Rundgang

Solothurn hat im Luftraum über der Altstadt eine bemerkenswerte Vogelwelt zu bieten

Ein Mauersegler streicht im Sturzflug dem Riedholzturm entlang.

Ein Mauersegler streicht im Sturzflug dem Riedholzturm entlang.

Rund 20 Interessierte haben auf Einladung der Voliere Solothurn die Kolonien von Mauerseglern, Alpenseglern und Dohlen in der Altstadt besucht.

Der Kälteeinbruch Ende April hat ihre Ankunft verzögert. Aber jetzt sind sie von ihrer Reise in den Süden Afrikas wieder zurück. Seit letzter Woche sausen die Mauersegler, die gerne mit Schwalben verwechselt werden, wieder um die Dächer der Altstadt. Gut zehn Monate lang haben sie den Boden nie berührt. Jetzt landen die Luftwesen erstmals wieder, um hoch oben unter den Dächern ihre Nisthöhlen zu beziehen.

Am besten sind die dunkelbraunen Mauersegler auf der Schanze am Riedholzturm zu sehen, wo sie zahlreich in den Mauerritzen brüten. Mit etwas Glück und Geduld lassen sich dort wahre Freiluftspektakel beobachten, wenn die kühnen Flieger mit hohem Tempo und Geschrei einfliegen und kurz vor der Wand eine Vollbremsung einleiten. Gut drei Monate dauert das jährliche Schauspiel, bevor die Tiere anfangs August wieder südwärts ziehen.

Wenig bekannte Dohlen

Am Riedholzturm, wo die Gruppe am frühen Sonntagmorgen den ersten Halt einlegte, lebt auch eine zweite, weniger bekannte Vogelkolonie, die aber zum besonderen Naturinventar der Stadt zählt: Nur wer genauer hinschaut und hinhört, stellt fest, dass es sich bei den dunklen Rabenvögeln am Turm und auf den umliegenden Bäumen nicht um Krähen, sondern um Dohlen handelt. Sie haben im Unterschied zur Krähe einen grauen Kopf und helle Augen. Auch ihre metallisch scheppernden Rufe unterscheiden sich vom Gekrächze ihrer Artgenossen.
Auf dem Konzertsaal brütet in diesem Frühling erstmals ein Storchenpaar in unmittelbarer Nähe der Altstadt.

Der eine Storch ist unberingt, beim anderen mit der Nummer SK 515 handelt es sich um ein Tier, das 2017 in der Altreuer Kolonie aufgewachsen ist. «Der 1997 verstorbene Storchenvater Max Bloesch würde sich freuen, wenn er sehen könnte, was aus seiner 1948 begonnen Wiederansiedlung des Storches geworden ist», sagte Michael Hug, der die Gruppe durch das städtische Biotop lotste. Er erinnerte daran, dass Bloesch als Mitglied der ornithologischen Gesellschaft in den Fünfzigerjahren auch viel zum Umzug der Voliere vom Areal beim Bieltor auf die Chantierwiese beigetragen hatte.

Plündernde Marder

Bloesch hatte sich auch an den Untersuchungen zum Alpensegler beteiligt, die in der Fachwelt der Ornithologen ebenso wie die Storchenansiedlung europaweite Bekanntheit erlangten. Federführend im wahrsten Sinn des Wortes war auch hier ein Solothurner Freizeitforscher, der Massgebliches zum Wissen über diesen grösseren Verwandten des Mauerseglers beigetragen hat.

Der 1972 verstorbene Hans Arn-Willi hatte während 25 Jahren die grosse Kolonie in Solothurn akribisch untersucht. Gegen 200 Brutpaare lebten damals im Dach der Jesuitenkirche, bis es vor einigen Jahren Mardern gelang, über die Efeuranken auf der Südseite plündernd über die Nester herzufallen.

Die heute bestehende nördlichste europäische Kolonie in Freiburg im Breisgau ist von Auswanderern aus Solothurn begründet worden. Bis in die Neue Zürcher Zeitung schafften es Hans Arns «Verfrachtungsversuche», bei denen er 1937 28 Alpensegler mit der Lufthansa nach Lissabon fliegen liess. Die Hälfte der Tiere kehrte wieder zurück, wobei die ersten schon nach drei Tagen wieder in der Jesuitenkirche einflogen.

Heute befindet sich der Hauptstützpunkt der Alpensegler, die im Unterschied zu den Mauerseglern einen weissen Bauch haben und deutlich grösser sind, im Dach des Bieltors, wo gegen 60 Paare brüten. Sie kehren auch einige Wochen früher aus dem Winterquartier südlich des Äquators zurück und fliegen erst im September wieder weg. Die Alpensegler beherrschen im Sommer den Luftraum über dem Amthausplatz und über der Chantierwiese, befinden sich doch auch im Dach von Kreiskommando und Landwirtschaftsdepartement direkt neben der Kathedrale grössere Kolonien des Alpenseglers.

Kein Eisvogel-Glück

Wer den Seglern zusehen will, muss den Kopf weit in den Nacken legen. Wer an der Aare den Eisvogel entdecken möchte, muss den Blick nach unten richten. Zwischen Rötibrücke und Emmenspitz, wo es etliche gibt, ist er am ehesten zu sehen, wenn er wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche mit schnellen Flügelschlägen und schnurgerade das Ufer wechselt. Dieses Glück war der Exkursionsgruppe nicht beschieden. Dafür zeigten sich zum Abschluss der Tour in der Schützenmatt noch die Wachholderdrosseln und ein paar farbige Distelfinken.

Ernst Inäbnit, Präsident der Ornithologischen Gesellschaft, verabschiedete zuletzt die Teilnehmenden, die als Dank für ihre letztjährigen Spenden zugunsten der Voliere eingeladen worden waren. Bei Kaffee und Gipfeli erhielten sie zudem die Gelegenheit, sich die Voliere von Catrin und Walter Ferndriger von innen zeigen zu lassen.

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