Der Hintergrund: Nicht nur für die Schüler, auch für die Eltern ist der Eintritt in die erste Klasse ein bewegender Moment. Sie begleiten die angehenden Abc-Schützen zum Klassenzimmer. Doppelt anstrengend war der Augusttag für Eltern, die neben dem Erstklässler noch einen kleinen Kindergärtler hatten. Sie waren gleich zwei Mal gefordert. Jahrelang kam ihnen die Schule entgegen: Es war Praxis, dass der fünfjährige Kindergarten erst nach 10 Uhr begann. Eltern konnten beide Kinder begleiten.

Harmos brachte Disharmonie

Letztes Jahr war es mit der Idylle vorbei: Der Grund hiess Harmos. Mit der interkantonalen Vereinbarung kam das Kindergartenobligatorium. Die Einschulung findet seither ganz offiziell mit dem Kindergarten statt. Der Eintritt in die erste Klasse hat an Bedeutung verloren. – Danach orientierte sich auch die Solothurner Schulverwaltung: Letzten Sommer begannen am ersten Schultag alle Schüler nach Stundenplan: Kindergärteler und Erstklässler ebenso wie die Sechstklässler.

Eltern, die sowohl einen Erstklässler als auch einen kleinen Kindergärtler hatten, konnten nicht mehr beide begleiten – auch weil Quartierkindergärten und Schulhäuser teilweise auseinander liegen. Das hat, wie so viele Änderungen im Schulbereich, Emotionen ausgelöst.

Zu wenig ernst genommen

Unmut gab es bei den Eltern: 243 Personen haben in der Folge einen Unterschriftenbogen unterschrieben, der eine Änderung fordert. «Es kommt ab und zu vor, dass Eltern zwei Kinder in genau diesem Abstand haben», sagt Renate Ziegler Arnsberg, die die Unterschriftensammlung gestartet hat. «Ich will mich nicht entscheiden, mit welchem Kind ich mitgehe», sagt die betroffene Mutter. Für Eltern sei es schwierig, sich aufzuteilen, insbesondere für Alleinerziehende. Weil sich Ziegler Arnsberg bei der Schulverwaltung nicht genügend ernst genommen fühlte, sammelte sie die Unterschriften.

Schuldirektion: Schon länger dran

Bei den betroffenen Eltern gehe es um eine Minderheit, sagt Schuldirektorin Irène Schori. Zwischen null und drei Elternpaare seien pro Klasse betroffen. Trotzdem hat die Schulverwaltung reagiert – unabhängig von der Unterschriftensammlung, wie Schuldirektorin Irène Schori betont. «Auch aus Sicht der Kindergärtnerinnen wurde der erste Unterrichtsmorgen für die 5-Jährigen als zu lange empfunden», sagt Schori. «Die Schulleiterinnen und Schulleiter waren damit beschäftigt, vor Ort nach kreativen Lösungen zu suchen.»

Jetzt ist eine Lösung da: Dieses Jahr werden die fünfjährigen Kindergärtler erst um zehn Uhr beginnen, die sechsjährigen Kindergärtler empfangen sie dann. Alle anderen Stufen beginnen morgens nach Stundenplan. Betroffene Eltern können somit bei beiden Kindern mitgehen. Ein gemeinsames Begrüssungsritual für alle Kinder sei verworfen worden, weil die Distanz zwischen Kindergärten und Schule in gewissen Fällen zu gross sei, sagt Schori.

Ganz befriedigend ist die neue Lösung aus Sicht der Schuldirektorin allerdings nicht. Für berufstätige Eltern von Kindergärtlern bedeute die neue Regelung, dass sie infolge der Abweichung von den Blockzeiten am ersten Schultag wohl freinehmen müssen. Zufrieden ist dagegen Renate Ziegler Arnsberg. Die Initiantin der Unterschriftensammlung freut sich, dass sie sich nicht mehr entscheiden muss, welches Kind sie begleiten kann.