Jeweils im ersten Quartal präsentieren die Sozialen Dienste Solothurn den jährlichen Tätigkeitsbericht. Und so breitet deren Leiterin Domenika Senti im 23-seitigen «Reporting Soziales» wiederum das Einsatzgebiet aus, das von der Sozialhilfe, über den Kinder- und Erwachsenenschutz bis hin zur Sozialplanung mit dem breiten Geflecht an städtischen sozialen Angeboten reicht.

Als Schwerpunkt stellt sie ins Zentrum, was nicht nur die sozialen Hilfesysteme der Stadt beschäftigt: Der Report geht ausführlich auf die Sozialhilfe für Asylsuchende und Flüchtlinge ein.

Von den schweizweit ankommenden Asylsuchenden gelangen 3,9 Prozent in den Kanton und davon wiederum 7,2 Prozent in die Stadt Solothurn. Untergebracht werden die Personen hier in Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen und – sofern von derselben Ethnie – auch in Gruppenunterkünften wie der Abbruchliegenschaft Gibelin.

Die Stadt Solothurn spricht sich explizit für diese Wohnformen aus, weil man um die negativen Erfahrungen bei unterirdischen oder grösseren Unterbringungen weiss. Gerade aber für vorläufig oder definitiv aufgenommene Flüchtlinge gestalte sich die Wohnungssuche schwierig.

Und: «Gegenwärtig ist davon auszugehen, dass ein Grossteil der anwesenden Asylsuchenden ein Bleiberecht erhält», so der Sozialreport weiter. Darauf aufbauend seien Integrationsmassnahmen, psychologische Betreuung, Tagesstrukturen sowie Deutschunterricht wichtig. Begleitet wird die materielle Sozialhilfe von Ehrenamtlichkeit, nachbarschaftlicher Solidarität und von Begegnungen.

Mehrheitlich aus Eritrea

56 Prozent aller städtischen Asylsuchenden stammen aus Eritrea, 17 Prozent aus Syrien, 12 Prozent aus Afghanistan und der Rest aus Sri Lanka, China, Pakistan oder Somalia. 48 Personen wurden 2015 neu in der Stadt Solothurn aufgenommen, gleichzeitig wurden 11 Personen aus dem Asylbereich als Flüchtlinge anerkannt.

Für 2016 beträgt das Aufnahmesoll 105 Personen – Defizite aus Vorjahren mitgerechnet. Für den Fall, dass die Stadt Solothurn künftig ein kantonales Zentrum beherbergen sollte, wird die Hälfte des verordneten Aufnahmesolls abgezogen. Tatsächlich beklagt der Kanton mit den bestehenden 611 Plätzen ein Mangel an Unterbringungsmöglichkeiten.

Auf städtischem Boden hat der Kanton übrigens ein mögliches Objekt für ein Durchgangszentrum im Auge: das Kapuzinerkloster.

Vorbildliches Intake

Weiter fokussiert der Bericht die Sozialhilfe. Die städtische Sozialhilfequote lag 2014 bei gut vier Prozent, während er in den Städten Grenchen und Olten zwischen sechs und sieben Prozent lag. Bedingt sei dies durch eine andere Bevölkerungsstruktur und den Wohnungsmarkt.

Markant ist auch ein Trend, der schon im vergangenen Jahr auffiel: Während die Anzahl Sozialhilfedossiers und die Anzahl der unterstützten Klienten gestiegen sind, sanken 2015 gleichzeitig die städtischen Ausgaben: um rund 85 000 Franken auf 5,75 Mio. Franken.

Als Erklärung werden mehrere Faktoren gesellschaftlicher Entwicklung herangezogen. Dennoch nehme man die zunehmenden Langzeitdossiers und generell steigende Sozialkosten ernst, ebenso die Verknappung kostengünstigen Wohnraums.

Weiter legt der Sozialreport das Augenmerk auf das Intake, also die Erstaufnahme der Sozialhilfeanwärter: «Es geht darum, Prozesse zu schaffen, die zuverlässig sicherstellen, dass die Mittel denjenigen zukommen, denen sie auch effektiv zustehen.» Auch soll weiterhin sorgfältig abgeklärt werden, welche Sicherungssysteme vor der Sozialhilfe ausgeschöpft werden können – in einem Feld, das für betroffene Personen schnell komplex werden kann.