Zum fünften Mal wird Solothurn im Wonnemonat Mai zur wohl grössten Freiluftbühne, die zur Begegnung, zur Bewegung und zur Kreativität für Gross und Klein einlädt. Unter dem Titel «Platz da!» nehmen Menschen den öffentlichen Raum sozial, kulturell und sportlich in Beschlag, um damit wichtige gesellschaftliche Fragen anzustossen: Wer darf und soll besagten öffentlichen Raum bevölkern? Und für welchen Zweck? Schätzungsweise 3500 Passanten machten allein im vergangenen Jahr bei rund 50 Aktionen mit.

Lanciert vom Alten Spital und unter Mitwirkung diverser Organisatoren und Einzelpersonen wird auch heuer diesen Fragen nachgegangen – auf zum Teil spielerische, auf jeden Fall aber auffällige Weise. Zum Beispiel, wenn beim «StadtTanz» (5. Mai) Tanzfreudige mit Kopfhörern und synchroner Musik die Gassen erobern. Oder anlässlich der erstmaligen «Street Art»-Stadtführung (3. Mai), die Orte der Strassenkunst aufspürt, unter die Lupe nimmt und dabei im Diskurs kritisch hinterfragt.

Briefeschreiben wiederentdeckt

Aussergewöhnlich auch die Aktion «Post a Letter», die bereits in anderen Städten Anklang fand: Passanten sollen ermutigt werden, Briefe zu verfassen und zu verzieren. Nur dass im Falle des Solothurner Gastspiels der Empfänger für den Absender anonym bleibt. «Seinen» zufälligen, vorher von «Unbekannt» abgefassten Brief kann man dann beim «Adapter» abholen, der mobilen Bühne, die während des Aktionsmonats immer irgendwo in der Stadt zu sehen sein wird. Mit der Aktion wird gleichzeitig auch einer anderen grossen Mai-Veranstaltung die Ehre erwiesen – nämlich den Literaturtagen.

So soll zudem beim Landhaus eine Schreibmaschine für ebenselben Briefzweck aufgestellt werden. Weitere Anlässe sind beispielsweise Tauschbörsen, Flashmobs, Spielfeste, Strassenfussball-Aktivitäten, die traditionelle Blue-Cocktail-Bar des Blauen Kreuzes, Livesendungen von «Radiologisch», ein «Mausefalle»-Workshop, Diskussionen zum öffentlichen Raum oder die Prämierung des Jugendprojekts, die die Jugendkommission Jahr für Jahr organisiert. Erstmals werden auch die Nachwuchschöre des Solothurner Mädchenchors bei «Platz da!» zu hören sein (5. Mai).

Damit steht beim Aktionsmonat auch heuer wieder Altbewährtes neben Neuem; obwohl auch die Stamm-Veranstalter sich jedes Jahr neue Themenschwerpunkte ausdenken.

Es geht um Begegnung

Eine wichtige Konstante gibt es aber in dieser Vielfalt von Anbeginn an bei «Platz da!»: Es geht immer um Begegnung. Dies bestätigt Eva Gauch, Betriebsleiterin im Alten Spital und Gesamtleiterin von «Platz da!»: «Wir organisieren die Anlässe auf den Schauplätzen derart, dass ungewöhnliche, spannende Begegnungen zustandekommen; zwischen Menschen mit unterschiedlichen Interessen, die sonst nie an diesem Ort zusammengefunden hätten.»

Und der Überraschungseffekt ist bei «Platz da!» durchaus gewollt: «Wir wissen manchmal nicht, ob ein Konzept aufgeht», so Gauch. Genau dies jedoch sei das Spannende: «Es fordert uns immer auch heraus, ergebnisoffen zu bleiben und den Erfolg nicht nur an den Kennzahlen abzulesen.»

«Platz da!» wird durch personelle Ressourcen des Alten Spitals, durch Gönner-, Sponsoren- und Unterstützungsbeiträge, aber eben auch durch das Engagement der teilnehmenden Institutionen selbst möglich gemacht.

Das Programm des Aktionsmonats