Solothurn
«Wir machen das Beste daraus, aber es ist kein Vergleich»: Maximal fünf ist die neue Solothurner Zahl

Man stelle sich vor, es ist Fasnacht und maximal fünf gehen hin. Genau so sah es in der Nacht auf Sonntag in der Altstadt aus.

Hans Peter Schläfli
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Es wurde ein bisschen gefeiert, so gut es halt ging.

Es wurde ein bisschen gefeiert, so gut es halt ging.

hps

Die Solothurner Zahl elf ist tot. Es lebe die neue Solothurner Zahl, die maximale Fünf. Eine Handvoll hier, eine Handvoll dort, und die durch das BAG vorgeschriebene Handvoll wird tatsächlich diszipliniert eingehalten. Sogar der Winter, der eigentlich vertrieben werden sollte, zollt mit maximal fünf Grad minus der neuen Leitzahl Tribut.

«Wir sind fünf, den sechsten haben wir zuhause gelassen, weil es der Berset so will», sagt Päscu von den Derendinger Ämmechrachern. Statt selber mit der beliebten Gugge aus allen Rohren zu schränzen, gibts diesmal nur Musik aus Busles Handy. «Wir machen das Beste daraus, aber es ist kein Vergleich.» Überall dort, wo sonst an der Fasnacht der Bär tanzt, war es diesmal düster und erschreckend still. Das Undenkbare ist Realität geworden: Der Tscharandi-Ball wurde abgesagt. Ach nein, das ist nur ein kurzes Flashback. Aber bereits damals, als das vor rund 30 Jahren passierte, bekam der lateinische Begriff Carnelevarium, die «Fleischwegnahme», für die damalige Jugend eine konkrete Bedeutung.

Alles nur Schein, kein Wein. Nicht einmal beim Mamfi Cheller gibt es etwas zu trinken. Nur eine Puppe hinter der Bar verwirrt den durstigen Fasnächtler. Entzug ist angesagt, weil alles zubleiben muss. Aber die Prohibition hat ein Hintertürchen aufgelassen: BYO – Bring your own, also bring es selber mit, und das gilt sowohl für den Alkohol als auch für den mFasnachtsflirt.Trotz rasant steigendem Alkoholpegel ist der Grossteil der wenigen Narren melancholisch unterwegs. Die etwas abgewrackt wirkende Freiburger Kuh beim Gerechtigkeitsbrunnen wird philosophisch: «Was ist schlimmer, als am Coronavirus zu sterben? Wegen dem Coronavirus nicht mehr zu leben.»