«Die Altstadt von Solothurn liegt ideal im Fadenkreuz der Energieströme», ist sich Martin Frei, Architekt und Feng-Shui-Spezialist, sicher. Seine Ausführungen an einem vergangenen Salvisbergtisch des Touringhauses waren Anlass, der Sache auf den Grund zu gehen. So geht Frei auf Anfrage ins Detail und zeichnet eine Skizze.

Oben halbrund ist die Weissensteinkette: Die Chinesen bezeichnen dies als «Schildkröte». Sie breitet ihren «Panzer» zum Schutz über das Gelände aus. Von diesem Bogen ziehen sich zwei Stränge nach unten. Auf der einen Flanke ist es der «Drache», im konkreten Fall die Erhebung zwischen dem Galmis und St. Niklaus, auf der anderen der «Tiger».

Argumente für die Wasserstadt

Da nach Feng-Shui-Theorie nicht nur natürliche Erhebungen eingezogen werden, sind es auf dieser Seite die Weststadt mit den markanten Hochhäusern des Sonnenparkes. Die Aare, als «Wasserdrache» bezeichnet, bildet den hauptsächlichen Energielieferanten dieser Lage. Als Tüpfelchen auf dem i könnte die Gegensteigung des Birchi betrachtet werden. In der Richtung Ost-West sorgen die Aare, die Eisenbahnlinien und die Strassen für Energiezufuhr. Wenn man vom Steinbruch in Oberdorf bis zum Birchi eine Linie zieht, stösst man auch auf eine Energiezufuhr in der nord-südlichen Richtung.

«Feng» heisst Wind und «Shui» Wasser oder sinngemäss ausgedrückt Bewegung und Ruhe. Auf einer Balance dieser Begriffe basiert Feng-Shui. Eine potenzielle Stadtentwicklung sieht Frei eindeutig im Westen und findet das Projekt der Wasserstadt äusserst sinnvoll. «Der an sich schwache Tiger wird dadurch gestärkt, und die Zufuhr von Wasser aus der Aare sorgt für gute Energieversorgung in der Wasserstadt. Auf alle Fälle nützt es der Stadt, wenn der Tiger noch ausgeprägter ist.»

Ein Stadtrundgang

Martin Frei betrachtet den Stadtplan lange und kommt zum Schluss, dass südlich der Bahnlinie kaum Energie vorhanden ist. Solothurn hat viele Brücken, das heisst viele Energiesammelorte. In China werden an Brücken meist Pagoden gebaut. Das Hotel Ramada beispielsweise ersetzt eine Pagode. Nach Feng-Shui hätte es höher gebaut werden müssen, um einen Kontrapunkt zur St.-Ursen-Kirche zu bilden. Am westlichen Ende der Vorstadt befindet sich der Krumme Turm.

Auch er ersetzt die in China übliche Pagode und bildet einen Bezugspunkt zum Hotel Ramada. So ist denn die Vorstadt eingerahmt von zwei Gebäuden, die Energie sammeln. Der Palais Besenval seinerseits liege an ausgezeichneter Lage. «Die Chinesen aber hätten das Gebäude um 90 Grad gedreht und den offenen Hof gegen die Aare gemacht.»

Trenngitter zur Strasse ungünstig

Kommen wir den Kronenstutz hinauf zur St.-Ursen-Kirche. Martin Frei bezeichnet den Standort als gut, als dominant. Die Kirche ist gut an den «Wasserdrachen» (Aare) angebunden, ohne von einer vom Wasser ausgehenden Gefahr ausgesetzt zu sein. Die Kirche ist exponiert und wahrt eindeutig die Übersicht. Im Gegensatz dazu die Jesuitenkirche, welche mehr in dieses Geschehen eingebettet ist. Das Rathaus steht eindeutig im Schatten der Kirche.

Es ist nicht unbedingt ein repräsentativer Ort. «Die Kirche hat geschichtlich vermutlich mehr Einfluss gehabt als die Politik.» Das Rathaus profitiert praktisch nichts vom Wasserdrachen und hat nur mit dem Franziskanertor einen Energielieferanten.

Die unterschiedlichen Schlösser

Der Feng-Shui-Meister Howard Choy hat schon Kurse in Solothurn abgehalten. Innerhalb dieser Veranstaltungen haben sich die Teilnehmenden mit den Schlössern Waldegg und Blumenstein auseinandergesetzt. So wurde festgestellt, dass die Waldegg den Feng-Shui-Kriterien entspricht. «Ein bewusst ausgesuchter Ort, welcher Macht repräsentiert.» Sie ist in Sichtweite der Aare und hat von ihrer Lage her Zugang zu verschiedenen Referenzpunkten. Das Gegenteil weist das Schloss Blumenstein auf. Dort wurde das Schloss durch Landverkäufe seiner Umgebung beraubt und mit dem Bau der Kanti ist die Sicht zum Referenzpunkt Kathedrale verbaut worden.

Fazit dieser Betrachtung ist, dass Solothurn unbewusst viele Feng-Shui-Kriterien angewandt hat und eine glückliche Stadt sein sollte. Letztlich dient die Anwendung von Feng-Shui bei Anlagen dem Wohle der Menschen – im Einvernehmen mit der Natur.