Solothurn
Nachgeholtes Neujahrskonzert: Der Stadtpräsident besuchte den Auftritt des Stadtorchesters nun eben im Herbst

Michael Hauenstein trat mit dem Stadtorchester Solothurn auf.

Silvia Rietz
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Das Stadtorchester Solothurn (Archivbild).

Das Stadtorchester Solothurn (Archivbild).

Zvg

Bevor Covid-19 den Kulturkalender durcheinanderwirbelte, waren Opern und die Grussbotschaft des Stadtpräsidenten dem Neujahrskonzert des Stadtorchesters vorbehalten. So besuchte das Noch-Stadtoberhaupt den Auftritt des Stadtorchesters eben im Herbst und im Landhaus. Vereinspräsidentin Bettina Brand dankte Kurt Fluri für das stete Unterstützen des Orchesters. Der Politiker gestand, sein Herz habe immer für die Kultur geschlagen und er freue sich, dass Solothurn nicht nur als Kulturstadt gerühmt werde, sondern dies auch lebe. Applaus dankte Fluri, der die Bühne mit Bass-Bariton Michael Hauenstein der Oper überliess.

Dem Tummelplatz grosser Gefühle, der den tiefen Männerstimmen zumeist den Part des Herrschers, Priesters oder Vaters zugesteht, selten den des Liebhabers. Von Don Giovannis Diener Leporello und Haremswächter Osmin aus der «Entführung aus dem Serail» von Mozart, interpretierte der Sänger mit de Silva aus «Ernani» und König Philipp aus «Don Carlos» Paraderollen aus Verdi-Opern. Er deckt von den tiefen Lagen des Basso profondo bis zu den Höhen des Basso cantante das ganze Spektrum ab.

In Bestform zeigte sich Michael Hauenstein mit Basilios «Verleumdungsarie» aus «Il Barbiere di Siviglia» und der Zsupán-Zugabe aus dem «Zigeunerbaron», schöpft als Komiker aus dem Vollen. Der Hüne erweist sich als Vollblut-Buffo, der virtuos und elegant phrasiert. Ursprünglich für die Besetzung des Selzacher «Con ­Carlos» vorgesehen, kam das Publikum mit Philipps «Ella ­giammai m’amo» doch noch zu einer Kostprobe daraus. Der Bass-­Bariton bannte die Zu­hörenden mit dramatischer Ausdrucks­fähigkeit vom zarten Piano bis zum packenden Forte. Eindrücklich auch die von ­Bogdan Postolache gestalteten Cello­soli.

Das mit Profimusikern und ambitionierten Laienmusikern zusammengesetzte Stadtorchester zeigte sich von seiner besten und spielfreudigsten Seite. Wobei der «Holzschuhtanz» aus Lortzings «Zar und Zimmermann» nach einigen Koordinationstrübungen sprudelte und mit Kompositionen von Sibelius und Elgar zusätzliche Orchesterfarben einbrachte. Die Polka «Im Karpfewald» von Joseph Strauss mit dem flanierenden «Kuckuck» setzte mit einem Walzer den Schlusspunkt. Der Dreivierteltakt darf in keinem «Neujahrskonzert» fehlen.

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