Solothurner Biertage
Solothurner Biertage - Das grosse Stelldichein der Kleinbrauereien

Ab Donnerstag erwartet Alex Künzle in der Reithalle wieder über 5000 Bierfans zu den 11. Solothurner Biertagen. Eröffnet werden die Biertage durch den Oltner Schriftsteller Alex Capus.

Wolfgang Wagmann
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Öufi-Brauereiinhaber Alex Künzle will an der Fabrikstrasse ausbauen.

Öufi-Brauereiinhaber Alex Künzle will an der Fabrikstrasse ausbauen.

Wolfgang Wagmann

Die 11. Solothurner Biertage vereinen die neue Rekordzahl von 28 Kleinbrauereien in der Reithalle. Finden die alle Platz?

Alex Künzle: Neben den 28 Brauereien sind noch der SIOS Homebrew-Shop und die Drink Energy von Alain Chopard vertreten. Dieser bietet das Fucking Hell an – gebraut im österreichischen Dörfchen Fucking (lacht). Nein, zurück zur Frage: Es wird eng in der Reithalle, aber Platz haben alle.

Neben den bekannten Namen scheinen vor allem auch Brasserien aus der Romandie und Tessiner Brauereien Gefallen an Solothurn zu finden?

Leider haben die zwei angemeldeten Genfer Brauereien letzte Woche abgesagt. Aber immer noch sind die Romands und Tessiner gut vertreten. So ist die altbekannte Officina della Birra Biggio wieder dabei, die an den ersten Biertagen mit dem 1,8-Liter-Hydranten und dem Marronibier für Begeisterung gesorgt hatte. Neu ist aber auch die Ticino Brewing Company in Solothurn.

Und die Romands?

Neben einer Fribourger Brauerei ist natürlich auch die Brasserie Franche Montagne aus Saignelégier mit Jérome Rebetez dabei, der seine Spezialbiere bis nach Japan und in die USA verkauft. Interessant auch die Brasserie Trois Dames, die so spannende Biere wie ein 7-prozentiges Bise noire menthe (ein Stout-Starkbier) oder Biere nach belgischer Art mitbringt.

Wo sind die Grenchner Biere geblieben?

Toni Lötscher mit seinem Granicum legt diesmal eine schöpferische Pause ein, sollte aber nächstes Jahr wieder dabei sein.

Was gibts sonst noch Neues an den diesjährigen Biertagen?

Wir übertragen am Donnerstag den Match Chelsea gegen Basel über den Beamer an die Reithallen-Wand. Das VIP-Zelt mit 120 überdachten Sitzplätzen hinter der Reithalle wird nur am Donnerstag von einer geschlossenen Gesellschaft belegt und am Freitag und Samstag allen Gästen offenstehen. Gleich bleibt der Eintritt und es besteht wieder die Möglichkeit, ein Sammlerglas zu erwerben.

Bier ist trendy geworden. Wohin geht die Reise beim Brauen?

Die grossen Schweizer Brauereien verlieren Marktanteile. Terrain gewinnen die «Kleinen» und die Importbiere. Diese vor allem dank den Dumpingangeboten von Discountern wie Aldi und Lidl. Die Kleinbrauereien dagegen brauen frische, geschmackvolle Biere. Gross im Trend ist bei uns der Einsatz von blumig-fruchtigen Aroma-Hopfensorten.

Wie sieht die wirtschaftliche Lage der Schweizer Gasthaus- und Kleinbrauereien aus?

Es gibt alles. Wir sehen sehr erfolgreiche Modelle wie die Turbinenbrauerei Zürich oder die Gasthausbrauerei Burgdorf. Auch wir vom Öufi können uns nicht beklagen. Wir bauen am jetzigen Standort aus und richten eine Flaschenabfüllerei ein. Für uns eine grosse finanzielle wie fachliche Herausforderung. Damit machen wir uns zu einer kompletten Brauerei. Wenn jemand scheitert, liegt es oft an der Vernachlässigung des lokalen Marktes,

Noch immer ist es schwierig, auch auf den lokalen Biermärkten Fuss zu fassen. Die Grossen «mauern» mit langfristigen Investitionsverträgen in den Restaurants.

In die Gastronomie drängen viele Leute, die kein Geld haben, sich aber damit eine Existenz aufbauen möchten. Nur geben die Banken solchen Einsteigern keine Kredite. Die einzigen, die noch Geld geben, sind die grossen Brauereien. Dafür wollen sie Exklusivität für fünf Jahre. Das macht es uns Kleinen schwer, in der Gastronomie Fuss zu fassen.

Auch in der Region entsteht Konkurrenz – so im umgebauten Bad Kyburg durch das Bucheggberger Bier. Aber offenbar sieht man das im Öufi nicht so eng?

Wir finden es gut, wenn die Bucheggberger ihren Braubetrieb professionalisieren. Das ergibt eine bessere Bierqualität. Sie arbeiten ebenso an einer Erweiterung der Bierkultur wie wir. Es ist von Vorteil, als Nischenplayer nicht allein auf weiter Flur zu sein. Neue Player sind ein Zeichen, dass die Nische funktioniert.

Die Biertage werden durch den Oltner Schriftsteller Alex Capus eröffnet. Weil er den gleichen Vornamen wie Alex Künzle trägt?

Ich bin einmal mit dem Alex im Kofmehl «verchoh». Da fragte ich ihn als Biertage-Eröffnungsredner an. Er musste mir aber vorerst eine Absage erteilen, doch jetzt klappt es. Nein, mich berühren seine Geschichten und ich lerne viel daraus. Ich bin ein Fan von Alex Capus.

Nächstes Jahr steht voraussichtlich die Reithalle als Interimsspielstätte des Stadttheaters den Biertagen nicht zur Verfügung. Wie sieht der Plan B aus?

Ich weiss noch nichts Konkretes. Die Rede war einmal von einem Zelt hinter der Reithalle als Alternative. Aber ich werde alles daransetzen, dass wir nächstes Jahr wieder Biertage haben.