«Freuds Dreirad»
Solothurner Autor begibt sich in Sigmunds Sandkasten der Eitelkeiten

Mit seinem Buch wagt der Solothurner Autor Jan Schneider einen kurzweiligen Abstecher in die pädagogische Welt von Freuds Es, Ich und Über-Ich.

Andreas Kaufmann
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Jan Schneider: «Freuds Dreirad» (Satiren), ISBN 978-3-7375-6979-8 (Hardcover) und 978-3-7375-7044-2 (Softcover). Vorerst erhältlich bei Bücher Lüthy Solothurn.

Jan Schneider: «Freuds Dreirad» (Satiren), ISBN 978-3-7375-6979-8 (Hardcover) und 978-3-7375-7044-2 (Softcover). Vorerst erhältlich bei Bücher Lüthy Solothurn.

zvg

In einer Welt, in der Erziehungsratgeber Bestsellerlisten besetzen und sich in Internetforen tummelnde Eltern mehr oder weniger nette Worte über «richtig» und «falsch» zuwerfen – in dieser Welt ist auch Sebis Vater zu Hause.

Unter dem Titel «Freuds Dreirad» hat der Solothurner Autor, Musiker, Kantilehrer – und Vater – Jan Schneider einen facettenreichen, satirischen Ausflug in den gesellschaftlichen Dschungel der Erziehungsfragen gewagt.

Immer mit dabei auf den kurzweiligen 105 Seiten: der gute alte Sigmund, der die Welt psychoanalytisch in Ich, Über-Ich und Es zerstückelt und mit seinem Dreirad um die sozialen Schauplätze schwadroniert.

In diese Welt ist nun auch Sebis Vater geworfen – beispielsweise auf dem Kinderspielplatz, der sich durchaus als jener auf der Solothurner Chantierwiese herausstellen könnte.

Ein Tummelplatz nicht nur für kleine futterneidische, aufmerksamsbedürftige Racker, sondern für grosse Besserwisser, Gesundheitsmissionare, Übervorsichtige und Erziehungsfundamentalisten.

Oder wie es der Autor selbst formuliert: «Eine geschlossene Anstalt aus Supermamas und Ultravätern», und im Gleichgang Eltern, die andere Eltern dazu umerziehen wollen, ihre Kinder umzuerziehen.

Es ist an diesem Platz, an dem Kinder, vielmehr aber ihre Erzeuger, nach einem bestimmten Muster beurteilt werden: «Wer spricht schon, rülpst nicht mehr am Tisch und kackt nicht mehr in die Hose.»

Während sich die Kleinen um Baggerchen und Schäufelchen balgen, tobt im Hinterkopf der Erwachsenen der Kampf um Anerkennung. Und während dabei lauthals verkündet wird, dass die Kleine mit neun Monaten aufs Töpfchen geht, trägt sie auswärts halt immer noch Windeln, um sicherzugehen.

Und während auf dem Spielplatz der Eitelkeiten kindliche Intelligenz zur Schau gestellt wird, kompensieren die Erzieher damit nur die eigenen geistigen Defizite. Darüber hinaus muss sich Sebi-Papa mit dem Generalverdacht herumschlagen, der hinsichtlich der Erziehungsfähigkeiten der Männer besteht: «Ihre Frau arbeitet?»

«Warum dürfen die das?»

Rasch wechseln in «Freuds Dreirad» die psychologisch orchestrierten Schauplätze und ebenso rasch wird Sebi älter: Einmal ist es das Einkaufszentrum mit Restaurant, aus dem der entdeckungsfreudige Sebi mitsamt Vater verbannt wird, dann ist es eine Kirche, in der es auch Vierjährigen nicht gestattet ist, vor dem «Mann mit dem Bobo» (gemeint ist das Kruzifix) weltliche Lieder wie «Hänschen klein» zu singen oder bei einem Kirchenkonzert lautstark Lob zu bekunden.

Später ist es das Fünfsternehotel, in dem das Freudsche Es nach genügend Alkohol ebenso ungestüm aus dem Unterbewussten ausbricht, wie es beim Halbwüchsigen auch ohne Hilfsmittel geschieht.

Und wo Sachbeschädigungen Erwachsener aus Versicherungsgründen einem Kind angelastet werden. Und hier, wo Moralinstanzen flöten gehen, fällt für den kleinen Sebi die Frage aller Fragen: «Warum dürfen die, was ich niemals darf?» Ebenso streift der Autor Themen wie die Realitätsflucht in virtuelle Welten oder die technokratischen Tücken des Bildungssystems.

Jan Schneiders Reise in Freuds Gedankenwelt ist kurzweilig, situationskomisch und ironisch. Und das stetig gegenwärtige Dreirad rückt den Blick in die richtige kindliche Perspektive.