Städtepartnerschaft

Solothurn und Le Landeron: Zwei Stedtli ohne Röschtigraben dazwischen

Le Landerons Gemeindepräsident Roland Spring (r.) und Gemeindeschreiber Michel Hinkel.

Le Landerons Gemeindepräsident Roland Spring (r.) und Gemeindeschreiber Michel Hinkel.

Mehr als 560 Jahre ist es her, dass die Städte Solothurn und Le Landeron einen Burgrechtsvertrag abschlossen. Elf Jahre, seit der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde. Noch immer trägt der Austausch zwischen den beiden Städten Blüten.

Es geschah vor elf Jahren. Solothurn und das schmucke Städtchen Le Landeron am oberen Ende des Bielersees unterzeichneten am 1. Juni 2002 eine Partnerschaftsurkunde, um den 1449 abgeschlossenen Burgrechtsvertrag zu bestärken und ein Zeichen für die langjährige Freundschaft zu setzen. Mit elf Böllerschüssen wurde die Delegation aus Le Landeron beim Landesteg in der Glacismatte empfangen.

Wie in alten Zeiten hatten die Romands Weinfässer im Gepäck, die sie auf dem Wasserweg nach Solothurn brachten. Der edle Tropfen wurde sogleich mit wehenden Fahnen zum Alten Spital transportiert und unter das zahlreich erschienene Publikum verteilt. Bei einem Solothurner Wysüppli und Suure Mocke wurde später im Landhaus mit einem feierlichen Akt die Städtepartnerschaft besiegelt.

Am 22. September 2003 revanchierte sich Le Landeron mit einem Partnerschaftsfest in den Mauern des alten Städtchens. «Vive Soleure, vive Le Landeron», rief damals der Präsident des Organisationskomitees, Germain Rebetez, den versammelten «Landeronais» und der stattlichen Solothurner Delegation zu. Die Partnerschaftsurkunde wurde noch einmal in ihrer ganzen Länge vorgelesen, und man versprach sich gegenseitig erneut, die freundschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Verbindungen zu fördern, die Gastfreundschaft zu pflegen und vor allem auch der Jugend eine Plattform zu geben, um den Röstigraben zu überwinden.

Freundschaft wuchs zum Baum

Bereits 1999 wurde das damals vor 550 Jahren besiegelte Burgrecht in Le Landeron in Anwesenheit einer Solothurner Delegation aufgefrischt und gefeiert. Nebst der Einsetzung einer Arbeitsgruppe, die verschiedene gemeinsame Aktivitäten an der Expo.02 planen sollte, dachte der damalige Gemeindepräsident von Le Landeron, Yves Frochaux, erstmals laut über eine mögliche Städtepartnerschaft zwischen den Verbündeten nach. Die Idee wurde in Zusammenarbeit mit den beiden Bürgergemeinden weiterverfolgt und schliesslich vom Gemeinderat in Solothurn gutgeheissen. Auch die Solothurner kamen damals nicht mit leeren Händen: Sie überbrachten den «Landeronnais» ein Trompetenbäumchen samt solothurnischer Erde, das inzwischen zu einem artigen Baum herangewachsen ist.

Wie aber kam es überhaupt zu diesem Bündnis, das Jahrhunderte überdauert hat und in weinseligen Stunden einmal hier und einmal dort von neuem bekräftig wird? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, müssen wir ins späte Mittelalter zurückgreifen. Wie erwähnt, schloss Solothurn mit dem neuenburgischen Städtchen 1449 einen Burgrechtsvertrag ab. Darin verpflichtete sich Le Landeron, an allen militärischen Expeditionen von Solothurn teilzunehmen. Als Gegenleistung versprachen die Solothurner der Bevölkerung von Le Landeron, sich für die Erhaltung des katholischen Glaubens einzusetzen, um dem Druck von Bern und Neuenburg zu widerstehen.

Der «Alte Fritz» als Networker

Ganz so uneigennützig hielt die Solothurner Obrigkeit allerdings nicht an dieser Freundschaft fest. Bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts kamen Gelüste auf, das zwischen dem Bieler- und dem Neuenburgersee liegende Gebiet zu erwerben. Nur der Widerstand der «Landeronnais» vermochte dieses Ansinnen abzuwehren. Notabene ohne, dass das freundschaftliche Verhältnis Schaden nahm. 1756 erneuerte jedenfalls der legendäre Preussenkönig Friedrich der Grosse den Freundschaftsbund zwischen den beiden Städten.

«Alte Liebe rostet nicht», stellte auch Stadtpräsident Kurt Fluri an der Jubiläumsfeier vor drei Wochen im Landhaus fest und präzisierte: «Eine Städtepartnerschaft muss über materielle Interessen und reine Behördefunktionen hinausgehen.» Deshalb sei auch wie früher ein Schüleraustausch geplant «damit das Freundschaftsverhältnis auch in den Köpfen unseres Nachwuchses verankert ist». Das bestätigte auch der derzeitige Gemeindepräsident von Le Landeron, Roland Spring, der sich insbesondere über die Teilnahme der «Landeronnais» an der diesjährigen HESO freute.

Die Städtepartnerschaft mit Le Landeron entspricht der Absicht der städtischen Behörden, nur Partnerschaften mit Gemeinden abzuschliessen, mit denen eine spezielle historische, kulturelle und menschliche Verbundenheit besteht. Städtepartnerschaften mit zwar touristisch und wirtschaftlich interessanten Grossstädten werden laut Fluri abgelehnt.

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