Urs Allemann, Marcel Hügi, Daniele Grambone von Dual Architekten Solothurn sowie Diego de Angelis wollen ihre Stadt umkrempeln - und haben deshalb den Verein «Solothurn Masterplan» gegründet. Ihre Visionen stiessen im «Uferbau» auf eine rund 50-köpfige Resonanz und hochkarätiges, aber nicht gerade begeistertes Echo. «Die Stadt ist gebaut, die Stadtplanung besteht nur noch aus Verkehrsplanung», eröffnete Allemann ketzerisch. Dies angesichts der bestehenden Planung Weitblick sowie den Absichten zur Wasserstadt, die vor allem die bevorstehende Ortsplanungsrevision zu «Alibi-Übungen» machten. Deshalb die Idee, anstelle dessen die Stadt mit einer Testplanung analog zum aufgezeigten Modell «Lausanne Ouest» weiter zu entwickeln.

Radikale Verdichtung nach innen

Dort habe man im «Agglo-Brei» westlich der Waadtländer Metropole einen Baustopp verhängt, um sämtliche Player an einen Tisch zu bringen - was jetzt auch erste Verbesserungen in der Infrastruktur gebracht habe, nannte man den neuen Marktplatz in Renens. In Solothurn plädiert das Quartett für eine radikale Verdichtung nach innen, und zwar nach dem Vorbild der Blockrandbauweise, wie sie ab 1870 im Westring und in der Vorstadt noch bis in die 1920er Jahre von Architekten wie Leopold Fein zelebriert worden war: Vier, fünfgeschossige Reihenbauten mit Ladenflächen im Erdgeschoss hätten schon damals für einen intakten Mix der Wohnbevölkerung gesorgt.

Wachsen ohne zu wachsen

«Damit bleibt auch Gestaltungsraum für weitere Generationen. Die Weststadt könnte damit 200 oder 300 Jahre grün bleiben», votierten die Initianten für eine Abkehr von den derzeitigen Planungen Weitblick und auch der Wasserstadt. Mit der Verdichtung rund um die Altstadt könnten 3500 Wohnungen erstellt werden und Solothurn auf 23 000 Einwohner anwachsen, ohne die letzten Reserven zu überbauen. «Und dafür reissen wir nichts ab, und es gibt auch keine Enteignungen», betonten die Initianten - Aufstockungen von bestehenden Gebäuden wären beispielsweise bei Handänderungen möglich.

Nicht in den Block zwingen

«Hoch erfreut» über den Diskurs, der zum Thema stattfinde, zeigte sich zwar Stadtplaner Daniel Laubscher. «Aber was mir fehlt, ist die gesellschaftliche Dimension. Obwohl sich der Blockrand bewährt hat, gibt es inzwischen sehr viele andere Modelle», zweifelte er die Bereitschaft an, künftig auch so verdichtet wohnen zu wollen wie noch vor einigen Jahrzehnten. «Weitblick ist auch die Chance zur Langsamkeit», wies er auf die vorgesehene Realisierungszeit der Überbauung von 45 Jahren hin. Zudem negiere der Verein die bestehende Westumfahrung aber auch die künftige öV-Infrastruktur wie die neue SBB-Haltestelle Allmend am Nordrand von «Weitblick». Dessen Planer, der Solothurner Architekt Benedikt Graf, hieb in die gleiche Kerbe: «Entwicklungen finden halt dort statt, wo die Verkehrsinfrastruktur hinkommt.» Auch Vorwürfe des Masterplan-Quartetts, die Wasserstadt- und Weitblick-Verantwortlichen hätten ihre Projekte nicht miteinander abgestimmt, konterte Daniel Laubscher vehement.

Minenfeld Wasserstadt

Entschieden reagierte auch «Wasserstadt»-Promoter Ivo Bracher auf den Vorwurf, beim Projekt gehe es nur um «den Bau von Einfamilienhäusern am Wasser» und man wolle ein Umweltproblem einfach mit dem Bau eines neuen Stadtteils lösen. «Wir können für die Entsorgung des Stadtmists, die im worst case 200 Mio. kostet, 500 Mio. Franken Gegenwert generieren. Wie soll sonst die Entsorgung finanziert werden?», betonte Bracher und verwies auch auf die Überarbeitung des ersten Projekts durch Herzog & de Meuron, welche zu einer Verdichtung und massiven städtebaulichen Aufwertung der Wasserstadt geführt hätte.