Nachtleben

«Solothurn ist weder eine tote Stadt noch ein Sündenpfuhl»

Im Bild (v.l.l): Moderator Charlie Schmid (FDP), Jutta Thellmann (Anwohnerin Stalden), Urs F. Meyer (Leiter Personal- und Rechtsdienst der Stadt Solothurn), Markus Moerler (Inhaber "The Docks")

Angeregtes Podium

Im Bild (v.l.l): Moderator Charlie Schmid (FDP), Jutta Thellmann (Anwohnerin Stalden), Urs F. Meyer (Leiter Personal- und Rechtsdienst der Stadt Solothurn), Markus Moerler (Inhaber "The Docks")

Der traditionelle Sommeranlass der FDP-Ortspartei widmete sich der Frage, wie sich Wohnen und Nachtleben in Einklang bringen lassen.

Seit gut einem Monat prägt die Kampagne das Bild der Stadt: Patrouillen, die bei den Nachtschwärmern in den Gassen für Ruhe, Ordnung und Rücksicht sensibilisieren. Und: Plakate, auf denen Gastrobetreiber verkünden: «I ha Sorg zu üsere Stadt. Und Du?»

Einer, der für diese Parole sein Gesicht lieh, ist Markus Moerler, Betreiber von «The Dock» am Unteren Winkel. Moerler gewährte in seinem Lokal denn auch das Gastrecht für den traditionellen Sommeranlass der Stadtsolothurner FDP, die sich vor eine interessierten Publikum aus Parteifreunden und Parteimitgliedern ins Thema stürzte und es aus gleich drei Perspektiven beleuchtete.

Jutta Thellmann als Altstadtbewohnerin am Stalden lobte die Entwicklung zum Aarequai, wies aber unmissverständlich auf die damit verbundenen Probleme hin: «Wenn wenige Meter neben dem Bett die Party läuft, ist an Schlaf kaum zu denken.» Dies betreffe vor allem die arbeitende Anwohnerschaft. Sie brachte auch ihre Sorge zum Ausdruck, der Altstadtbevölkerung könnte es an einer Durchmischung mangeln: «Es sollen hier nicht nur Leute wohnen, die entweder schwerhörig sind oder selbst Party machen wollen», verdeutlichte Thellmann.

Was ist mit den jüngeren Nachtschwärmern?

Moerler selbst trat ein fürs jüngere Partyvolk. «Fürs Ü20-Publikum reicht völlig, was wir haben. Und Barbetreiber müssen auch nicht länger als zwei Uhr offen haben.» Hingegen stelle sich die Frage, was nach zwei Uhr mit jüngeren Nachtschwärmern geschehe. «Diese müssen ihre Energie auch loswerden können. Gut ist, wenn sie es nicht an einem Blumentopf auslassen», so Moerler. Konkret: «Solothurn braucht einen Club, damit die jungen Partygänger nicht nach Basel, Bern, Zürich in den Ausgang pendeln.» Gleichzeitig weiss auch Moerler: «Der Solothurner ist extrem tolerant und liberal.»

«Ein Club fehlt in Solothurn definitiv»

Gerade der Schulterschluss zwischen Anwohnern, Gastrobetreibern und Nachtschwärmern unter dem Namen «Unisono» habe einige Lösungsansätze zutagegefördert, erklärte indes Urs F. Meyer, Leiter des städtischen Personal- und Rechtsdiensts. Gemeint sind besagte Patrouillen sowie die Plakatkampagne, aber auch das Miteinander aller Interessengruppen am Runden Tisch; sowie als eigene weitere mögliche Massnahme die Schaffung von Raum für Jugendliche - in Zusammenarbeit mit dem Alten Spital und der Jugendkommission.

Auch Meyer schildert die absurde Situation pendelnder Nachtschwärmer am Beispiel: «Es kann nicht sein, dass sie um 22 Uhr in den Zug steigen, damit sie nach Riazzino in den Tessiner Vanilla Club fahren, um am Morgen auf den ersten Zug zurück nach Solothurn zu pendeln.» Ein Club, so Meyer, «fehlt in Solothurn definitiv.» Wobei damit nicht die Stadtgrenzen als Einschränkung gelten sollen: So kam der Vorschlag auf, den neu erschlossenen «Uferpark» der ehemaligen Industriebrache Attisholz Nord als Standort für einen Club in Betracht zu ziehen.

Wohnen und Nachtleben sollen nebeneinander möglich sein

«Das wäre ein geeigneter Ort», meinte dazu der ebenfalls anwesende Stadtpräsident Kurt Fluri. Er verwehrte sich gleichzeitig dagegen, Solothurn einerseits als «tote Stadt», andererseits als «Sündenpfuhl» zu betrachten. «Der Weg von Solothurn ist jener, der Wohnen und das Nachtleben ermöglicht», so sein Votum. Dazu gehöre auch Anstand: «Man darf es bei der Krone der Schöpfung durchaus erwarten, dass nicht einfach in Hauseingänge gepinkelt wird.»

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