Solothurn
Was es mit der Installation auf dem Kreuzackerplatz auf sich hat

Eine Installation im Kreuzackerpark in Solothurn will zum Nachdenken über das koloniale Erbe der Schweiz anregen.

Fabio Vonarburg
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Cilgia Rageth beim Aufstellen ihrer Installation.
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Cilgia Rageth beim Aufstellen ihrer Installation.

Hanspeter Bärtschi / SZ

«90 Prozent der Besuchenden der Installation ist die Thematik gänzlich unbekannt», erzählt Cilgia Rageth und man hört ihr an, es erstaunt sie noch immer. Obwohl sie mit ihrer Kunstinstallation mittlerweile in acht Gemeinden vor Ort war und dort mit den Passantinnen und Passanten auch das Gespräch suchte – über das koloniale Erbe der Schweiz. Ein Thema, das gemäss Rageth bislang viel zu kurz kam. Sie spricht gar von einem «blinden Fleck» in der Geschichte der Schweiz.

Dies will die 64-Jährige ändern und tourt darum mit ihrer Installation durch die Schweiz. Der Kreuzackerplatz in Solothurn ist die neunte Station, 50 sollen es werden. Und danach kann sich Rageth vorstellen, weiter durch Europa zu touren, entlang der Route der einstigen Völkerschauen. Eines der beiden Themen, auf welches die Installation den Fokus legt.

Schockiert, dass das Thema nicht besser aufgearbeitet

«Wussten Sie, dass in europäischen Zoos bis 1958 neben Affen Löwen und anderen Wildtieren auch Ureinwohner aus Afrika Asien und Amerika zu sehen gab?», ist auf einem der Blätter zu lesen, die in der mittleren Reihe hängen. Es sind Auszüge aus Texten zum kolonialen Erbe der Schweiz, die Rageth in den letzten Jahrzehnten gesammelt hat. Das Thema beschäftigt sie schon lange.

Dies weil sich ihr Vater intensiv mit dem Söldnertum zur Zeiten des Kolonialismus auseinandersetzte, das zweite Thema der Installation. 2005 erfuhr Rageth zum ersten Mal von den «Völkerschauen» im Basler Zoo, die erstmals 1879 in Basel Halt machte. Bei dieser «Nubier-Karawane» wurden nebst Tieren wie Kamelen und Elefanten auch fünfzehn Männer aus Ägypten auf dem Zoogelände ausgestellt. Die letzte solche «Völkerschau» war in Basel 1935. Rageth ist schockiert darüber, dass diese düstere Vergangenheit nicht bekannter und besser aufgearbeitet ist.

Dass dies sich ändert, dazu will sie mit ihrer Installation beitragen. Die schwarz eingefärbten Kleider aus Baumwolle erinnern an das Schicksals vieler Versklavten, die nach Amerika deportiert wurden. Anhand der wissenschaftlichen Texte sollen die Passanten ihre Wissenslücken füllen können und das, was das Gelesene auslöst, in eigene Worte fassen, an der Installation aufhängen und damit Teil von dieser werden.

Stadtpräsident Kurt Fluri hat seine Gedanken bereits zu Papier gebracht (siehe Kasten). Seine Gedanken haben Rageth gefallen, wie sie erzählt, «weil sie so ehrlich sind». Wer auch seine Gedanken teilen will, kann dies vor Ort tun, oder per Mail (meinereaktion2020@gmail.com) . Auch ist geplant, dass zu gewissen Zeiten Volunteers vor Ort sind, die beim Formulieren helfen. Noch sucht Cilgia Rageth Freiwillige.

Hinweis: Bis am 14. Juni ist die Installation im Kreuzackerpark in Solothurn zu sehen.