Fussball-EM
Solothurn ist Public-Viewing-Hochburg

Fussballfans, die bereits jetzt den Europameisterschaften entgegenfiebern, haben in Solothurn die Qual der Wahl. An zwei Standorten werden die EM-Spiele auf Grossleinwand gezeigt.

Andreas Kaufmann
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Noch dauert es ganze acht Wochen, bevor sich wieder ein Kontinent samt und sonders der wichtigsten Nebensache der Welt zuwendet. Doch hinter den Kulissen laufen die Arbeiten rund um die Fussball-EM in Frankreich auf Hochtouren – und nicht nur vor Ort, sondern überall, wo die Spiele über die Grossleinwände flimmern.

Das ist in Solothurn neben kleineren Schauplätzen gleich an zwei Örtlichkeiten der Fall. Unter der Devise «So geht Fussball» lancieren Harri Kunz, Markus Wälti und ihr Team in der Reithalle eine Public-Viewing-Eventreihe vom 10. Juni bis 10. Juli. Gleichzeitig wird der Dornacherplatz vom Dreierteam Jumbo Monopoli, Frizz von Burg und Pippo Palermo wie schon vor zwei und vier Jahren zum Sandstrand umfunktioniert.

So würde das Gelände ohne Dome aussehen
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Foodstrasse
Business Deck
Mit einem 15 Meter hohen Public-Viewing-Monument wagt sich das Team rund um «Beach Style» auf dem Dornacherplatz an neue Massstäbe.
Mit einem 15 Meter hohen Public-Viewing-Monument wagt sich das Team rund um «Beach Style» auf dem Dornacherplatz an neue Massstäbe.

So würde das Gelände ohne Dome aussehen

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Was dort letztmals unter dem Namen «Beach Style» lief und Strand- mit Stadionambiance vereinigte, wird heuer zum «Beach Style Dome» ergänzt.

Damit ist das Monument angesprochen, das entsteht: ein 15 Meter hohes, 30 Meter breites und 40 Meter langes Bogenzelt, das ein regelrechtes EM-«Dörfli» überdeckt: eine Haupttribüne mit 500 Plätzen, eine 400-Quadratmeter-Sandfläche für 1000 Stehplätze, eine 28-Quadratmeter-LED-Leinwand, einen Business-Bereich sowie eine VIP-Lounge, beide unter anderem für Kundenanlässe. Dazu eine Strandbar und eine Foodstrasse.

«Outdoor und doch drinnen», beschreibt Monopoli. Der «Dom» besteht abschnittweise auch aus transparentem Deckmaterial, was den Blick in den Himmel freigibt. In Nord-Süd-Achse zirkuliert Luft, und seitwärts lassen sich die arkadenartigen Durchgänge bei Schlechtwetter abschirmen.

Mit dem neuen Konzept schafft das Team einem Risiko Abhilfe, das die Bilanz vor zwei Jahren trübte. «Wir sind damals nach einem Traumstart nur knapp mit einer schwarzen Null durchgekommen – einerseits wegen des schlechten Spielverlaufs, andererseits wegen der Witterung.» So war damals nach einem wettermässig günstigen WM-Auftakt Petrus’ Gunst kaum mehr zu spüren.

Der Grossanlass will geplant sein

Seit letzten Sommer sind die drei Beach-Style-Macher am Planen. Der Aufbau beginnt ab 23. Mai, der «Dom» wird aus Portugal angeliefert. Die meisten Partner stammen aus der Region. Bis zum Start werden beim Trio bis zu 800 Mannstunden zusammenkommen.

«Danach werden wir jeden Tag auf Platz sein», sagt Monopoli. Je nach Ansturm werden zwei Personen das Kassenhäuschen betreuen, und bis zu zehn Barleute, zwei «Läufer» sowie zwischen vier bis zehn Sicherheitsleute vor Ort sein. Mithelfen werden auch einige Vereine.

Dass der bisher eher mässige Erfolg der Schweizer Nati der Public-Viewing-Freude abträglich sein könnte, glaubt Monopoli nicht: «Die Schweizer trumpfen oft erst bei Turnierspielen auf. Nach drei Schweizer Spielen müssen wir nur noch auf ein Weiterkommen hoffen.» Und sonst gebe es ja immer noch die italienische Mannschaft. Ausserdem stuft er eine EM lukrativer ein als eine WM, «da die hiesigen Zuschauer eher einen Bezug haben zu europäischen Mannschaften».

Abseits der Leinwand, auf der sämtliche Spiele gezeigt werden, lockt neben dem Kulinarischen auch ein kulturelles Rahmenprogramm: Jeweils im Vorfeld der Matchs geben Bands ihr Können zum Besten.

