Stadttag
Solothurner diskutierten mit Herzblut über die Siedlungsentwicklung

Im Alten Spital diskutierten Solothurnerinnen und Solothurner über die Stadtentwicklung. So suchten Jung und Alt Wege zu finden, mehr Wohnraum zu schaffen.

Katharina Arni-Howald
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Vizestadtpräsidentin Barbara Streit-Kofmel im Gespräch mit einer Teilnehmerin am Stadttag
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Mit einem Foto soll das Erarbeitete festgehalten werden
Andrea Lenggenhager, Leiterin des Stadtbauamt (l.) beteiligte sich ebenfalls an der Diskussion am Stadttag.
Stadttag Solothurn
Junge Anwesende pochten auf alternative Wohnflächen, wo sie ihre Ideen verwirklichen könnten
Die erarbeiteten Leitsätze sollen als Grundlage für das Stadtentwicklungskonzept 2030 dienen
SP-Kantonsrätin Anna Rüefli im Gespräch
Die Diskussionen am Stadttag brachten so manchen ins Grübeln
Auch die Vertreter der jüngeren Generation waren am Stadttag anzutreffen
Da diskutieren hungrig macht, gab es auch einen Apéro.

Vizestadtpräsidentin Barbara Streit-Kofmel im Gespräch mit einer Teilnehmerin am Stadttag

Tina Dauwalder

Die Entwicklung einer Stadt ist nicht leicht zu beeinflussen und zu steuern. Das wissen auch die städtischen Behörden. Trotzdem wurde in den vergangenen Monaten unter Einbezug verschiedener Interessengemeinschaften intensiv an einem Stadtentwicklungskonzept gearbeitet.

Am vergangenen Samstag konnte erstmals die breite Öffentlichkeit mitreden und ihre Anliegen vorbringen. Ein vielschichtiges Publikum diskutierte mit Herzblut über die Siedlungsentwicklung, ungelöste Verkehrsprobleme, alternative Wohnformen und das Zusammenleben von Mensch und Tier in der Stadt.

Was für Modelle braucht es, um die Probleme der prosperierenden Stadt zu lösen und die Entwicklung in gute Bahnen zu lenken? Diese Frage zu beantworten und Leitplanken zu setzen ist schwierig. Denn Solothurn ist weit mehr als eine Kulturstadt mit internationaler Ausstrahlung, die es mit grösseren Schweizerstädten aufnehmen kann. Auch in Solothurn leben Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Forderungen und Ansichten. Das führte bei den themenbezogenen Stellwänden zu engagierten Diskussionen.

Verdichtung, aber wie? Das war das Schlagwort, das auch im Alten Spital beschäftigte. Muss in einem gewachsenen Quartier auf die bisherigen Bewohner Rücksicht genommen werden, wenn man ihnen Neubauten vor die Nase setzt?

Und sind dies die einzigen Alternativen, um mehr Wohnraum zu schaffen? Nein, lautete hier eindeutig das Credo. Die Benutzung grosser Wohnflächen sei zum Statussymbol geworden, kritisierte ein Teilnehmer den Trend.

Egoistische Wünsche sollten in den Hintergrund gerückt, die bestehende Bausubstanz besser genutzt werden. Mehr Menschlichkeit statt Gewinnoptimierung wurde von verschiedenen Teilnehmenden gefordert.

Statt immer an sich zu denken, müsse wieder das Kollektiv im Vordergrund stehen. Die Behörden wurden zudem aufgefordert, vermehrt in den gemeinnützigen Wohnungsbau zu investieren und in der Altstadt wieder mehr Wohnraum zu schaffen.

Junge Anwesende dagegen pochten auf alternative Wohnflächen, wo sie ihre Ideen verwirklichen könnten. «Der Stadt fehlen Visionen», meinte ein Mitglied der «Wagabunten», die sich mit ihren Wohnwagen zurzeit auf dem Badi-Parkplatz niedergelassen haben.

Unzufriedene Sportvereine

Dass gerade im Hinblick auf die Fusionsverhandlungen bei der Erarbeitung eines Stadtentwicklungskonzeptes über die Stadtgrenzen hinaus gedacht werden muss, stiess auf keinen Widerspruch.

Auch nicht, dass das gute Stellenangebot für qualifizierte Arbeitskräfte ein entsprechendes Bildungsangebot voraussetzt. Naturfreunde regten an, den Zugang zur Aare an verschiedenen Stellen zeitweise zu sperren, um Tiere zu schützen, oder Wiesen nur punktuell zu mähen. Überhaupt sollte der öffentliche Erholungsraum – zum Beispiel im Schanzengraben durch Sitzbänke – besser markiert werden.

Zum Wort meldeten sich ferner auch die Befürworter von Tempolimiten, Velowegen, externen Betreuungsangeboten und sicheren Schulwegen für Kinder. Dass jegliche Planung von Gesetzen und überregionalen Einflüssen abhängig ist, mussten schliesslich alle einsehen.

Mit dem bisherigen Planungsvorgang nicht zufrieden waren die Mitglieder von Sportvereinen. Sie bemängelten, dass keiner ihrer Verantwortlichen im Forum Einsitz nehmen und ihre Interessen einbringen konnte.