Ist Imitieren die höchste Form des Kompliments, so holt China unbestritten den Weltmeistertitel in Schmeichelei. Dabei klammern wir Markenerzeugnisse wie «Dolce & Banana», «Rehbock», «Odidos» oder «Buckstar Coffee» jetzt mal aus – denn geschmeichelt fühlen sich die kopierten Firmenmarken ja in den wenigsten Fällen. China kopiert indes im physisch grösseren Format: So stehen im Land des Lächelns bereits eine Kopie des Eiffelturms, der Sagrada Familia oder anderer Sehenswürdigkeiten. Ein bisschen Venedig findet sich hier, ein bisschen London da, und da drüben ein bisschen Amsterdam.

Unlängst wurde auch ein schmuckes Dörfli aus Oberösterreich in den Osten «gecopypastet». Hallstatt mitsamt seinem malerischen Hallstättersee gibts jetzt auch in der südchinesischen Provinz Guangdong. Zuvor hatten sich Architekturspione unter die chinesischen Touristenströme in Österreich gemischt, fleissig heimlich geknipst und kartografiert – und Hallstatt anschliessend zu Hause nachgebaut. Die knappe Milliarde Dollar dafür ging aber voll und ganz für den Bau drauf, während die Hallstätter wohl noch lange auf irgendwelche Tantiemen warten dürften.

Doch was hat das Ganze mit Solothurn zu tun? Eine ganze Menge. Dass die Stadt nämlich eine Klon-Schwester erhält, liegt im Bereich des Wahrscheinlichen. Zum Beispiel in Schanghai? Vor rund sechs Jahren machte die Nachricht die Runde, dass ein chinesischer Geschäftsmann mit dem damaligen Inventar der hiesigen «Krone» geliebäugelt und dieses schliesslich ins Reich der Mitte entführt habe. Wird also Zeit, dass er die Hülle drumrum aufbaut. Und den Chronestutz. Und wenn wir gerade dabei sind, auch die Kathedrale aus der Feder von «Pi-So Ni». Oder den Zeitglockenturm. Und von da ist auch der Nachbau der ganzen Altstadt nicht mehr fern. Natürlich darf auch ein künstlich ausgebuddeltes und aufgefülltes Aarebett in Schanghai nicht fehlen. Oder eine Nebelmaschine für herbstliche Authentizität.

Jetzt muss mannur noch auf eine Armada an «Raubkopierern» warten, die Solothurn minuziös abfotografiert. Unter dem Strich hätte wohl auch die Original-Stadt etwas davon: Die Copy-Paste-Aktion in Österreich hat sich für den Hallstätter Tourismus als Goldesel herausgestellt, wenngleich als unkontrollierbaren. Und wer den Groll gegen das Solothurn-Klonen nicht abstreifen will, kann es mit Rache probieren – und ein kleines kopiertes Chinatown, vielleicht an der Berntorstrasse, initiieren? Oder baut nach erfolgter Stadtmist-Sanierung ebendort ein Reisfeld nach chinesischem Muster. In der Grenchner Witi wird dies schon mal gestestet...