbar entfaltete. Trotzdem verloren die Pianissimo-Stellen nichts von ihrem sphärischen, weichen Schweben. Die Cäcilienmesse besticht ja mit den Chorpartien, die eine emotionsgeladene Atmosphäre schaffen: Jubelnd das «Laudamus te» im Gloria, kraftvolles Bekennen der Grösse des Allmächtigen bis zur zarten Mystik der Menschwerdung Gottes im Credo.

Der dreimalige Aufschrei der Passion zu den fast visionär klingenden Harfen münden in die Zuversicht auf das ewige Leben «Et vitam venturi saeculi». Das für die französische Messpraxis typische und rein instrumentale Offertoire fügt sich bruchlos ein. Vom Sanctus mit dem schlichten Tenorsolo bis zum kräftigen «Hosanna in excelsis» im Benedictus und dem Tenorsolo im Agnus Dei wird spürbar, wie tiefe Frömmigkeit Leben und Werk des eher als Opernkomponisten bekannten Gounod prägten.

Mitreissende Aufführung

Markus Oberholzer und seinen Choristen gelang ein packendes Konzert mit einigen «Gänsehaut-Stellen», dessen Interpretation den huldigenden Charakter des an sich lyrischen Werkes betonte. Nicht ganz so sorgfältig geriet die Artikulation und Feinarbeit des Textes. Überzeugend indessen der melodische Agnus-Die-Satz mit den Soli und den dynamischen Wechseln im Chor. Danach erhoben sich die Zuhörenden, sangen abwechselnd mit den Männerstimmen die Fürbitte «Herr, segne den Staat». Der Schlusshymnus mündete in eine stehende Ovation, mit der die effektvolle und mitreissende Aufführung der Cäcilienmesse gefeiert wurde.