Dabei hatte Roland Grädel noch zwei Wochen vor dem Start einen Schreckensmoment zu überstehen: «An meinem Hals wurde ein Tumor entdeckt». Operieren oder nicht? War so oder so die ganze «Operation Route 66» gefährdet? Grädel entschied sich für die Operation, musste aber einige Tage bangen Wartens verbringen, ehe der Bescheid kam: der Tumor sei gutartig. «Seither geht es ihm von Tag zu Tag besser», bestätigt auch Franziska Rutz-Schumacher, die in Solothurn die Homepage der beiden Abenteurer betreut.

Die ersten Etappen 

Am 7. Mai brachen die Beiden zu ihrer Reise auf. Mit dem Flugzeug ging es von Zürich nach Chicago, Illinois. Zuerst noch Sightseeing durch die Stadt, danach wurden die E-Bikes und alles weitere für die lange Reise bereitgestellt. Am 9. Mai fand dann, trotz Jetlag und schlechtem Wetter, die erste von 48 Etappen statt.

  • Chicago IL - Joliet IL (78 km)
  • Joliet IL - Pontiac IL (107 km)
  • Pontiac IL - Bloomington IL (73 km)
  • Bloomington IL - Lincoln IL (73 km)
  • Lincoln IL - Springfield IL (93 km)
  • Springfield IL - Staunton IL (106 km)
  • Staunton IL - St. Louis MO (71 km)
  • St. Louis MO - Eureka MO (66 km)
  • Eureka MO - Cuba MO (102 km)
  • Cuba MO - St. Robert MO (102 km)
  • St. Robert MO - Lebanon MO (64 km)
  • Lebanon MO - Springfield MO (116 km)

Nach 1000 Kilometern sind sie in Springfield (Missouri) angekommen und haben damit bereits einen Viertel der Strecke bewältigt. Wegen Sturmwarnung wurde dort nun ein ausserplanmässiger Ruhetag eingelegt. Durchschnittlich fahren die beiden Solothurner 87 Kilometer pro Tag. Die bis anhin weiteste Strecke, 116 Kilometer, wurde zwischen Lebanon und Springfield zurückgelegt. Die Unterkünfte für den Abend werden immer am jeweiligen Morgen gebucht. Mit den Motels und anderen Schlafmöglichkeiten seien sie sehr zufrieden und preisgünstig unterwegs.

Acht Tage benötigten sie zuvor, um den Bundesstaat Illinois zu durchqueren. Nach 500 zurückgelegten Kilometern erreichten sie den Bundesstaat Missouri. Damit war der erste von acht zu durchquerenden Bundesstaaten auf der Route 66 geschafft. Illinois, Missouri, Kansas, Oklahoma, Texas, New Mexiko, Arizona und zuletzt Kalifornien befährt das Duo auf seiner Reise. «Der Wunsch wäre es, am 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, in Santa Monica zu sein, zumindest aber in Hollywood», so Grädel. Um ihr Ziel zu erreichen, müssen dazu auch die Pannenstreifen der Interstate-Highways benützt werden. In den USA ist dies für Velos aber erlaubt.

Die geplante Strecke.

Die geplante Strecke.

Es gibt viel zu sehen

Nebst den Stunden auf den E-Bikes werden auch möglichst viele Sehenswürdigkeiten besichtigt. Auf ihrer Strecke nach Santa Monica gibt es unzählige Museen, Wandbilder, Ausstellungen, Oldtimer und zusätzlich ist die historische Strasse von vielen typisch amerikanischen Diners und Tankstellen geprägt. In Cuba MO sahen sie den zweitgrössten Schaukelstuhl der Welt und in Springfield IL wurde das Lincoln Memorium und danach das Wohnhaus vom 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten, Abraham Lincoln, besucht. 

Mit dem normalen Velo wäre die Reise für den 66-Jährigen Roland Grädel nicht möglich gewesen. Durch mehrere Operation aufgrund eines Lungentumors ist die Ausdauer von Grädel stark eingeschränkt, wie er berichtete. Mit hartem Training, grossem Willen und der elektrischen Unterstützung des E-Bikes ist die Reise aber möglich.

Auf der Internetseite route66byebike kann man die Reise von Roland Grädel und Tom Wälti per Live Tracker mitverfolgen. Sie bieten wunderschöne Fotos und tägliche Updates mit Kurzgeschichten zu ihrer Reise.