Stadtbummel

Solothurn hat sein eigenes Olympia

Die Flimmerkiste blieb während der hiesigen Fasnacht schwarz.

Die Flimmerkiste blieb während der hiesigen Fasnacht schwarz.

Was in den vergangenen Tagen den Einschaltquoten den aktuellen olympischen Winterspiele in Pyong... Chiong... Gong... – also in Südkorea – mit Bestimmtheit abging, waren die Solothurner Zuschauer. Die Flimmerkiste des Durchschnittsolothurners hatte in den vergangenen Tagen wenig zu tun (ausser bei jenen, die sich hartnäckig von jeglichen Online-Schlagzeilen abzuschirmen vermögen und sich die sportlichen Highlights als Aufzeichnung reinziehen). Wie dem auch sei: Solothurn hatte in den vergangenen Tagen was anderes zu tun und absolvierte dabei seine eigene Olympiade, die vor Höchstleistungen in ganz eigenen Disziplinen strotzte – und dies rund um die Uhr: die Rede ist natürlich von der Fasnacht.

Gesamthaft betrachtet erreicht ein strammer honolulesischer Olympionike mit aktiviertem Schrittzähler locker die 42 195 nötigen Marathonmeter, wenn er Chinderchesslete, Erwachsenenchesslete, Maskenball-Tour, Gassenfasnacht mit ausgedehntem Beizen-Zickzack abschreitet – und er verbrennt zudem ebenso viele Kalorien, wenn er hoch und weit hüpfend den Zapfenstreich dranhängt. Dabei darf man aber auch das monatelange Aufbautraining in den Disziplinen Basteln, Schneidern, Värslischmieden und Trommelwirbeln nicht vergessen. So wurde Solothurn selbst, wie Pyeong... chang (na endlich!), komplett umgebaut – nur dass es hier im Gegensatz zu Südkorea Jahr für Jahr geschieht.

Umgebaut hat auch das «Härdöpfuhuus», nur wurde dort der bereits seit Advent als Skihütte bestehende Fassadenaufbau auch für die Fasnacht übernommen. Macht durchaus eine gute Falle – ausser vielleicht aus Sicht der Altstadtkommission. Im ähnlichen zeitlichen Chrüsimüsi grinste während der Fasnacht beim Locanda an der Hauptgasse der Samichlaus den Narren zu. Und jetzt der Rückbau: Unter anderem schlossen kürzlich die Chlämmerli-, die Lulu- und die Esu-Bar ihre Pforten und tragen so auf eine etwas andere Weise zum altbekannten Beizensterben bei.

Dabei endet die solodorensische Olympiade wohlgemerkt jeweils nicht schon an Aschermittwoch. Die Königsdisziplin wird jeweils vom Solothurner Werkhof bestritten - und heuer mehr denn je. Väterchen Frost hatte sich schliesslich als schwerhörig erwiesen und liess das Gechlöpfe, Gefeschte und Gelärme unbeeindruckt an sich vorüberziehen. Und so kehrte in der Nacht auf gestern kurzzeitig der Winter in die Gassen zurück, um bald darauf als Pflotsch zu enden. «Geschnützt» wurde dennoch äusserst sportlich, um das eigenwillige Gemenge von Konfetti, Papierschnipsel, Schnee und Regen aus der Welt zu schaffen. Na, wenn das nicht die Goldmedaille bringt.

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