Solothurner Barocktage
Wie man sich im Barock zu verhalten hat

Über 80 Führungen werden während der Barocktage angeboten. Darunter Szenische von Marie-Christine Egger. Ein Augenschein.

Fabio Vonarburg
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Madame de Coin erteilt vor dem Palais Besenval Tipps.

Madame de Coin erteilt vor dem Palais Besenval Tipps.

Fabio Vonarburg

Madame de Coin hat sich hübsch gemacht – das schönste Kleid ihrer Garderobe angezogen. Denn der Anlass ist ein spezieller, eine Premiere. Erstmals finden in Solothurn die Barocktage statt. Klar, dass hier Madame de Coin nicht fehlen darf, die den Frauen und Männern aus dem 21. Jahrhundert Tipps gibt, wie sie sich am Ball im Ambassadorenhof zu verhalten haben. Ein scheinbar hoffnungsloser Fall.

Hinter dem Kostüm von Madame de Coin steckt Marie-Christine Egger. Die Solothurnerin, die der Inbegriff ist für szenische Stadtführungen. Solche führt sie in Solothurn auch sonst durch, doch während der Barocktage ist für sie nach der Führung meist schon wieder vor der Führung. Mit «lediglich» zwei Führungen war für sie der Montag fast ein Ruhetag. Was sie ein wenig bedauerlich fand, wie sie im Anschluss erzählte.

Traumhaft sei das Wochenende gewesen, sagt Egger, für die die Barocktage sowieso ein wahrgewordener Traum sind. Schon lange hat sie sich gefragt, warum es so etwas nicht gibt. Vielerorts gebe es Mittelaltermärkte, führt sie aus, Events über die Barockzeit sind aber rar gesät. Dementsprechend glücklich ist sie über das Engagement dreier Museumsleiter der Stadt Solothurn, die nun die Barocktage lanciert haben.

Im Zuge dieser finden bis am kommenden Sonntag über 80 Führungen statt, teils mit einer kostümierten Marie-Christine Egger. Aber auch durch Museen und Gärten der Stadt mit anderen Führern. Dazu kommen Vorträge, Workshops und Performances wie etwa Einblicke in die damalige Garderobe (siehe Artikel unten).

Barocktage ziehen Gäste aus der ganzen Schweiz an

«Gibt es die Barocktage im kommenden Jahr wieder?», fragt eine Teilnehmerin am Ende der Führung «Perücken und Puder, Parfum und Parasiten». Nachdem Egger erwiderte, dass dies vom Erfolg abhänge, fing die Teilnehmerin an, von der Führung zu schwärmen.

«Es war einzigartig, es ist ein Erlebnis.»

«Es war einzigartig, es ist ein Erlebnis.» Sie ist extra für die Barocktage aus dem Kanton St.Gallen angereist und bedauert, dass sie erst kürzlich erfuhr, dass solche stattfinden. Nun war ihr nur der Besuch am Montag möglich.

«Ich habe eine Kollegin, die hat sich für die Barocktage Ferien genommen», erzählt Marie-Christine Egger, die im Vorfeld ihren ganzen Estrich ausgeräumt, jedes ihrer Barockkleider herausgesucht hat. Einige sind nun in einem Schaufenster in der Altstadt ausgestellt, verströmen Barockstimmung. «Am Lustmahl nach Casanova waren einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer kostümiert», schwärmt Egger. Im Roten Turm wurden aphrodisierende Lieblingsspeisen von Casanova aufgetischt. «Es war heiss», lacht Egger, die durch den Abend führte, «in den Barockkleider sowieso.»

Solothurnerinnen durften Verträge unterschreiben

Die Stadtführerin geht auf in ihren Rollen. Am Samstag erteilte sie vor dem Alten Spital als Medicus Quacksalberius barocke Gesundheitstipps, am Montagmorgen war sie eine Gaunerin, erzählte über die Unterschicht in der Stadt Solothurn und am Montagnachmittag war sie Madame de Coin – ihre Paraderolle. Berichtete, dass Solothurnerinnen mehr Rechte hatten als etwa Zürcherinnen. «Sie durften Verträge unterschreiben.» In Erinnerung bleiben den Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre barocken Tipps. Etwa jener für mehr Oberweite: «In Wien könnt ihr Busen aus Wachs kaufen. Es gibt sogar solche mit Härchen.» Und sicherlich ihre Ratschläge zum Tanzen. Menuett war im Barock angesagt, jedes hatte eine eigene Choreografie, die man auswendig lernen musste. Wer die richtigen Schritte nicht beherrschte, hatte an einem Ball im Ambassadorenhof nichts zu suchen.

Wenn sie eine Zeitreise unternehmen könnte, würde sie einen Ball im Ambassadorenhof besuchen, sagt Egger. Denn hier sei zu jener Zeit Geschichte geschrieben worden. Zudem sei Barock ihre Lieblingsepoche. Auch wegen der Garderobe. «Ich würde aber Antibiotika einpacken», sagt sie und lacht.

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