«13 Jahre lang haben gewisse Kreise Gift und Galle gegen den Kunst-Supermarkt gespien, und jetzt machen sie das Gleiche. Es ist befremdend und eher peinlich.» Das sagt der Gründer des Kunst-Supermarktes Solothurn, Peter Lukas Meier, zum Konkurrenzunternehmen «Kunst findet Stadt», welches ab kommenden Donnerstag, 8. November, zum ersten Mal startet. Einen Tag später, am 9. November, öffnet Meiers 13. Kunst-Supermarkt für das Publikum. Meier weiter: «Die Leute sollen selbst entscheiden, was sie für gut befinden. Ich fürchte die Konkurrenz nicht, der Kunst-Supermarkt ist zu gut eingeführt. Zudem: Konkurrenz belebt das Geschäft.» Mehr will Meier nicht mehr dazu sagen, dass genau vis-à-vis seines Hauses an der Schöngrundstrasse 2, im ersten Stock des Restaurant Volkshaus, dieser erste Konkurrenz-Kunst-Supermarkt mit dem Titel «Kunst findet Stadt» startet.

Initiant dieser neuen Kunstverkaufsveranstaltung ist der Zuchwiler Grafiker Roland Wittwer. Er ist als Herausgeber des Heftes «Mensch Solothurn», das jährlich erscheint, in der Region bekannt geworden. Über seine Motive, den ersten «Kunst findet Stadt»-Markt zu initiieren, sagt er: «Schon lange gab es Stimmen, die meinten, man solle etwas machen, statt nur gegen den Kunst-Supermarkt zu wettern.» Diese Stimmen waren vorwiegend von regionalen Kunstschaffenden zu hören gewesen, unter denen er gut vernetzt sei. Er habe nun die Gelegenheit ergriffen und eine «Kunst-Supermarkt-ähnliche» Veranstaltung ins Leben gerufen. Doch im Unterschied zum bestehenden Kunst-Supermarkt gebe es bei ihm eben Kunstwerke von Künstlern aus der näheren Region und dem Kanton Solothurn zu kaufen. Wittwer versteht seine Verkaufsausstellung eher als Bereicherung statt als Konkurrenz zum Kunst-Supermarkt, sagt er.

«Ich mache alles selbst»

Was die beiden Unternehmen noch unterscheidet, ist die Organisation. Während bei «Kunst findet Stadt» Roland Wittwer in Personalunion alles allein bestreitet, kann Peter Lukas Meier auf ein bewährtes Team von Mitarbeitern zählen. «Deshalb gibt es «Kunst findet Stadt» voraussichtlich auch nur bis zum 16. Dezember», sagt Wittwer. Länger habe er voraussichtlich nicht die Kapazität, die Ausstellung zu hüten. In den vergangenen drei Monaten habe er praktisch nur noch zwischen Bildern gewohnt. «Es ist sehr aufwendig, denn ich mache alles selbst.»

Anders als bei Meier konnten die Künstler bei Wittwer die Preise für ihre Bilder dort ansetzen, wo sie diese als richtig erachteten. «Ich biete Werke durchschnittlich von 200 bis 800 Franken an. Es gibt aber auch Arbeiten, die schon für 80 Franken zu haben sind oder die 7000 Franken kosten. Beim Kunst-Supermarkt hingegen gibt es die vier festen Preiskategorien: 99, 199, 399 und 599 Franken. Wittwer selbst hat die Künstler ausgewählt und besuchte sie in ihren Ateliers, wo er die Bilder aussuchte. «Durchschnittlich sind von einem Künstler 80 Arbeiten bei mir zu kaufen. Spitzenreiter ist Roman Candio, von dem 250 Blätter zu haben sind.» Wichtig sei ihm bei der Auswahl auch ein gewisses künstlerisches Niveau.

Positives Feedback von den Künstlern

Von den Künstlern selbst habe er in der Regel nur Positives über seine neue Verkaufsveranstaltung gehört, sagt Wittwer und relativiert: «Das Negative hört man halt selbst weniger.» Dass regionale «Grössen» der Solothurner Kunstszene wie ein Roland Flück, Roman Candio oder Lis Kocher ihm Zusagen machten, schätzt er natürlich und sagt: «Das waren natürlich Türöffner.»

«Mich freute die Anfrage von Wittwer, bei ihm mitzumachen», sagt beispielsweise die Malerin Angelica Schorre. Verlieren könne sie nicht viel, lediglich gewinnen. Hingegen sagt eine andere Künstlerin, die anonym bleiben möchte: «Nie würde ich bei einer solchen Veranstaltung mitmachen und meine Arbeiten verhöckern. So betreibe ich ja Raubbau an meiner eigenen Arbeit.»

Wittwer hat im ersten Stock des «Volkshauses» den Saal für seine Ausstellung gemietet. «Jeder Künstler bekommt eine Stellwand und eine Kiste, in der seine Arbeiten präsentiert werden. Dazu gibt es zu jedem noch ein Büchlein mit biografischen Angaben.» 45 Prozent des Verkaufserlöses gehe an Wittwer, der Rest gehöre dem Künstler, sagt er.

Ob sich die beiden Ausstellungen die kunstfreudigen Kunden abgraben, oder gar Synergien entstehen? Peter Lukas Meier hat auf jeden Fall keine Angst vor einem Umsatzrückgang und sagt: «Wir werden in vielen Städten kopiert. Manche scheuen sich nicht einmal, unsere Werbetexte zu übernehmen. Da hörts dann aber auf.» Kunstfreunde können in diesem Jahr jedenfalls aus dem Vollen schöpfen.