Dezente DJ-Klänge werden bis 0.30 Uhr die Abende ausläuten. «Wir stehen mit den Anwohnern stets in gutem Kontakt», entkräftigt Monopoli Lärmbedenken. «Abgesehen von Grossstädten ist Solothurn wohl eine der wenigen Orte mit zwei Public Viewings», sagt Monopoli. Und das nicht ohne Grund: Vor zwei Jahren war die Nachfrage zeitweise grösser als das Angebot: «Vereinzelt mussten wir damals bis zu 800 Leute heimschicken, die bei uns keinen Platz mehr hatten.»

«So geht Fussball»

Ebenfalls an den Erfolg anknüpfen wollen Harri Kunz und Markus Wälti, die in und bei der Reithalle wiederum ihr Public Viewing veranstalten – unter dem Motto «So geht Fussball». Während in der Vorstadt rund 1'500 Gäste Platz haben werden, sind es bei der Parallelveranstaltung ca. 1'200.

Public Viewing in der Reithalle
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Der Aussenbereich bei der Reithalle versprüht französisches Flair.
In der Nacht: Der Aussenbereich bei der Reithalle versprüht französisches Flair.
Ronaldo Lounge
Ronaldolounge und Rythalle-Arena
Rythalle-Arena

Public Viewing in der Reithalle

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«Dezent und klein», lautet hier die Devise. Die beiden Veranstalter setzen ganz und gar auf französisches Flair. «Der neu lancierte Aussenbereich ist einem französischen Garten nachempfunden», beschreibt Kunz den «Jardin de la Victoire», der vor allem bei schönem Wetter betrieben wird und mit einer LED-Leinwand und Bistrotischchen lockt.

Im Innenbereich sorgen zwei Fan-Ebenen – die «Rythalle-Arena» und die leicht erhöhte «Ronaldo-Lounge» – sowie vier Grossleinwände für Stadionatmosphäre. «Bei uns zählen aber Ambiente und Erlebnis mehr als das Fussballspiel an sich», so Kunz weiter. So bereiten ihm auch die verhaltenen Leistungen der Nati keine schlaflosen Nächte.

Gumpischloss, Pétanque und ein Gastro- und Barangebot – unter anderem von «Srignags» – runden das Angebot der Reithalle ab. Wie beim «Beach Style Dome» wird hier auch auf Kundenanlässe gesetzt.

Einige Packages konnten bereits verkauft werden, «dies verschafft uns eine gewisse Startsicherheit». Ausserdem ist das erste Schweizer Spiel gegen Albanien bereits ausverkauft. Beim Match gegen Rumänien ist die «Ronaldo-Lounge» ausgebucht. Genügend Tickets seien noch für das Spiel gegen Frankreich vorhanden, informiert Harri Kunz.

Auch einige Spezialanlässe sind geplant: darunter mehrere Pétanque-Turniere, Gastro-Höhepunkte sowie ein Velosolex- und Deux-Chevaux-Treffen.

Weitere Infos unter www.so-geht-fussball.ch und www.beachstyle.ch

Der Terrorangst keinen Platz bieten

Nach den Terrorakten in Paris und Brüssel wird Sicherheit auch im Hinblick auf die EM grossgeschrieben. Doch wie rüsten sich die verstreuten Public-Viewing-Anlässe auf einen möglichen Anschlag? «Belgien hat gezeigt, dass selbst in einer Hochsicherheitszone ein Anschlag kaum zu verhindern war», sagt Jumbo Monopoli. So sei es wichtig, entgegen allen Ängsten solche Anlässe durchzuführen: «Sonst dürfte auch ein Märetfescht nicht mehr durchgeführt werden. Und auch die Festivals in der Open-Air-Hochburg Schweiz müssten um ihre Durchführung bangen.» Konkret werde das Sicherheitskonzept beim «Beach Style Dome» mit der Stadtpolizei besprochen. Eine Eingangskontrolle stellt sicher, dass keine bedenklichen Gegenstände in Areal gelangen. Eine 24-Stunden-Videoüberwachung und patrouillierende Security-Leute runden die Sicherheitsmassnahmen ab. Und so sei man auch auf das möglicherweise konfliktgeladene Spiel Schweiz–Albanien gefasst. «Aber wir haben den Ruf des friedlichen Festivals, diesen behalten wir auch.»
Ähnlich klingt es bei Kunz und Wälti: «Wir werden die normale Eingangskontrolle haben», so Kunz. Ausserdem stehe man mit der Stadtpolizei und mit anderen Veranstaltern in Kontakt. Ein umfassendes Sicherheitsdispositiv, um Attentate gänzlich ausszuschliessen, sei weder hier noch andernorts umsetzbar. «Ein Märetfescht, ein Openair Etziken oder auch eine HESO müssten abgesagt werden», sagt auch Kunz. «Angst habe ich aber nicht. Sucht sich jemand ein Ziel, so kommt er nicht nach Solothurn.» (ak)

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