Solothurn/Biberist
Schlossherr auf Zeit feiert den 30. Geburtstags seines Interieur-Geschäfts

Olivier F. Ziegler verkauft am Kronenstutz Teppiche. Bereits seit 3 Jahrzehnten. Darauf anstossen kann man mit ihm im Schlösschen Vorder-Bleichenberg, wo er jedes Jahr zu einer Ausstellung einlädt.

Fabio Vonarburg Jetzt kommentieren
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Olivier F. Ziegler in seiner Ausstellung im Schlösschen Vordere-Bleichenberg. Sein Laden in der Altstadt in Solothurn gibt es seit 30 Jahren.

Olivier F. Ziegler in seiner Ausstellung im Schlösschen Vordere-Bleichenberg. Sein Laden in der Altstadt in Solothurn gibt es seit 30 Jahren.

Hanspeter Bärtschi

Am Fusse des Hügels, auf dem das «Schlössli» Biberist steht, ist Olivier F. Ziegler aufgewachsen. Spielte als Kind in der damaligen Ruine, träumte davon, Schlossherr zu sein. «Wir sind immer durch den Bretterverschlag bei der Kapelle eingestiegen», erinnert er sich an damals.

Heute ist Olivier F. Ziegler 56 Jahre alt. Es zieht ihn noch immer ins Schlösschen Vorder-Bleichenberg. Jahr für Jahr. Jetzt ist es gerade wieder soweit. «Ziegler zieht ins Schloss», steht auf dem Flyer, der zur 29. Ausstellung der «Ziegler Teppich und Boden AG» im Schlössli einlädt, die bis am 10. Oktober geöffnet hat. Wie jedes Jahr fühlt sich Olivier F. Ziegler dabei für einige Tage etwas als Schlossherr. Es ist aber nicht ganz wie in jedem Jahr. Bei der diesjährigen Ausstellung gibt es einen runden Geburtstag zu feiern. Das Unternehmen von Olivier F. Ziegler ist bald 30 Jahre alt.

Einblick in die aktuelle Ausstellung.

Einblick in die aktuelle Ausstellung.

Hanspeter Bärtschi

«14. November 1991, abends um 19 Uhr.» Olivier F. Ziegler weiss noch haargenau, wann sein Laden am Kronenstutz in Solothurn sozusagen das Licht der Welt erblickte. «Das Geburtsdatum meiner beiden Geschwister vergesse ich, dieses nicht», Ziegler lacht. Für ihn, der keine Kinder hat, ist das Geschäft und vor allem seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auch etwas wie Familie. So denkt er gerne an die Geburtsstunde zurück.

Ziegler war damals 27 Jahre alt und ging mit der Eröffnung des eigenen Teppichgeschäfts ein Risiko ein. «Geld habe ich keines, aber vielleicht Kunden», das war sein damaliger Gedanke, erzählt Ziegler 30 Jahre später und lacht. Denn bevor er sich 1991 selbstständig machte, hatte er bereits 10 Jahre Erfahrung als Teppichexperte, war Angestellter beim damals renommierten Teppichhaus Meyer-Müller. Zuletzt leitete Ziegler dessen Filiale in der Solothurner Altstadt. Die Hoffnung des Jungunternehmers: Dass die Kunden mit ihm mitkommen. «Dann habe ich es in den Jahren zuvor richtig gemacht.» Es kam, wie gehofft.

Meyer-Müller gibt es schon lange nicht mehr. Ziegler verkauft noch immer Teppiche am Kronenstutz. Auch wenn er sein Geschäftsmodell ausweiten musste. Was zuerst schmerzte, wie er erzählt. «Doch hätte ich weiterhin nur auf Teppiche gesetzt, wäre ich schon lange untergegangen.» Zuerst weitete er das Angebot auf Parkettboden mit europäische Hölzer aus, später setzte er auch auf Vorhänge. Zuletzt, vor fünf Jahren, kam ein zweiter Laden in der Altstadt dazu, das Polstergeschäft «Schön gepolstert wohnen Botox».

Einblick in die aktuelle Ausstellung.

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Hanspeter Bärtschi

Etwas ist geblieben: Was man auch immer bei Olivier F. Ziegler und seinem 6-köpfigen Team kauft, es ist ein Einzelstück. Das gilt für die Teppiche, aber auch etwa für die antiken Stühle, die frisch, und teils frech, neu gepolstert wurden. «Der Trend geht Richtung bunt», sagt der Unternehmer, auch bei den Teppichen. Eine Entwicklung ganz in seinem Sinne.

Teppiche, sie liegen ihm immer noch am meisten am Herzen. Viele von Zieglers Produkten werden im Iran hergestellt. «Über 50 Mal war ich bereits dort», erzählt er. 12 iranische Knüpferfamilien arbeiten exklusiv für ihn. Jede, teils sind sie Nomaden, hat Olivier Ziegler bereits persönlich besucht. «Ich will wissen, wer meine Produkte herstellt», sagt Ziegler. Etwa um sicherzustellen, dass keine Kinderhände mitknüpfen.

Einblick in die aktuelle Ausstellung.

Einblick in die aktuelle Ausstellung.

Hanspeter Bärtschi

Ziegler führt durch das Schlössli. Man spürt, hier ist er beinahe ein Galerist. Als Kunstwerke hängen die Teppiche an den Wänden. Wir kommen in den kleinen Theatersaal, den Raum, der ihn auch als Kind faszinierte, als er mit seinen Kollegen durch die Ruine streifte. «Der Kronleuchter gab es damals nicht», sagt Ziegler, weist mit dem Finger hoch zur Decke.

Dieser Saal wird auch in den kommenden Tagen eine wichtige Rolle spielen. Denn nebst der Ausstellung spielt auch Kultur ihren Part. Wie bereits bei der ersten Ausstellung 1992. Ziegler will Künstlerinnen und Künstler fördern, ihnen eine Plattform bieten. Morgen Sonntag, 3. Oktober, 11.30 Uhr, steht Jazz auf dem Programm. Eine Woche später, zur gleichen Uhrzeit, ist Klassik angesagt. Violinist Matthias Steiner tritt auf.

Hinweis
Die Ausstellung im Schlösschen Vorder-Bleichenberg ist bis am 10. Oktober. Montag bis Freitag von 15 bis 19.30 Uhr, Samstag 13 bis 19 Uhr und am Sonntag 11 bis 17 Uhr.

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