Als Kurt Fluri gewählt wurde, da druckte die Zeitung nur schwarz-weisse Bilder. Die Politiker wirkten alle etwas grauer, als sie tatsächlich waren. Als ich mich erinnerte, in welch knallig-leuchtenden Neonfarben der Trainer gehalten war, den unser Turnverein in den 1990er-Jahren bestellte, dachte ich, dass es vielleicht gut sei, dass man aus gewissen Zeiten nur schwarz-weisse Bilder hat.

Aber eigentlich kam ich ja auf die Schwarz-weiss-Bilder, weil es dieses Jahr etwas zu feiern gibt, das bisher niemand gefeiert hat: 25 Jahre Stadtpräsident Kurt Fluri. Es gab aber trotz unzähliger Erfolge Fluris (wir schwimmen in Millionen) nichts, das mit Champagner oder Galadiner begossen wurde. Solothurn ist halt doch eine Republik, auch wenn andere immer wieder vom Königreich sprechen. Und vielleicht mag der Stadtpräsident das Feiern halt einfach nicht so (soll jetzt keine plumpe Anspielung aufs Nachtleben sein): Ihm sei «wurscht», ob man das 2000-Jahr-Jubiläum Solothurns noch in seiner Amtszeit feiere, sagte Fluri kürzlich im Gemeinderat. Wahre Macht ist, wenn man sie (und sich) nicht inszenieren muss.

Wie man Feiern inszenieren kann, das könnte Fluri im Königreich der Stadtschulen lernen – falls er in den letzten Tagen das «Schuljus» aus dem Briefkasten genommen hat. Das Magazin der Stadtschulen hatte etwas zu feiern: Nicht nur die Direktorin, die in ungezählten Farbfotos inszeniert wird. Zehn Jahre Tagesschule sind das Hauptthema auf ungezählten Seiten, ein wichtiger Standortfaktor fürwahr. Feiern aber wollten dies die Gemeinderäte nicht. Schuldirektorin Schori bedauert die «fehlende Präsenz» der Gemeinderäte, mit denen sie gerne diskutiert hätte. Vielleicht ist es ein Kompliment, dass sie nicht kamen: Schaut die Politik weg, heisst es, dass es keine Probleme gibt. Aber ja, eigentlich ist das doch erstaunlich, wenn man sieht, wie ausgelassen Gemeinderäte in Pubs feiern können.

Solothurner feiern ja gerne: Ob Streetfood, Oktoberfest oder jetzt Glühwein an Chlause- und Weihnachtsmarkt: Raus und essen und trinken. Diesen Samstag machen Bars am Landhausquai jetzt noch mobil: Wer als Chlaus verkleidet kommt, kriegt an mehreren Orten gratis Alk. Ja, man kann auch den besinnlichen Anlässen noch ihre letzte Würde nehmen. Schöne Feier- und Festtage, schon jetzt!