Solothurn
Life Coach Patricia Stutz: «Esoterischen Krimskrams suchen Sie bei mir vergebens»

In ihrem EntspannungsAtelier in Solothurn berät und begleitet Patricia Stutz Menschen in ihren persönlichen Lebenskrisen. Sie arbeitet dafür unter anderem mit Entspannungstechniken. Darüber schreibt die 55-Jährige in ihrem Buch «Das Federwolken-Prinzip – Mein entspannter Umgang mit MS und anderen Kapriolen des Lebens».

Nadine Linder
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Patricia Stutz mit ihrem Buch.

Patricia Stutz mit ihrem Buch.

Bild: zvg

Selbstständig im Bereich Coaching ist Patrica Stutz seit rund einem Jahr. Ursprünglich habe sie eine Ausbildung im Pflegebereich absolviert. «Ich war schon immer in helfenden, beratenden und unterstützenden Funktionen tätig», erzählt sie. Durch ihre Krankheit Multiple Sklerose arbeitet sie in einem kleineren Teilzeitpensum. Einen 08/15-Arbeitstag gebe es durch ihre gesundheitliche Situation und auch durch Corona nicht: «In der letzten Zeit ist manches neu und ungewohnt. Auch ich musste letztes Jahr lernen, meine Workshops per Zoom durchzuführen.»

Life Coach sei keine geschützte Bezeichnung, erklärt die 55-Jährige weiter. Es gebe verschiedene Arten von Coaches und dementsprechend auch unterschiedliche Aus- und Weiterbildungen. «Die Idee ist immer, jemanden von A nach B zu begleiten. Mit aktivem Zuhören, Inputs, Fragen, Empfehlungen und Fachwissen unterstütze ich Menschen, selber eine Lösung zu finden. Coaching ist also Hilfe zur Selbsthilfe.»

Die Chemie muss stimmen

In ihrem EntspannungsAtelier in Solothurn begegnet Patricia Stutz, die in Luterbach wohnt, den unterschiedlichsten Menschen. Sie findet die Chemie zwischen einem Coach und seiner Klientin oder seinem Klienten sehr wichtig.

«Zu mir kommen Menschen, die beruflich oder familiär Stress, Überforderung und Nervosität erleben und etwas verändern wollen. Menschen, die schon einmal ‹ein Burn-out› erlebt haben und jetzt achtsam mit sich umgehen wollen. Menschen, die mit abgeklärten chronischen Schmerzen einen leichteren Umgang finden wollen. Menschen, die unter Prüfungsangst leiden. Auch Menschen, die abnehmen möchten. Oder Menschen, die eine Entspannungstechnik präventiv zur Förderung des Wohlbefindens erlernen möchten.»

Die Diagnose Multiple Sklerose

Vor vier Jahren erhielt Patricia Stutz die Diagnose Multiple Sklerose. Sie könne damit im Grossen und Ganzen gut umgehen. Natürlich sei aber jeder Tag anders. «Ich musste lernen, damit einen guten Umgang zu finden. Das ist nicht abgeschlossen, es ist ein laufender Prozess.» Die grösste Einschränkung sei es, dass sie bei allem schneller ermüde und auch eine längere Erholungszeit benötige.

«Ich brauche für längere Gehstrecken einen Stock, und mein Gleichgewichtssinn lässt manchmal etwas zu wünschen übrig. Aber ansonsten sind meine Einschränkungen wie Nackensteife, Muskelverspannungen, Schwäche im Arm, Missempfindungen und Schmerzen nicht offensichtlich. Man sieht es mir nicht auf den ersten Blick an. Das hat Vor- und Nachteile!»

Ihre Tätigkeit als Coach habe sie nicht aufgrund ihrer Erkrankung gewählt. Sie hätte sich schon vor der Diagnose für diesen Bereich interessiert und Entspannungstechniken praktiziert, so Patricia Stutz:

«Durch die MS habe ich noch vermehrt die Gelegenheit erhalten, meine eigenen Übungen weiterzuentwickeln und Theorien in die Praxis umzusetzen. Auch wenn es immer noch anders ist, wenn es einen selber betrifft.»

Entspannung ohne Firlefanz und Hokuspokus

Patricia Stutz gibt in diesen Tagen ihr Buch «Das Federwolken-Prinzip – Mein entspannter Umgang mit MS und anderen Kapriolen des Lebens» heraus. Sie habe schon immer gerne geschrieben: Tagebücher, Aufsätze und einen Blog. Aus einer geplanten Broschüre über Entspannungstechniken wurde dann ein Buch, erzählt sie:

«Es bietet eine anschauliche und praktische Einführung in die Welt der Entspannungsverfahren. Mit persönlichen Gedanken zu meiner Lebenseinstellung und was mir dabei hilft, mit Stress und Schmerzen leichter umzugehen und eine optimistische Haltung zu bewahren.»

Ohne Firlefanz und Hokuspokus. Dies zu erwähnen, sei für sie wichtig. Sie könne Esoterik nicht viel abgewinnen.

«Ich habe eine Abneigung gegen obskure Techniken und Zaubermittel und wenn Hilfe suchende Menschen ausgenutzt und für dumm verkauft werden.»

Sie selber bevorzuge Entspannungstechniken und -verfahren, die wirksam, wissenschaftlich belegt, realistisch und konkret seien. «Tarotkarten, Kristalle, Aura-Sprays und anderen esoterischen Krimskrams suchen Sie bei mir vergebens. Ich mag zwar Düfte und Steine, aber es würde mir nicht in den Sinn kommen, ihnen eine magische Bedeutung zuzuschreiben.»

Ihr Buch empfiehlt sie allen Menschen, die sich ein wenig mehr Leichtigkeit, innere Ruhe und Entspannung im Leben wünschen. Menschen, die neugierig sind, wie sie selber mit einfachen und alltagstauglichen Methoden mit chronischen Schmerzen und Belastungen umgehe.

Patricia Stutz bezeichnet sich mit sich selber und der Aussenwelt grundsätzlich im Reinen, glücklich und zufrieden. Natürlich gebe es auch bei ihr mal negative Tage.

«Das darf sein und ist okay, ich erachte es auch nicht als meine Aufgabe, dauerentspannt oder dauerpositiv zu sein. Nebst Entspannungstechniken geniesse ich in solchen Momenten Ausflüge auf den Weissenstein und nicht zu vergessen die selbstgemachte Pizza meines Ehemannes mit einem Glas Aperol Spritz.»

Weitere Informationen zum EntspannungsAtelier und dem Buch von Patricia Stutz unter: www.entspannungsatelier.ch.