Daniel Stocker

Solothurner Erfinder gründet einen Innovationsclub

Daniel Stocker hat einiges vor.

Daniel Stockers Geschichte liest sich, wie man sich in etwa die Biografie eines Erfinders vorstellt: geprägt von Erfolgsmomenten, aber auch von einigen Niederlagen. Mit seiner Erfindung unter dem Namen «Twistscraper» beschritt der heute 55-jährige Solothurner vor bald 30 Jahren neue architektonische Wege. An heutigen Wolkenkratzern in Schanghai, St. Petersburg, Moskau, Dubai oder anderen Weltstädten erkennt man seine Handschrift: sich spiralförmig in den Himmel bohrende Hochhäuser, die durch wenig Angriffsfläche für Wind und durch Stabilität glänzen sollen.

Leider ging – nachdem Stocker diese Erfindung vor rund 25 Jahren hat patentieren lassen – einiges schief. Seine Idee wurde kopiert, ohne dass Stocker je einen Rappen für seine Mühen gesehen hätte, erzählt er. Um seine Rechte auf juristischem Weg anzufechten, fehlten ihm die Zeit und die Energie. Dennoch folgten weitere Erfindungen aus seiner Werkstatt: Sein sogenanntes «Skybike», mit dem es sich vertikal Velofahren lässt, feierte Erfolge im Freizeittourismus.

Auf den Durchbruch warten weitere Konzepte, beispielsweise die «Human Cave», eine kleine isolierte Wohnbehausung für Obdachlose; dann «Turtle», einer Mischung zwischen Rollator und E-Bike gerade für ältere Menschen; oder schliesslich der «Swordsailer», ein Boot, dessen Segel sich die aerodynamischen Eigenschaften der Tragfläche eines Flugzeugs zunutze macht.

Es war Stockers Erfinderlaufbahn, die zu folgender Erkenntnis führte: «Wer mit viel Enthusiasmus etwas auf unserem schönen Planeten verändern will, eckt ständig an und muss einen harten Kampf kämpfen», dies schrieb Stocker in einem eigens verfassten Buch.

Es kann bei Einfachem beginnen

Vor diesem Hintergrund nimmt Stockers neueste «Ein-Mann-Initiative» zurzeit Gestalt an: Am Mittwochabend möchte der gelernte Maurer und Liegenschaftstreuhänder in Solothurn einen Innovationsclub ins Leben rufen. Durch die Non-Profit-Plattform sollen Wirtschaftsvertreter auf der Suche nach neuen Errungenschaften einerseits und Erfinder mit innovativen Ideen andererseits aufeinandertreffen. «Treffen die richtigen Leute aufeinander, dann besteht auch die Chance, dass neue Arbeitsplätze entstehen», sagt Stocker. So gehe es dabei um «Innovations- und damit auch Wirtschaftsförderung.»

Im Visier steht jegliche Form der Innovation: «Das kann bei so etwas Einfachem beginnen wie den Post-its, die einen Welterfolg feiern.» Niederschwelligkeit steht bei Stockers Absichten im Vordergrund: «Denn sehr oft stammen Innovationen nicht von Fachleuten, sondern von Menschen mit einem etwas anderen Blickwinkel.» Auf der anderen Seite würden viele Innovationen allein dadurch im Vorfeld «gekillt», weil sie von Menschen stammen, die nicht vom jeweiligen Fach sind.» Stocker beruft sich auf ein Zitat aus dem Munde Einsteins: «Fantasie ist wichtiger als Wissen. Denn Wissen ist beschränkt.»

Keine Selbstbedienung im Netz

Auf dem Internet wird Stockers Vorhaben nicht vertreten sein, erst recht nicht im Sinne einer Ideen-Austauschbörse. «Sobald etwas auf dem Netz ist, kann sich jeder einfach so bedienen», sagt Stocker, der sich dabei auch auf die eigenen vergangenen Erfahrungen stützt. Und so herrscht ein grundsätzliches Misstrauen, dem er durch den Innovationsclub Abhilfe schaffen will. «Leute mit Ideen haben Angst, diese könnten ihnen geklaut werden. Und Unternehmer, die Ideen suchen, trauen ‹dem kleinen Mann› nicht zu, dass seine Idee erfolgreich sein könnte.»

So soll in den dannzumal jeden Mittwoch im Monat stattfindenden Treffen Platz sein für Vorstellungen von Erfindungen, für Clubnews, für Diskussionsrunden aber auch für die Vermittlung von Wissen im Bereich des Patentrechts.

Innovationsclub Mittwoch, 5. September, 19 Uhr, Restaurant du Commerce.

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