Solothurn
Wie viel Licht in der Nacht? Das fordern die Grünen mit Vorstoss – und das sagen Tourismusdirektor und Lichtexperten dazu

Licht gibt der Nacht so vieles: Sicherheit und schön erleuchtete Gebäude. Die Schattenseite: Licht braucht Energie und hat einen negativen Einfluss auf die Fauna und den Menschen. Die Grünen haben im Gemeinderat eine Motion eingereicht, die ein Anleuchtungskonzept verlangt.

Judith Frei
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Solothurn strahlt auch während der Nacht. Im Bildrand rechts oben sieht man die «drei hellsten Solothurner» leuchten.

Solothurn strahlt auch während der Nacht. Im Bildrand rechts oben sieht man die «drei hellsten Solothurner» leuchten.

Michel Lüthi

Bei Nacht erscheint die St.-Ursen-Kathedrale in einem warmen, beinahe orangen Licht. Nicht nur das Gotteshaus ist erleuchtet, auch das Baseltor, die Schanze und weitere neun historische Gebäude. Dank dieser Beleuchtungen zeigt sich die Barockstadt auch in der Nacht von der schönen Seite.

«Gut beleuchtete architektonische Sehenswürdigkeiten erfreuen Auge und Herz. Sie sind für Einheimische und Touristen eine Bereicherung»,

ist Jürgen Hofer, Direktor von Solothurn Tourismus, überzeugt. Die Beleuchtung der historischen Altstadt sei für Einheimische und Gäste wichtig. «Wer läuft schon gerne in der Dunkelheit herum?», fragt er. Doch sei es auch so, dass die Lichter nicht die ganze Nacht brennen müssen: «Da vermutlich eine Mehrzahl der Leute um Mitternacht schlafen, hätte ein Abschalten der Gebäudebeleuchtung um Mitternacht wohl keine negativen Auswirkungen», sagt er.

Die St.-Ursen-Kathedrale wird bis um 1 Uhr morgen angestrahlt.

Die St.-Ursen-Kathedrale wird bis um 1 Uhr morgen angestrahlt.

Michel Lüthi

Dieser positive Effekt der Anleuchtung hat auch seine Schattenseiten. Dass die Stadt darum besorgt sein muss, die negative Einflüsse auf die Umwelt gering zu halten, sind die Grünen der Stadt Solothurn überzeugt. Dabei geht es darum, dass nicht unnötig Energie gebraucht wird und dass keine unnötigen Lichtemissionen entstehen. Schon 2012 haben sie eine Motion im Gemeinderat eingereicht, die verlangte, dass ein Beleuchtungskonzept erarbeitet werden soll. Angestossen wurde die Motion durch das damals bevorstehende Verbot der Quecksilberdampflampe.

Daniel Odermatt, Leiter Netze Strom der Regio Energie Solothurn, hat damals das Konzept erarbeitet, das 2014 fertiggestellt wurde, und ist der Lichtexperte der Stadt. In der Stadt Solothurn ist er für rund 2970 Strassenleuchten, 45 Anleuchtungen und 1037 weitere öffentliche Beleuchtungen zuständig. Mit öffentlichen Beleuchtungen sind unter anderem Unterführungen, Arkaden, Bushaltehäuser, Toilettenanlagen, Verkehrsbilderwechsel gemeint. «Alleine in der Unterführung des Bahnhofs gibt es 600 Leuchten», erklärt er, ohne dass er die Zahl in seinen Unterlagen nachschlagen muss.

Die Kathedrale sieht man auch in der Nacht von weitem.

Die Kathedrale sieht man auch in der Nacht von weitem.

