Städtepartnerschaft
Solothurn und Le Landeron: Zwei Stedtli ohne Röschtigraben dazwischen

Mehr als 560 Jahre ist es her, dass die Städte Solothurn und Le Landeron einen Burgrechtsvertrag abschlossen. Elf Jahre, seit der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde. Noch immer trägt der Austausch zwischen den beiden Städten Blüten.

Katharina Arni-Howald
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Le Landerons Gemeindepräsident Roland Spring (r.) und Gemeindeschreiber Michel Hinkel.

Le Landerons Gemeindepräsident Roland Spring (r.) und Gemeindeschreiber Michel Hinkel.

Hanspeter Bärtschi

Es geschah vor elf Jahren. Solothurn und das schmucke Städtchen Le Landeron am oberen Ende des Bielersees unterzeichneten am 1. Juni 2002 eine Partnerschaftsurkunde, um den 1449 abgeschlossenen Burgrechtsvertrag zu bestärken und ein Zeichen für die langjährige Freundschaft zu setzen. Mit elf Böllerschüssen wurde die Delegation aus Le Landeron beim Landesteg in der Glacismatte empfangen.

Wie in alten Zeiten hatten die Romands Weinfässer im Gepäck, die sie auf dem Wasserweg nach Solothurn brachten. Der edle Tropfen wurde sogleich mit wehenden Fahnen zum Alten Spital transportiert und unter das zahlreich erschienene Publikum verteilt. Bei einem Solothurner Wysüppli und Suure Mocke wurde später im Landhaus mit einem feierlichen Akt die Städtepartnerschaft besiegelt.

Blick durchs Tor
13 Bilder
Die Hauptgasse ist das Zentrum des Städtchens.
Zwischen 1875 und 1966 hiess die Gemeinde offiziell Landeron-Combes.
Auch in Le Landeron gibt es schöne Brunnen: Hier der Brunnen des Stadtpatrons Mauritius
Brunnen des Stadtpatrons Mauritius
Fontaine du Vaillant
Fontaine du Vaillant
Das alte Rathaus stammt aus dem 15. Jahrhundert. Es besteht aus der Kapelle der Zehntausend Ritter und einem weltlichen Haus.
Le Landeron
Der Uhrenturm
Auch das Solothurner Wappen ist aufgemalt
Le Landeron
Le Landeron

Blick durchs Tor

Hanspeter Bärtschi

Am 22. September 2003 revanchierte sich Le Landeron mit einem Partnerschaftsfest in den Mauern des alten Städtchens. «Vive Soleure, vive Le Landeron», rief damals der Präsident des Organisationskomitees, Germain Rebetez, den versammelten «Landeronais» und der stattlichen Solothurner Delegation zu. Die Partnerschaftsurkunde wurde noch einmal in ihrer ganzen Länge vorgelesen, und man versprach sich gegenseitig erneut, die freundschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Verbindungen zu fördern, die Gastfreundschaft zu pflegen und vor allem auch der Jugend eine Plattform zu geben, um den Röstigraben zu überwinden.

Freundschaft wuchs zum Baum

Bereits 1999 wurde das damals vor 550 Jahren besiegelte Burgrecht in Le Landeron in Anwesenheit einer Solothurner Delegation aufgefrischt und gefeiert. Nebst der Einsetzung einer Arbeitsgruppe, die verschiedene gemeinsame Aktivitäten an der Expo.02 planen sollte, dachte der damalige Gemeindepräsident von Le Landeron, Yves Frochaux, erstmals laut über eine mögliche Städtepartnerschaft zwischen den Verbündeten nach. Die Idee wurde in Zusammenarbeit mit den beiden Bürgergemeinden weiterverfolgt und schliesslich vom Gemeinderat in Solothurn gutgeheissen. Auch die Solothurner kamen damals nicht mit leeren Händen: Sie überbrachten den «Landeronnais» ein Trompetenbäumchen samt solothurnischer Erde, das inzwischen zu einem artigen Baum herangewachsen ist.

Ein Städtchen mit Puls

Das Städtchen wurde 1325 von Graf Rollin de Neuchâtel von der Abtei Sankt Johannsen erworben. Schloss und Häuser wurden im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Änderungen unterzogen. Heute spielt sich das eigentliche Leben ausserhalb der Stadtmauern im etwas entfernten Dorf ab. Dieses ist zwischen Rebberge und den See eingebettet. Die Wege entlang dem Zihlkanal laden zum Spazieren ein. Und der Schiffverkehr verbindet den Murtensee mit dem Neuenburger- und Bielersee und führt die Aare hinunter bis nach Solothurn. Die Gemeinde zählt heute über 4000 Einwohner und wird von Zuzüglern wegen der Lebensqualität und der Schulen geschätzt. Viele von ihnen arbeiten in Neuenburg, Biel oder Bern. Einmal im Jahr wird es im Städtchen lebendig. Jeweils am letzten Septemberwochenende treffen sich an der grössten Brocante der Schweiz Hunderte von Antiquitätenliebhabern und Schaulustige zu einem riesigen Fest unter Lindenbäumen.(ka)

Wie aber kam es überhaupt zu diesem Bündnis, das Jahrhunderte überdauert hat und in weinseligen Stunden einmal hier und einmal dort von neuem bekräftig wird? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, müssen wir ins späte Mittelalter zurückgreifen. Wie erwähnt, schloss Solothurn mit dem neuenburgischen Städtchen 1449 einen Burgrechtsvertrag ab. Darin verpflichtete sich Le Landeron, an allen militärischen Expeditionen von Solothurn teilzunehmen. Als Gegenleistung versprachen die Solothurner der Bevölkerung von Le Landeron, sich für die Erhaltung des katholischen Glaubens einzusetzen, um dem Druck von Bern und Neuenburg zu widerstehen.

Der «Alte Fritz» als Networker

Ganz so uneigennützig hielt die Solothurner Obrigkeit allerdings nicht an dieser Freundschaft fest. Bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts kamen Gelüste auf, das zwischen dem Bieler- und dem Neuenburgersee liegende Gebiet zu erwerben. Nur der Widerstand der «Landeronnais» vermochte dieses Ansinnen abzuwehren. Notabene ohne, dass das freundschaftliche Verhältnis Schaden nahm. 1756 erneuerte jedenfalls der legendäre Preussenkönig Friedrich der Grosse den Freundschaftsbund zwischen den beiden Städten.

«Alte Liebe rostet nicht», stellte auch Stadtpräsident Kurt Fluri an der Jubiläumsfeier vor drei Wochen im Landhaus fest und präzisierte: «Eine Städtepartnerschaft muss über materielle Interessen und reine Behördefunktionen hinausgehen.» Deshalb sei auch wie früher ein Schüleraustausch geplant «damit das Freundschaftsverhältnis auch in den Köpfen unseres Nachwuchses verankert ist». Das bestätigte auch der derzeitige Gemeindepräsident von Le Landeron, Roland Spring, der sich insbesondere über die Teilnahme der «Landeronnais» an der diesjährigen HESO freute.

Die Städtepartnerschaft mit Le Landeron entspricht der Absicht der städtischen Behörden, nur Partnerschaften mit Gemeinden abzuschliessen, mit denen eine spezielle historische, kulturelle und menschliche Verbundenheit besteht. Städtepartnerschaften mit zwar touristisch und wirtschaftlich interessanten Grossstädten werden laut Fluri abgelehnt.