Die Herausforderungen, die mit den aktuellen Flüchtlingsströmen einhergehen, machen auch vor Solothurns Stadtgrenzen nicht halt: Das wissen Domenika Senti, Leiterin der Sozialen Dienste, und ihr Team, für die anspruchsvolle Monate bevorstehen: 2016 muss die Stadt im Rahmen der Aufnahmekontingente 105 Asylsuchende unterbringen, lediglich für vier ist bereits Platz geschaffen.

Nun wird bei der Gibelin-Unterkunft in der Weststadt eine angrenzende Garage ausgebaut, womit sich die dortige Kapazität von 16 auf 19 Plätze erweitert. Nach ausstehender Prüfung eines Nebengebäudes könnte gemäss Senti die Kapazität gar um weitere acht Plätze vergrössert werden. Bald werden in der Stadt auch zwei weitere Wohnungen von jeweils einer Grossfamilie bezogen werden.

Für ein Jahr gesichert

«Unser Anspruch ist es, die Unterkünfte auf alle Quartiere zu verteilen», erläutert Senti ihre Strategie. Und so wird ebenfalls eine neue Kollektivunterkunft voraussichtlich per Ende Monat im Fegetzquartier bezugsfertig sein, wie Domenika Senti bestätigt. Anderweitige Recherchen haben ergeben, dass konkret an der Fegetzallee ein leerstehendes Einfamilienhaus zwischengenutzt wird: Zwölf männliche Einzelpersonen aus Syrien werden hier für mindestens ein Jahr zu Hause sein.

Übrigens: «Im Zusammenhang mit der Gibelin-Unterkunft, wo lediglich eritreische Männer wohnen, wurden wir oft gefragt, wo denn die Familien seien.» Tatsächlich nämlich seien vor allem männliche Einzelpersonen unterwegs, so Sentis Erklärung. Bewusst habe man an der Fegetzallee auch keine Kinder unterbringen wollen: «Da die Nutzung nur für ein Jahr gesichert ist, wäre es wenig sinnvoll, die Kinder nach der Eingliederung in die Fegetz-Schule wieder umzuteilen.»

Zur Verfügung gestellt hat die Liegenschaft dessen Eigentümer Michael Fluri, der auf Anfrage seine Beweggründe mitteilt: «Ich stehe zu meinem Entscheid, mein Haus für eine Zwischennutzung freizugeben», sagt der Arzt, der mittel- bis längerfristige Pläne für die Liegenschaft hegt.

«Anstatt dass die Leute in unterirdischen Anlagen untergebracht werden, stelle ich stattdessen doch lieber mein leer stehendes Haus zur Verfügung», sagt Fluri. «Das ist eine Win-win-Situation: die Asylsuchenden erhalten eine Wohnung, das Haus wird genutzt, und die Stadt, die dringend nach Unterkünften sucht, kann so auf einen Schlag eine weitere beziehen.» Da er in seiner Arztpraxis oft Asylsuchende zur Behandlung zugewiesen bekomme, sei er im Umgang mit geflüchteten Menschen auch entsprechend vertraut.

«Resonanz ist erstaunlich positiv»

In eigener Initiative habe er auch die Anwohnerschaft im Quartier über seine Pläne informiert. «Die Resonanz ist erstaunlich positiv, mir wurde sogar Hilfe und ideelle Unterstützung zugesichert.» Natürlich wusste er aber auch, dass auch kritische Stimmen nicht ausbleiben würden: «Einer der Nachbarn zeigte sich besorgt, aber auch da konnten wir mit einem klärenden Gespräch bestehende Ängste zerstreuen.»

Mit relevanten Problemen rechnet er am Standort Fegetzallee nicht, nachdem die Sozialen Dienste auch an ihren anderen Standorten kaum mit Schwierigkeiten konfrontiert wurden. «Sollten dennoch Probleme auftauchen, so werden wir nach Lösungen Ausschau halten. Und falls es gar nicht mehr ginge, könnte das Vorhaben auch abgebrochen werden.» Einstweilen halten die Sozialen Dienste für die zwölf syrischen Bewohner schon für die nötige Möblierung Ausschau.