Stadtbummel
Solothurn und seine ganz normale Normalität

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Herbsstimmung in Solothurn. (Archiv)

Herbsstimmung in Solothurn. (Archiv)

Hanspeter Bärtschi

Die Zeichen für Normalität mehren sich. Echt. Beim Cheschtenemuni steigt Rauch auf: Habemus Marroni! Strassenmusikusse geben wieder ihre oft schrägen Töne von sich, und am Märet wirst Du von Klima-Grosis angequatscht. Vor allem: Die Unheilkündenden Vauban-Ständer auf dem Schanzenplatz sind weg. Ja so heisst der, wo noch im Juni der Märet war. Und sonst HESO. Fehlen die Ständer, weil man zuletzt doch noch mit einer Instant-HESO gerechnet hatte? Wohl kaum. Abnormal ist dagegen, dass es in den letzten vier Tagen schon dreimal geklingelt hat. Typen, die sich in gebrochenem Deutsch anheischig machten, unsere Fensterläden aufzufrischen. Die müssen mittlerweile erbarmungswürdig aussehen – aber da geht uns doch glatt der Laden runter!

Völlig abnormal war lange das Wetter. Jetzt ist es abrupt normal geworden. Trotzdem wollen wir nicht rein. Ist ja klar, warum. Also kuscheln wir uns in Decken und lassen uns vor der «Couronne» den steifen Nordwest um die Ohren pfeifen. Bald können wir ja wieder zurück vors «Gallo Nero» vorne am Märetplatz. Wir sind gespannt, was sich die Genossenschaft Baseltor an ihrem fünften Standort einfallen lässt. Decken und Felle müssen sein. Dazu vielleicht ein Bierdeckel, Gesichtsmaske und Aluhut. Zumindest vor der «Couronne» wäre solches an Märetsamstagen schon nützlich gewesen. Seit eine riesige Seifenblase der pseudolustigen, bunten «Marktfahrer» dort über meinem Latte macchiato zerplatzt ist und die Seidenbluse meiner Frau getüpfelt hat, wissen wir warum. Deckel übers Glas, Maske auf und Alu auf den Schädel. So rostet nichts.

Normal ist es, unsern Stadtpräsidenten am Märet anzutreffen. Neu ist es, dort auch seinem Nachfolger in spe zu begegnen. Märet-Chrom hat er zwar nicht bei sich, aber ein freundliches Grusswort parat. Aha! Wie heisst es in Solothurn: Jetzt grüsst er jeden Laternenpfahl. Der will gewählt werden! «Schüppi» als «Stapi» – so die Losung. «Lupi» reimt sich nicht auf «Stapi». Ungereimtes eben. Wie «Stapi» selbst. Haben wir nie gehabt. Sondern einen Stadtammann oder eben Stadtpräsidenten. «Stapi» ist was für Bern, Olten oder halt Grenchen. Überhaupt, diese Verniedlichungen. Aus «Fluri» liess sich nichts mehr machen, der hatte den «i» schon weg. Also «KuFlu». Lupi hätte den «i» auch schon gehabt, deshalb wollte er eben «Stapi» werden. Dagegen wäre «Gantenbeinli» schon sehr despektierlich, genauso wie «Schauweggli». Und Reime machen wir lieber gar keine. Wie «Inggi, die Linggi». Oder andere. Auf «Schüppi» oder «Stapi». Lupi ist da fein raus. Er kann wieder ein normales Leben führen.