Stadtschulen
Solothurn wappnet sich für Schülerzunahme

Die Entwicklung der Schülerzahlen geht mit einigen Herausforderungen für die Zukunft einher. Dies zeigt die Schulenplanung 2018/2019, die am Dienstag dem Solothurner Gemeinderat vorgelegt wurde.

Andreas Kaufmann
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Noch bevor sich der Gemeinderat am Dienstagabend in die Budgetdebatte schickte, horchte er der Schuldirektorin punkto Schulenplanung. Für 2018/2019 nämlich prognostizierte Irène Schori fast an allen Fronten Wachstum: In der Sekundarstufe I rechnet sie mit einer Zunahme in der Grössenordnung von rund 100 Schülern.

Während die Zahlen auf Primarstufe aktuell zwar stagnieren, werden sie laut Schori ab dem Schuljahr 2019/2020 wieder steigen. Dennoch dürfte voraussichtlich bereits ab nächsten Herbst die Neueröffnung zweier Schulklassen im «Hermesbühl» anstehen, «weil die Schülerzahlen über die Stadt verteilt nicht gleichförmig ansteigen, sondern vor allem im ‹Hermesbühl›.»

Planung beim Kindergarten extrem schwierig

Auch bei der Einschulung in den Kindergarten steht eine Zunahme an, die aber ausgewogen durch Verteilung auf die einzelnen Standorte zu bewältigen sei. Einzig in der Vorstadt müsse voraussichtlich der Kindergarten Wassergasse 2 wieder eröffnet werden. «Ansonsten ist gerade bei den Kindergärten eine genaue Planung extrem schwierig», kommentierte Schori; dies, weil hier Zu- und Wegzüge von Familien sowie Rückstellungen oder Umteilungen in andere Schulformen besonders schwer einzuschätzen seien.

Der Bedarf an Schulraum sei voraussichtlich auch bei der Musikschule steigend: Zusammen mit dem Stadtbauamt sei man auf der Suche nach neuen Lösungen. Unter anderem wird ein Ausbau des Musikschul-Gebäudes an der Lorenzentrasse in Betracht gezogen.

Positive Trends bei Tagesschulen

Im August dieses Jahres wurde in der ehemaligen Hauswartswohnung im «Fegetz» eine weitere Tagesschule in Betrieb genommen. Dass auch hier nach bereits gestiegener Nachfrage mit einer Fortsetzung des Trends gerechnet werden darf, geht mit einem erhöhten Personalaufwand einher. «Der personelle Bedarf schwankt und richtet sich nach den Anmeldungen», so Schori. Als Faustregel gilt: Für sechs bis zehn Schüler ist eine Betreuungsperson nötig.

Aus diesem Grund stellte Schori den Antrag, die Kompetenz für die Festlegung der nötigen Stellenprozente in der Tagesschule ihr zu übertragen, «damit wir bedarfsorientiert planen könen.» Der Gemeinderat hiess den Antrag gut und bewilligte ebenso die Schaffung eines zusätzlichen Kindergartens, der voraussichtlich an der Wassergasse realisiert werden soll; weiter stimmte er auch dem Antrag zu, zwei weitere Primarklassen – voraussichtlich im «Hermesbühl» – zu eröffnen.

Lob und Kritik aus dem Rat

Darüber hinaus nahm der Rat die Schulenplanung zur Kenntnis – dankend einerseits, andererseits jedoch nicht ohne kritische Untertöne: «Der Erfolg der Stadtschulen zeigt, dass bisher umsichtig geplant wurde», lobte Franziska Roth (SP). Insbesondere würdigte sie auf dem Hintergrund der neu eröffneten Tagesschule «Fegetz» das Solothurner «Erfolgsmodell als wichtigen Standortvorteil».

Auch hiess ihre Fraktion gut, dass man den Pool für Spezielle Förderung von 27 auf 28 Lektionen pro 100 Schüler aufstocke. Sie ermahnte jedoch, dass dieser Pool nicht zweckentfremdet werde. Weiter sei aus ihrer Sicht die Schuldirektion angehalten, die Lehrerschaft zu heilpädagogischer Weiterbildung zu ermutigen. Wie Irène Schori erläutert, seien mehrere Lehrer zurzeit in einer solchen Ausbildung, und: «Ein zunehmender Bedarf an Heilpädagogen zeichnet sich ab.»

«Solothurn kassiert zuviel von anderen Gemeinden»

Kritik «in aller Deutlichkeit» platzierte Roth hingegen bei der Frage nach Abgeltungen, die für Schüler aus Grenzquartieren anderer Gemeinden durch Solothurn kassiert werden. Die Stadt rechne nach drei Modellen ab und verlange von den anderen Gemeinden zuviel, statt sich nach dem regionalen Schulgeldabkommen zu richten, wie dies auch der Kanton empfiehlt. Demnach erhalte die aufnehmende Gemeinde die Schülerpauschale für den jeweiligen auswärtigen Schüler.

Wie Finanzverwalter Reto Notter erläuterte, akzeptiere gerade die Gemeinde Biberist im Rahmen einer bestehenden Übergangslösung die Vollkosten, erhalte dafür aber die Schülerpauschale. Unzufrieden mit der Antwort kündigte Roth gegenüber dieser Zeitung an, die derzeitige Situation mit einem entsprechenden Vorstoss anzufechten.

«Klassengrössen im Blick behalten»

Für die Grünen meldete sich Laura Gantenbein zu Wort. Sie lobte die «zukunftsgerichtete Planung», mahnte aber, die Klassengrössen im Auge zu behalten: «Diese dürfen nicht grösser werden», so Gantenbein. Kemal Tasdemir (FDP) dankte ohne weiteren Kommentar für die übersichtliche und detaillierte Schulenplanung.