Michel Lüthi

Seit er 2007 bei der Regio Energie angefangen hat, ist der Stromverbrauch der öffentlichen Beleuchtung um rund 40 Prozent gesunken. Dafür wurden einige Massnahmen getroffen, wie beispielsweise energieeffiziente Leuchtmittel und Leuchten eingesetzt oder die Strassenbeleuchtung gedimmt. «Seit 2016 ist es nach Norm möglich, dass man die Strassenbeleuchtung dimmen darf», erklärt er. Heutzutage laufen die Leuchten ab 22 Uhr mit 30 Prozent weniger Leuchtkraft und zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens wiederum mit 30 Prozent weniger. Die Anleuchtung der Gebäude wird nicht gedimmt, wird aber um 1 Uhr nachts ausgeschaltet. Damit wird nicht nur Strom gespart, sondern das wirkt auch der Lichtverschmutzung entgegen.

Die Lichtverschmutzung wurde erst kürzlich ein Thema

Das Thema der Lichtverschmutzung sei erst in den letzten 10 Jahren aufgekommen. Um dagegen vorzugehen, sind die Leuchten so gewählt worden, dass sie nicht unnötige Lichtemissionen generieren. In der Stadt sei es aber wichtig, dass die Strassen und Gehwege gut ausgeleuchtet sind. «In der Altstadt werden aus Sicherheitsgründen die Lampen nicht gedimmt», erklärt Odermatt.

Er ist auch zurückhaltend, wenn es darum geht, alle Leuchten flächendeckend mit den neusten LED-Leuchten auszustatten. Dies sei immer mit Kosten verbunden und ökologisch nicht sinnvoll, bestehende effiziente Leuchten zu ersetzen. Die Erfahrung hat ihm auch gezeigt, dass der technologische Fortschritt sehr schnell geht. So waren die LED-Leuchten vor einigen Jahren noch sehr teuer und leuchteten in einer unangenehmen Lichtfarbe. Heutzutage seien sie viel besser.

Pro Jahr werden 100 bis 200 Leuchten ausgewechselt, so können immer die besten Leuchten eingesetzt werden und die öffentliche Beleuchtung der Stadt wird laufend erneuert.

Auch der Amthausplatz leuchtet in der Nacht hell.

Auch der Amthausplatz leuchtet in der Nacht hell.

Michel Lüthi

Die Grünen haben im Gemeinderat wieder eine Motion eingereicht, die ein Konzept verlangt: Die Stadt soll ein Anleuchtungskonzept erstellen und gleichzeitig die bisherige Anleuchtung der Gebäude in der Stadt beurteilen. Die Erstunterzeichnerin Laura Ganteinbein erklärt, dass die Anleuchtung in der Stadt als zu wenig durchdacht erscheint. «Durch beleuchtete Gebäude entstehen enorm viele Lichtemissionen. Hier kann man noch viel machen», erklärt sie: «Unsere beleuchteten Monumente sind schön, doch sind sie am schönsten bei Tageslicht.» Bei dieser Gelegenheit könne man auch wieder die Scheinwerfer überprüfen, ob es da nicht effizientere Lösungen gibt. Bei ihrer Forderung hat sie die Beleuchtung explizit ausgenommen, denn die Beleuchtung sei wichtig für eine sichere Stadt.

Auf Anfrage erklärt Dark-Sky Switzerland – eine Organisation, die die Lichtverschmutzung bekämpft –, dass Solothurn in den letzten Jahren dunkler geworden ist. Messungen mit Satelliten hätten gezeigt, dass in unserer Region die Lichtstärke abgenommen habe.

«Die Stadt Solothurn ist im Vergleich zu anderen Orten mit gleich vielen Einwohnern bei den Lichtemissionen im Mittelfeld»,

ordnet Lukas Schuler von Dark-Sky ein. Wesentlich heller sei Sierre oder Pratteln, Cham oder Illnau-Effretikon seien wesentlich dunkler. Das meiste Licht wird durch die grösseren Städte verursacht.

Die grösseren Städte tragen mehr zur Lichtverschmutzung bei als die kleineren.

Die grösseren Städte tragen mehr zur Lichtverschmutzung bei als die kleineren.

Dark-Sky

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